Hardys Bikerwelt
Hardys Bikerwelt

Tagebuch zur Baikal-Tour

In meinem Tagebuch zur Baikal-Tour habe ich versucht, jeweils aktuell meinen Standort und einige Erlebnisse des Tages zur Tour Richtung Osten und zurück zu vermerken.

 

Ich freue mich auf Eure Kommentare im Gästebuch. Gerne könnt Ihr auch direkt Kontakt zu mir aufnehmen.

 

Das Tagebuch mit Bildern zur Sibirientour als Download
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Tagebuch_web.pdf
PDF-Dokument [1.2 MB]

Bin wieder zurück!!!

An den Tagebucheinträgen, die hier jetzt in einer PDF-Datei zusammengefaßt sind, habe ich im Nachhinein bewußt nichts mehr geändert, so sind z.B. noch alle Rechtschreibfehler, aber auch meine jeweiligen Emotionen des Tages aus den Einträgen zu entnehmen.

 

Eine Auswahl zu den Bildern - es waren insgesamt über 7.000!! (natürlich nicht nur allein von mir, sondern auch von einigen meiner Mitfahrer) - ist jetzt auch eingestellt. Mal reinschauen - es lohnt sich!!

 

 

Das körperliche und materielle Fazit meines 1. Reiseabschnittes:

  • ich selbst
    • Kapselsplitter im Sehnenansatz linker Ellenbogen, jetzt eine chronische Entzündung (Unfall vom 05.07.12 - wird immer noch behandelt, 01/2013)
    • Bandscheibenproblem (Unfall vom 05.07.12, derzeit beschwerdefrei)
    Jetzt ist für mich auch nachvollziehbar, warum mir zum Beispiel das Durchfahren der Wasserlöcher (oder sollten es doch nur "Pfützen" gewesen sein??) und der vielen Schlaglöcher so viel Schmerzen bereitet hat.

  • Material
    • mein Zumo 550 hat unterwegs sein Leben ausgehaucht (komplett eingeforen! - schon von Garmin  durch einen Zumo 660 im Reparaturaustausch ersetzt!)
    • Verschluss des Kameraschutzes der GoPro während der Fahrt zerbrochen (wieder ersetzt!)
  • Multistrada
    • Kühlung defekt - hatte damit wirklich extreme Probleme!!! (Kühler wurde von Ducati nach der Tour auf Kulanz ausgetauscht, danke!)
    • Exzenter zum Kettenspannen festgebacken (war doch viel Sand "im Getriebe"!!!!)
    • Kofferträger mit Kennzeichenaufhängung defekt (SW-M-Träger wurde von Polo gg. Erstattung zurückgegeben, Neuanschaffung eines TT-Trägers aus Stahl mit neuen Koffern))
    • CLS-Öler - Impulsgeber unter der Hinterachse abgerissen (wieder befestigt)
    • Kette total verschlissen (neuer Kettensatz!)
    • elektronische Fahrmodusumstellung mit Fehlermeldung (Impulsgeber am Federbein ersetzt)

 

 

Das Positive überwiegt:

Im positiven Sinne kann jedoch festgehalten werden, dass ich im Verlauf der Reise viel erfahren, gelernt und erlebt habe (herzlichen Dank Jürgen!). Allein zu fahren wäre für solch eine Tour theoretisch bestimmt machbar, nur macht dies in einem solchen Land absolut keinen Sinn - man sollte mindestens zu zweit sein und wenigstens in Ansätzen die Sprache und die kyrillische Schrift beherrschen!!!

 

Das Zelten in Russland ist (zumindestens auf unserer Strecke!) soweit unüblich (es gibt dort nur sehr wenige Campingplätze, dafür aber sehr viele fliegende Plagegeister beim Zelten) und außerhalb von Campingplätzen (wild zelten) ist es unsicher. Alkoholismus und die damit verbundene Armut ist über das gesamte Land verbreitet und die daraus entstehenden/entstandenen Probleme der Kriminalität verstärken noch die unsichere Lage. Übernachtungen in Motels pp. sind - bei nicht allzu hohem Anspruch - preislich gut machbar.


 

Ausdrücklich möchte ich mich auf diesem Wege bei allen Freunden, Bekannten, ehemaligen Kollegen und Lesern meines Tagebuches für die Kommentare im Gästebuch bedanken. Die Kommentare haben mir gezeigt, dass es doch richtig war, die Reise so zu unternehmen und aus den gemachten Erfahrungen für die nächsten - hoffentlich noch vielen - Kilometer zu lernen.

 

Herzlichen Dank!!

 

Kommentar bitte im Gästebuch hinterlassen




Mein Onlinetagebuch zur Baikal-Tour

Montag, 18. Juni 2012
Morgen geht es los!

Mein Gefühl kurz vor dem Start lässt sich so am besten zusammenfassen: Gottseidank geht es endlich los! Die Vorbereitungen sind erledigt. Ab Morgen kann ich mich auf die Dinge konzentrieren, die mir im (Motorrad-)Leben sehr wichtig sind.
Zunächst geht es Richtung Norddeutschland, wo ich in der Lüneburger Heide nochmals vor der Fähre übernachten werde.

 

 

Dienstag, 19. Juni 2012
Zu Gast bei Julia und Markus

Nach ca. 600 km "über die Dörfer" nach Norddeutschland und einer "Geschwindigkeitsknolle" eines netten niedersächsischen Kollegen bin ich gut in der Lüneburger Heide angekommen. Jetzt relaxe ich nach einem guten Essen am Grill und kühlem Bier.
Morgen geht es auf die Fähre und ich werde mich erst wieder am Samstag aus St. Petersburg melden.

 

 

Mittwoch, 20. Juni 2012
Fahrt nach Lübeck und Fähre

Von der Heide über Lauenburg nach Lübeck zur Fähre mit einem leichten Regenschauer. Vor dem Fährterminal erwartete mich bereits Horst. So nach und nach traf dann der Rest der Mitfahrer ein und wir bezogen dann auf den "FINNJET" unsere Kabinen.
Spät abends wurde dann abgelegt.

 

 

Donnerstag, 21. und Freitag, 22.Juni 2012
Fahrt mit dem FINNJET Richtung St. Petersburg

Unterwegs in Sassnitz (Zwischenstopp) kam noch Peter dazu. Die Überfahrt verlief recht ruhig:
- nur sehr wenige Pkw-Mitreisende, aber eine mit Fracht vollgepackte Fähre!

Die Navis wurden bezüglich der Karten und der Route abgeglichen und Fehlbestände aufgefüllt. Lesen war angesagt!

 

 

Samstag, 23. Juni 2012
Ankunft in St. Petersburg

Jetzt beginnen die Erlebnisse:

Gegen 05:30 Uhr (Deutsche Zeit) wurde es in der Kabine lebhaft. Jeder meinte, er müsse nochmal alles Gepäck überprüfen und neu sortieren. Duschen und Aufstehen. Dann kam die Ernüchterung, angelandet werden sollte erst gegen 09.00 Uhr. Also frühstücken und nochmal in die Koje oder auf das Sonnendeck. Der Emigrationsbeamte der Russen erschien gegen 09.00 Uhr und machte "Gesichtskontrolle" in den Kabinen. Jetzt geht es aber endlich los!!!! Weit gefehlt: wir konnten dann so gegen 11.00 Uhr (D.Z.) vom Schiff und standen in der nächsten Kontrolle. Das war aber nur die Zollanmeldung, die pro Fahrzeug so ca. über eine Stunde benötigte. Dank Egon - der kann echt gut russisch!!! - kamen wir so um 18.00 Uhr von dort weg. Die dritte Kontrolle: ein Abstempeln der vielen Formulare - KEINE echte Kontrolle!!!! Dann die vierte Kontrolle bei der Ausfahrt aus dem Hafengebiet. Hier wurde ein rotes Formular abgegeben, sonst einfach nichts!!!!!!!! Wir sprechen von 17.00 Uhr (D.Z.) und 19.00 Uhr Ortszeit.

Zwischenzeitlich hatte es saumäßig zu regnen begonnen und die Stimmung hing im Keller.

 

Das Hotel, in dessen Bar ich nun sitze und schreibe, ist zwar recht groß, aber vom Service hat man dort noch nichts gehört. "Nach einer größeren Schlägerei" konnten wir dann auch mal ein Bier organisieren. Viele Russen scheinen sich dort am Wochenende einfach nur betrinken zu wollen.

Mal schauen, ob es mit Regen so weiter geht???

 

 

Sonntag, 24. Juni 2012
Von St. Petersburg über Nowgorod nach Valday – 390 km

Nach einer Stadtrundfahrt durch das wirklich schöne St. Petersburg mit dem Motorrad und dem Aufsuchen eines Versicherungsmaklers für Rainer, meinem Schweizer Mitfahrer, der für Russland von seiner Kfz.-Versicherung keine Grüne Versicherungskarte bekommen hat, ging es dann Richtung Moskau.

In leichtem Nieselregen waren wir froh, dass das Verkehrsaufkommen „nur" dem Sonntag entsprach. Lkws und Pkws wurden aber dermaßen aggressiv gefahren, dass mir echt vor den Wochentagen graut.

Schließlich erreichten wir Nowgorod, genauer Weliki Nowgorod, Russlands urbane Wiege

Etwa 200 Kilometer südöstlich von St. Petersburg liegt Weliki Nowgorod, die älteste Stadt Russlands. Die Baudenkmäler der Stadt wurden 1992 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Schließlich erreichen wir Nowgorod, genauer Weliki Nowgorod, Russlands urbane Wiege. Nach einer kurzen Rundfahrt und die Besichtigung des Kremls fuhren wir in den Nationalpark Valday ein und wurden von den „Valday-Bikern" (FREE WILL), Freunden von Jürgen auf der Strecke empfangen und zu einem Fischrestaurant im Freien umgeleitet – der Regen hatte mittlerweile aufgehört. Ja, und jetzt bekam man russische Gastfreundschaft zu spüren. Eine tolle Fischsuppe und anschließend jede Menge gute Karpfen und Forellen. Selbst ich als „Nichtfischesser" war begeistert. Auch Wodka sollte/musste getrunken werden – gut, dass wir nur noch wenige Meter zum Zentrum der Naturschutzbehörde hatten. Dort waren wir in den Gästezimmern untergebracht. Abends wurden wir auf eine Datscha zum Essen eingeladen. Der Abend wurde spät!!!!! Die Rückfahrt wurde mit einem „wahnsinnigen" Taxifahrer unternommen – wir kamen aber heil an.

 

 

Montag, 25. Juni 2012
Von Valday nach Twer – 240 km

Der Morgen begann mit einer Führung durch die Zentrale der Naturschutzbehörde und einem Stadtrundgang mit dem Glockenmuseum. Die Besichtigung des Iwerski-Klosters auf einer Insel im Ilmensee schloss sich an. Die Klosteranlage wurde gleichzeitig als Wehranlage gebaut.

Uns sollte eigentlich ein Schiff nach dort bringen, aber das erschien einfach mal nicht. So mussten wir mit einem schnell organisierten fahrbaren Untersatz – von einem Bus möchte ich hier nicht sprechen – über eine Brücke nach dort fahren.

Nach dem Kulturteil wurden die Motorräder wieder bestiegen, die Valday-Biker verabschiedeten uns mit einem Kaffe und begleiteten und noch ein Stück des Weges Richtung Twer.

 

 

Dienstag, 26. Juni 2012

Twer - Dubna - Dmitrov - Sergiev Posad - Pereslavl Zalesskij - Susdal - ca. 420 km

Wir verlassen nach längere Fahrt die M 10, die Moskau mit St. Petersburg verbindet und erreichen den Moskau Kanal, um nach einer Tour über kleinere Straßen den „Goldenen Ring" zu erreichen.

Dubna war als Atomforschungszentrum eine für Ausländer lange gesperrte Stadt, die auch sowjetische Staatsbürger nur mit einem Sonderausweis erreichen konnten. Auffallendstes Bauwerk ist der Staudamm, der die Wolga zum Iwanskowskojer Stausee aufstaut.

Wir fahren bis Dmitrov entlang des Moskau Kanals, der die Moskwa in der russischen Hauptstadt mit der Wolga verbindet.

 

Goldener Ring

Als „Goldenen Ring" Russlands bezeichnet man die altrussischen Städte, die um Moskau in einem Umkreis von 50 bis 500 km liegen. Die Routen, die durch diese ältesten russischen Städte führen, verlaufen durch fünf Gebiete Russlands - Moskau, Jaroslawl, Kostroma, Iwanowo und Wladimir - und zeigen die spannende Geschichte der Entstehung Russlands in einzigartigen Geschichts- und Kulturdenkmälern.Zwiebeltürme, Zwiebeltürme, Zwiebeltürme: Das Dreifaltigkeits-Sergios-Kloster in der Stadt Sergejew Possad ist eines der wichtigsten religiösen Zentren Russlands, ein bedeutender Wallfahrtsort für orthodoxe Christen und das Ausflugsziel für Touristen im Moskauer Umland schlechthin. Nach der Besichtigung auch dieses Klosters fuhren wir durch eine wundervolle Landschaft aber über grauenhafte Nebenstraßen – ein Schlagloch neben und hinter dem anderen – nach Susdal. Auch dort wurden wir von Bikern begrüßt und durch die Stadt geführt. Ein langer, feuchter Abend schloss sich an.

 

 

Mittwoch, 27. Juni 2012

Von Susdal über Palech nach Nischni Nowgorod - 360 km

Ein Stopp in Palech war durch die Biker aus Susdal organisiert worden. Hier werden die traditionellen russischen Lack-Miniaturmalereien gepflegt - wir besuchten wir eine Ikonenmalerei. Fast der gesamte Ort lebt von dieser Art Arbeit.

 

Ja, und dann hatten wir das erste echte Problem:

Dieter konnte es nicht abwarten und wollte schon mal allein Richtung Nischni Nowgorod fahren. Er hatte einfach genug vom „Kulturteil". Beim Überholen im Regen rutschte sein Hinterrad im Beschleunigen weg und er schoss mit seiner alten GS im Fallen über die Gegenfahrbahn und schlug sich den Zylinderdeckel auf. Motoröl lief aus und der Deckel hatte ein großes Loch. Dieter kam mit Prellungen pp. davon. Über Handy gab er uns die "Neuigkeit" durch und musste warten, bis wir dann endlich nach Stunden vor Ort eintrafen, zudem er auch noch den falschen Standort durchgegeben hatte. Seine Maschine wurde in den Begleit-Bulli gepackt und nach Nischni Nowgorod transportiert.

 

Mal schauen wie es nun weitergeht. Auch bei meiner Maschine hat sich ein Defekt eingestellt – vermutlich ist das Thermostat defekt, da die Temperatur oft über 120 kommt. Schauen wir mal!!!

 

 

Donnerstag, 28. Juni 2012

Von Nischni Nowgorod nach Kasan/Tartastan - 430 km

Als wir die 1,5 Millionen Stadt Nischni Nowgorod verließen regnete es wieder. Der Regen sollte uns nun mal stärker oder schwächer den gesamten Tag verfolgen. Der Nischni Nowgoroder Kreml, den wir ohne Regen kurz besuchten, ist das historische Zentrum der Stadt. Der Bau begann 1501 mit dem Iwanowskaja-Turm. Es folgten weitere Baumaßnahmen 1515. Der Komplex umfasst insgesamt 13 Türme, die recht sehenswert sind. Aber Motorradfahren steht an. Die BMW von Dieter ist immer noch in einer russischen Werkstatt und man versucht dort den Zylinderdeckel zu reparieren.

Wir sind wieder auf der übervölkerten M 7 im Verkehrschaos. Starker Regen setzt ein und wir quälen uns über Schlaglöcher, Schotter- und Schlammauflagen in den elend langen Baustellen - hier geht nur ein Weg Richtung Osten: und das ist dieser!!! Die Verkehrspolizei versucht mittendrin - nein!!! nicht wie jetzt gedacht wird, das Chaos zu lindern, diese Menschen halten auch noch Fahrzeuge mittendrin an und blockieren damit die gesamte Fahrbahn - Rückfall in die alte Sowjetzeit!!

Nach viel Regen und Schlaglochpisten Einfahrt in die autonome Republik Tatarstan im östlichen Teil des europäischen Russland. Die Straßen wurden auch nur ein kurzes Stück besser. Dafür jetzt aber noch mehr und längere Baustellen mit extremen Schotter und Schlammdurchfahrten. Ob das meiner DUC gut tut - ich glaube es nicht, zumal sich die Sache mit der Kühlung nicht gebessert hat und die Temperatur mit jedem Stopp und Go auf über 120 Grad geht.

Wir kommen an einem schrecklichen Unfall zwischen 2 Lkw (frontal) und einem Pkw vorbei - gerade geschehen - die Toten liegen noch offen auf der Straße!! Im Wolkenbruch weiter.

Ich komme mir vor, als würde ich auf Feldwegen mit sehr starker Lkw-Benutzung fahren!!! So etwas habe ich noch nie erlebt!!

Der Regen lässt nach und wir kommen nach Kasan. Wir freuen uns, da wir das IBIS-Hotel dort vorgebucht haben und mal so richtig ausspannen wollen - sauber und gutes Bier - vielleicht!!?? Aber wir sind immer noch in Russland. Wir werden eines Besseren belehrt und stehen erst mal - trotz Buchung und Bestätigung - mit den Motorrädern vor der verschlossenen Hofeinfahrt. Der "bescheuerte" Wächter will/darf uns erst dann einzeln rein lassen, wenn wir die Zulassungen - erneut an der Rezeption - registriert haben. Es fängt zu allen Überfluss auch noch zu regnen an. Schei.....!!!!!

Endlich sind wir im Hof und können nach einer guten 1 1/2 Stunde auf unsere Zimmer. Nun wird aber das Elend komplett - Deutschland verliert gegen Italien!!!!!

 

Morgen wird alles besser!!!

 

 

Freitag, 29. Juni 2012

Von Kasan/Tartastan nach Ishewsk - 410 km

Wahrzeichen der Stadt Kasan und Legenden zufolge das einzige Gebäude, das die Eroberung der Stadt durch die Russen überstand, ist der Sujumbeke-Turm im Kasaner Kreml, der in seiner Schiefheit dem von Pisa nicht viel nachsteht.

Es wird viel gebaut und in der Stadt herrscht ein Verkehrschaos - wie fast überall in Russlands Städten. Die Lichtzeichenanlagen werden absolut nicht nach dem Bedarf ausgerichtet und sind sogar teils gegenläufig geschaltet. - Wir quälen uns aus der Stadt. Das Wetter hat sich nach starkem Regen in der Nacht beruhigt und ist nun bewölkt mit ca. 25 Grad.

In Tartastan scheint man eine riesige Menge an Radarüberwachungsanlagen jeglicher Bauart in der letzten Zeit beschafft zu haben. Fast die gesamte Verkehrspolizei beschäftigt sich mit der Durchführung von Radarkontrollen. Aber wer jetzt denkt, das mache alles Sinn, weit gefehlt, die Dinger stehen portabel oft in einem Abstand von einigen hundert Metern und sind so ausgerichtet, dass ich meine echten Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Messung habe. Aber was solls, mir ist nicht bekannt, wie oft wir geblitzt wurden - angehalten hat uns bisher nur eine Streife, die aber sofort wieder die Papiere aushändigte, als sie sah, dass wir "Fremde" sind und des Russischen nicht mächtig!!!!!!!

Nach vielen Kilometern guter Autobahn (Dieters BMW ist auch wieder dabei - erfolgreich repariert!!), aber auch vielen, urplötzlich und unvorhersehbar auftretenden Schlaglochpisten kommen wir inIshewsk, der Stadt Kalaschnikows an. Sofort werden wir auch hier von einigen Bikern aufgegriffen und zum Kalaschnikow-Museum eskortiert. Dort folgt eine intensive Besichtigung der Waffentechnik und -entwicklung in Russland.

Ishewsk ist die Hauptstadt der Teilrepublik Udmurtien und lebt vom Stahlbau und dessen Verarbeitung, hat aber sonst nicht viel zu bieten.
Die Mail, die ich meiner DUCATI-Werkstatt schrieb, bleib leider - trotz Dringlichkeit - unbeantwortet. Ich werde es hier in Russland bei einer Werkstatt in den nächsten Tagen mal versuchen.

Nach einem guten Abendessen mit Suppe und Schaschlik geht es jetzt ins Bett.

 

 

Samstag, 30. Juni 2012

Von Ishewsk nach Perm -305 km

Bei schönstem Sonnenschein ging es in Ishewsk mit den dortigen Bikern noch vor der Abfahrt zu einer Stadtrundfahrt. Die St. Michaels-Kathedrale wurde abgelichtet und ein riesiger Stahlrohrmast (195 m) besichtigt. Nach einem Gruppenfoto ging es für uns dann Richtung Perm weiter.

Wir ordneten uns wieder auf der M7 ein und wurden von den Bikern bis zum Polizeiausfahrtsposten begleitet. Ab da ging die Fahrt teils über gute, autobahnähnliche Strecken und dann wieder über feldwegemäßig strukturierte Fernstraßen Richtung Osten. Das Außenthermometer hat nun 35 Grad erreicht und meine Maschine liegt im Fahrbetrieb (110 km/h) bei ca. 92 - 99 Grad.

Wir biegen in eine Parallelnebenstraße (hiervon gibt es nur wenige, die meisten Straßen führen entweder komplett von der Magistralen weg und/oder sind Sackgassen). Wir sind jetzt in Udmurtien, im Föderationskreis Wolga.

 

Unser Mittagshalt. Diesen möchte ich einmal beschreiben:
Irgendwo am Straßenrand steht meist ein (manchmal auch recht verfallenes) Haus, das als Raststätte bezeichnet ist (so jedenfalls die Russen!!). Dort gibt es einfaches Essen und warme/kalte Getränke. Nach Hygiene sollte man nicht schauen.

Das "hölzerne Plumpskloo", das meist außerhalb, mitten in einer Wiese oder im sonstigen Gelände steht, ist meist so gepflegt, dass selbst die Brennnesseln den Kopf hängen lassen!!! Weitere Ausführungen hierzu möchte ich mir ersparen!!!

Die Weiterfahrt in der Schwüle verlief ohne besondere Vorkommnisse. Wir trafen recht früh - trotz einer erneuten Zeitumstellung von 2 Stunden - in Perm ein. Dieser Ort ist im Rahmen der TransSib touristisch erschlossen. Die ersten meiner Mitfahrer konnten bereits Postkarten organisieren.
Nach einem Stadtrundgang mit OPEN AIR DISCO mitten in der Stadt. Irgendeine namenlose englische Band spielte lautstark.
Jetzt habe auch ich unterwegs Postkarten auftreiben können - mal sehen, wo ich die schreiben und dann letztendlich aufgeben kann.

 

 

Sonntag, 1. Juli 2012

Von Perm nach Bingi - 410 km

Wir verließen Perm und erlebten auf der Fahrt zwei Höhepunkte: einen Besuch im GULag Perm 36 und die Fahrt ins Uralgebirge mit dem Übergang von Europa nach Asien.

Das GULag Perm war ein Repressionslager der NKWD in der Zeit von 1943 bis Ende der 80er Jahre und konnte bis zu tausend „Häftlinge" aufnehmen, die „umerzogen" werden sollten. Heute befindet sich eine Gedenkstätte im ehemaligen Lager.Die Fahrt ging dann weiter in/über den Ural (der ist nicht besonders hoch – ca. 300 m) und wir hielten mal kurz am Monument an. Die Fahrt ging hauptsächlich über Nebenstrecken und wir konnten die Reichweite unserer Tanks zu ersten Mal testen – alle Tankstellen waren wegen Stromausfalles geschlossen!!! Kurz vor dem Totalausfall fanden wir eine Tanke, die wirklich noch Strom hatte – „alles GUT"!!


In Bingi – einem typischen russischen Dorf- fanden wir eine Unterkunft für 2 Tage in einer Jurte.
Immer noch keine Antwort von DUCATI Frankfurt! Mittlerweile ist die Außentemperatur so gegen 35 Grad!!! Entsprechend natürlich auch die Motortemperatur meiner Maschine!!!

 

 

Montag, 2. Juli 2012

In Bingi - 0 km

Endlich mal Pause und Erholung vom langen Ritt! Kartenschreiben und Kettenschmieren ist angesagt.

Teile der Gruppe werden von Stefan, unserem deutschen Gastgeber, in der Gegend geführt. Auch zur bekanntesten Touristenattraktion, an dem nach der Oktoberrevolution der letzte Zar Nikolaus II. seine Ehefrau Alexandra Fjodorowna und ihre fünf Kinder erschossen wurden. An der Stelle steht heute die große orthodoxe „Kathedrale auf dem Blut" als Wallfahrtstätte der Russen.

Ich faulenze bei seiner Frau Olga mit Peter und Dieter - wir lassen es uns einfach nur gut gehen. Ja, wenn das so ginge, bei den abertausenden von Stechmücken!!!!Nach meinem morgendlichen Bad im Fluss (Duschen sind keine vorhanden!!) wurde ich von den Biestern regelrecht überfallen und sehe nun gut aus - nur gut, dass ich eine entsprechende Salbe mit dabei habe.

Abends haben wir wieder mal Stromausfall. Nichts geht, weder Handyverbindung, noch Kühlschrank oder, oder.... Mein Gott, ist das ein Leben Olga und Stefan mögen mir bitte verzeihen - sie beschreiben es als Freiheit!

 

 

Dienstag, 3. Juli 2012

Von Bingi nach Tjumen - 415 km

Schon morgens scheint die Sonne so stark, dass mein Baden - so gegen 06.00 Uhr im Fluss - und das Einstecken einer weiteren Stechrunde der lieben kleinen Sauger nichts gebracht haben: ich stehe im Wasser, als ich das Krad wieder belade!!Seit 2 Tagen haben wir hier ca. 38 Grad und die Sonne brennt erbarmungslos. Wird wohl jeder von Euch sagen: -"besser als Regen!" Ja!!!, aber......

Wir verabschieden uns von unseren netten Gastgebern, die uns dann noch ein Stück des Weges begleiten, danach fahren wir wieder allein. Wir nehmen bewußt nicht die Lkw-Rennstrecke Richtung Vladivostok, sondern fahren auf einer Nebenstrecke, die aber relativ gut ausgebaut ist - wenn man von den plötzlichen Löchern und ...und ... absieht.

Wir halten in Irbit, einer kleinen Stadt, in der die Ural-Motorradwerke zu finden sind. Angeblich sollen von den "Dingern" ja ca. 3 Mio. gebaut worden sein. Das Museum ist recht klein und so sind wird da schnell durch. Die Überraschung kam, als wir - Jürgen hat halt echt gute Beziehungen - auch die Fabrik betreten und ausgiebig besichtigen dürfen.

Ich war beeindruckt wie wenig Motorräder dort momentan hergestellt werden. Es sind jetzt wohl nur noch ca. 1500 Maschinen pro Jahr und wir sahen heute ganze 4 Motorräder im Zusammenbau. Hoffe, ich habe keine übersehen und werde hier nicht ungerecht - in Russland ist halt alles anders!!!

 

Auf der Fahrt von Irbit nach Tjumen hat Host dann "unseren ersten Platten" - ein Riesenriss im Hinterreifen, der für sagenhafte 200 Rubel (ca. 5 €!!!!!!) im nächsten Dorf dann geflickt wurde.

Morgen früh geht es mit einer Strecke über 600 km Richtung Omsk. Dazwischen gibt es nur sehr viel "Gegend" und keine Übernachtungsmöglichkeiten. Ich werde daher heute mal wieder früh ins Bett gehen!!

 

 

Mittwoch, 4. Juli 2012

Von Tjumen nach Omsk - 630 km

Nachdem wir alle früher aufgestanden waren - in Russland sind über 600 km kein Pappenstiel!! - konnten wir auch gegen 08.00 Uhr abgefahren. Die Strecke führt über die alte Heer- und Handelsstraße, die quer durch Sibirien führt und bei Wladiwostok den Pazifischen Ozean erreicht. - der „Moskauer Trakt" oder „Irkutsker Trakt". Die Straßen sind zwar nicht mehr aus der Zarenzeit (dieser ließ sie erbauen), aber immer wieder sind Reparaturarbeiten hier erforderlich, da sie durch langgezogene Sümpfe gehen. Stellt man sich auf die Teerdecke der Straße und ein schwerer Lkw zieht vorbei, erzittert die gesamte Fahrbahn, da diese nur in einer Schicht über dem Moor (freischwimmend) liegt. Entsprechend intensiv sind dann auch die Fahrbahnschäden.

 

Wir trennten uns in 2 Gruppen, um so die Fahrt sinnvoller zu gestalten - einige fahren doch lieber langsamer durch das Land. Horst, Uwe und ich nutzten das schnellere Vorwärtskommen, doch die langsamere Gruppe sollte uns vor dem Ziel doch noch einholen.

Im Verlauf des Tages konnten wieder mehrere "Lkw, die unterwegs falsch eingeparkt hatten (Unfälle!!) bewundert werden. Der lange Tag durch das Westsibirische Tiefland mit unzähligen Sümpfen und Millionen von Birken verlief fahrtechnisch ohne große Probleme. In großen Abständen an den Straßenrändern saßen einsam (kein Dorf oder Haus weit und breit!!!) Frauen oder auch manchmal Kinder und wollten den Vorbeifahrenden Pilze oder Waldbeeren verkaufen.

 

Als wir Drei dann im Omsk gegen 16.00 Uhr ankamen, suchten wir nach unserer Unterkunft. Diese hatten wir von Jürgen in Form von Koordinaten erhalten - NUR, da war keine Unterkunft!!! Mitten in einem Schlichtwohngebiet quakten wir bezüglich der Adresse jeden möglichen Russen an - die kannten diese aber NICHT!!!!!! Jeder versuchte hilfsbereit zu sein und zu guter Letzt wurde ein älterer Herr mit einem Wolga organisiert, der uns quer durch die riesige Stadt zum Hotel führte.
Unterwegs - es sind keine Ammenmärchen!! -, wir wollten gerade rechts abbiegen, kam von links in gleicher Fahrtrichtung unsere "langsame Truppe". So waren wir wieder beisammen und wurden alle zu den NEUEN KOORDINATEN - unserem Hotel - geführt.

Was hat das flotte Fahren jetzt gebracht - noch nicht einmal die Zeit für ein schnelles Bier!!!

 

Von DUCATI Frankfurt habe ich heute endlich eine Mailantwort mit der angedeuteten Bestätigung meines/unseres (Danke Ingo!!) Verdachtes. Es soll das Thermostat sein, das jedoch nicht einzeln austauschbar ist und durchstochen werden müsste, um durchgängig ein Durchfluss des Kühlmittels zu gewährleisten. Wir werden das in Novosibirsk angehen.

 

 

Donnerstag, 5. Juli 2012 (MEZ + 5 Stunden!!)

Von Omsk nach Novosibirsk - 705 km

Heute sind wir bereits um 06.00 Uhr aufgestanden und fuhren 06.30 Uhr geschlossen zu einer sehr langen Etappe - über 700 Kilometer - ab. Auf der M 51, der "Baikal" geht es immer geradeaus Richtung Osten. Horst, Uwe und ich haben uns nach kurzer Zeit wieder abgesetzt und fahren auf der zunächst sehr gut ausgebauten Straße recht zügig voran. Die meisten Lkw-Fahrer schlafen wohl noch und so geht es gut und ohne Stress vorwärts.
Es geht durch unzählige Sümpfe, Graslandschaften und Birkenwäldchen. Dörfer sieht man über Strecken von 50 - 80 km keine. Ab und an sitzen Menschen am Straßenrand und verkaufen Walderdbeeren, die jedoch so grün gepflückt sind, dass wir die Finger davon lassen. Die Menschen hier sind sehr freundlich und es ist bereits ein mongolischer Einschlag erkennbar. Viele Winken uns entgegen oder hinterher. Motorradfahrer sind hier wohl selten anzutreffen.

Die lange Fahrt verlief zunächst recht gut und so konnten wir mal wieder in einem kleinen "Rasthof" mittags Halt machen. Nachdem Uwe - beherrscht auch absolut kein Russisch - mit seinem Tablett 3 Suppen und 1 große Cola-Flasche organisiert hatte, bezahlen wollte, bekam er prompt das Geld in die Hand mit der deutlichen Aussage "Germanski" zurück. Wir waren total verblüfft, es muss wohl "ein Geschenk des Hauses" gewesen sein, zumal die Frau uns sehr freundlich anlächelte. Toll!!!

Nachdem Jürgen, heute als Einzelfahrer, noch zu uns stieß und auch noch eine Suppe holte, jedoch in Russisch mit der Frau sprach, musste er prompt sein Essen bezahlen. NUR wir Drei waren ja die echten "Germanskis".
Die Weiterfahrt war mit vielen Baustellen gesegnet und wir mussten uns regelrecht zu Pausen zwingen, um dem Sekundenschlaf zu entgehen. Den Lenker festzubinden - ging ja immer geradeaus - schafften wir nicht. Ab und an war da ja doch noch das eine oder andere riesige Schlagloch, um das man "endlich" eine kleine Kurve fahren durfte/musste. Die bisher langweiligste Strecke - so dachte ich!!!! Aber es sollte für mich persönlich anders kommen!!

 

Die Bodenwellen ließen einen immer wieder wach werden. Urplötzlich wurde ich aber hellwach! Hatte ich etwa hinten einen Platten? Mit ca. 120 km/h versuchte ich mein Krad abzubremsen und rechts an den Straßenrand zu fahren, da ja nun auch wieder die Lkws mit ihren unsinnig hohen Geschwindigkeiten unterwegs waren. Man musste höllisch aufpassen, von denen nicht gerammt zu werden. Ich hatte fast geschafft anzuhalten und mein Blick ging nach links über die Kofferträgen zum Hinterrad. Schei......, der linke Kofferträger war in der Schweißnaht gerissen und "flatterte" beim Fahren. Nah ja, aber mein Krad stand noch nicht! Der Straßenrand war abschüssig mit losem Schotter bestückt. Ich musste vom Teer - Lkws kamen wieder bedrohlich nah. Dann geschah es: ich rutschte in den Steinen ab, stürzte nach rechts und machte neben der Teerfläche eine Rolle mit der DUC. Gut, dass ich die Maschine sofort losließ, so fiel die schwere Maschine nicht auch noch auf mich!

Beim Aufstehen schmerzte mein Rücken heftig und die beiden Kofferträger der DUC waren jetzt auch total gerissen. Die Jungs halfen mir die Maschine wieder aufzurichten. Meine beiden Seitenkoffer wurden verteilt - ich verzurrte einen davon hinter mir auf dem Soziussitz. So ging es nach Einnahme von 2 starken Schmerztabletten dann noch über 200 Km Richtung Nowosibirsk. Da sollte die DUC ja eh in eine Werkstatt - wegen der Kühlung.

 

Am Ortseingang von Novosibirsk wurde unsere Gruppe von den "Weißen Wölfen", einem dortigen Motorradclub und einem örtlichen Filmteam mit viel Hallo empfangen. Noch keine 15 Minuten später traf - aus Richtung Osten kommend - das Globetrotterpärchen Fabian und Janine aus Zürich („Ténéré Nomaden" – www.tenere-e-tours.ch.) ein - wir hatten uns wirklich nicht verabredet!!! Das war ein riesen Bahnhof!!! Die beiden waren bereits über 1 Jahr (u.a. über Iran, Pakistan, Malaysia, Vietnam) unterwegs. Infos wurden ausgetauscht.

 

In der Unterkunft angekommen, war für mich und Egon keine Ruhe angesagt. Wir fuhren in die uns empfohlene "Werkstatt". Ja, wie soll ich diese Einrichtung, die wir nach einigem Suchen schließlich fanden, beschreiben. In Deutschland könnte man von den "Ludolffs" (- aus dem RTL, hoffentlich richtig geschrieben) sprechen. Das Chaos in der "Werkstatt", die lediglich aus einer Halle bestand, die komplett mit demolierten Fahrzeugen überfüllt war, ist einfach nicht mit Worten zu beschreiben. Leider hatte ich keine Kamera dabei.

Ich war noch nicht von meiner DUC abgestiegen, da waren schon 3 Mann am Kofferträger zugange. Auf Egons Frage, ob denn mein Werkstatthandbuch als CD benötigt würde, wurde nur leicht gelächelt, man lud dies als Raubkopie einfach aus dem Internet. Ein gutes Gefühl habe ich nicht, aber, was soll ich machen?

 

 

Freitag, 6. Juli 2012 (MEZ + 5 Stunden!!)

Novosibirsk - 0 km

Geführte Besichtigung in der 1,4 Millionen Stadt, inklusive Bahnhof und Museum zum Bau der TransSib. Anschließend Besuch eines, bis noch vor Jahren, für Ausländer gesperrten Stadtteils.
Akademgorodok liegt etwa 20 km südlich des Zentrums von Nowosibirsk inmitten von Birken- und Pinienwäldern am Ufer des Ob-Stausees. Akademgorodok gilt als das wissenschaftliche Zentrum Sibiriens und ist auch der Sitz der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften. Im dortigen Geologischen Museum wurden wir von der netten Leiterin in deutscher Sprache über die unzähligen Bodenschätze Sibiriens informiert. Wenn ich auch nur 1% Russisch davon sprechen könnte!!

Abends hoffte ich, meine DUC wieder begrüßen zu können - daraus ist nichts geworden! Habe meine DUC zwar nach der Kocherei "SAMOWAR" getauft, aber wieder hätte ich sie schon gern!!! Angeblich sei man morgen dann mit der Reparatur fertig!!?? Hoffentlich!!

 

Nachtrag von Samstagfrüh:

Habe heute Nacht, lange nach 23.00 Uhr und ich schlief bereits - Dank der Bemühungen von Egon (beherrscht ja das Russisch perfekt!) - die DUC wieder vor die Unterkunft gestellt bekommen. Die Träger sind Alu-geschweißt und am Kühler soll wohl auch was gemacht worden sein - wir werden sehen. Egon hat auch die geforderte Summe für die Werkstattarbeiten für mich ausgelegt.

Heute habe ich das Gefühl, dass die Sache mit dem Rücken nicht mehr so schmerzhaft ist und eine Tablette nach dem Aufstehen reicht aus, um für den Tag "in die Gänge zu kommen".

Nachher geht es weiter. Das Motorrad muss ich im Elektronikbereich noch einstellen (DTC), da die "Nachtarbeiter" wohl auch die Batterie abgeklemmt hatten.

 

 

Samstag, 7. Juli 2012

Von Novosibirsk nach Kemerowo - 206 km

Wer meinen Nachtrag gelesen hat, wird wissen, dass meine DUC noch in der Nacht wieder vorm Hotel abgestellt worden war.
Nachdem wir die Nacht mit viel Lärm auf der Straße und fast 100 % Luftfeuchte hinter uns gebracht haben (KEINE Klimaanlage im Zimmer!), wurden wir Samstags gegen 06.00 Uhr endgültig vom Verkehrslärm aufgeweckt. In der Nacht waren viele "Rennen" vor unserem Hotel gefahren worden und so fühlten wir uns recht zerschlagen. Den tollen Blick auf den alten, riesigen TransSib-Bahnhof, den wir hatten, vergesse ich deswegen gerne! Nochmal so eine Nacht muss ich so nicht mehr haben!

 

Nach dem Frühstück ging ich zu meiner DUC und nahm diese erst einmal in Augenschein. Einige Kabel mussten wieder in die Halterungen eingelegt werden, der Kühler war wohl abgenommen worden, da das Blech verbogen war - zurückbiegen klappte nicht mehr - aber was solls. Ich gehe davon aus, dass mein SAMOWAR soweit im Bereich der Kühlung wieder funktionsfähig ist. Hoffentlich!!! Die Kette wird noch eingesprüht - der CLS-Kettenöler hat auch auf Russlands Straßen auch seinen Geist aufgegeben!

Für den Preis, den ich für die Arbeiten an der DUC zu zahlen hatte, hätte ich mir zwar mehrere neue Kofferträger kaufen können - nur die gibt es hier ja nicht und ich habe dankbar zu sein, dass überhaupt was gemacht worden ist!!!! Zudem gehe ich immer noch davon aus, dass wie auch beauftragt, das Thermostat geöffnet (durchstochen) wurde und die Kühlung bei den Stadtfahrten ab jetzt klappen wird. Selbst die Mailantwort von DUCATI FFM wurde per Stick an den Chef der "Werkstatt" von mir übergeben.

 

Gegen Mittag kamen wir von Novosibirsk weg und fuhren die M 53 "BAIKAL" Richtung Osten. Es nieselt leicht und die Sicht war- wie bereits seit 3 Tagen - durch Dunst pp. sehr beschränkt. Das westsibirische Tiefland geht nun in leichte Hügel über. Wir kommen nach Kemerowo und damit auch automatisch in den - wohl in Russland in allen Innstädten - üblichen Verkehrsstau. Dieser ist zumeist durch die absolut unsinnige Verkehrslenkung und zumeist gegenläufige Ampelsteuerungen bedingt. Bei kleinsten Baustellen werden oft komplette Richtungsfahrbahnen gesperrt - Naja, halt immer noch "Planwirtschaft"!!! Die haben absolut nichts dazugelernt!!! Und jetzt kommt es wirklich dicke: Schei....., meine DUC kocht immer noch in solchen Situationen!!! Was haben die in der Werkstatt denn bloß gemacht? Ruhe bewahren!!!!!!!!!!!!!!!!

Als wir vor dem Hotel ankommen und ich dies Egon (dieser war in der Nacht beider Übergabe der DUC dabei) mitteile, berichtet der mir, dass das Thermostat ja überhaupt nicht durchstoßen worden sei. Man habe "dort" mehrfach den Kühler gespült und festgestellt, dass das Thermostat ja funktionieren würde. Ich bin einfach nur sprachlos!! Der Kühler war und ist unten kalt und oben kocht er. Ich bin sprachlos, habe jetzt aber viel dazu gelernt!!!!!
Ab sofort werde ich mich bei Ortsdurch-/ und Ortseinfahrten soweit möglich von der Gruppe absetzen und mir meinen Weg selbst suchen (zwischen den Fahrzeugen oder auch über den Gehweg bzw. durch Parkanlagen!!!). So werde ich hoffentlich nur bedingt "Kochprobleme" haben. Man lernt im Leben halt nicht aus. Ich habe mein Lehrgeld auf dieser Tour jetzt bezahlt! Nochmal wird mir sowas hoffentlich nicht passieren!! Teile meines Geldes sind halt als Spende für die "Werktätigen" in Russland zu sehen.

 

 

Sonntag, 8. Juli 2012

Von Kemerowo nach Krasnojarsk- 547 km

Es geht wieder auf die Bahn - die M 53 - Richtung Osten. Die Gegend wird langsam hügliger und die Straße ist diesmal erstaunlich gut. Wir kommen schnell voran. Uwe und ich wollten mal wieder etwas Gas geben, da die Fahrtluft meinem SAMOWAR ja bekanntlich gut bekommt und verfahren uns bei einer Verzweigung. Dem Navi ist ja auch nicht immer zu trauen, da der manchmal die Tour in großen Bögen umrechnet und wir dann auf Sandpisten landen - hier ist alles "Straße", was irgendwie planiert ist! Unser Falschfahren irritiert natürlich die gesamte Gruppe und so müssen alle erst mal Umdrehen und in die richtige Richtung abbiegen.

Entlang der Strecke taucht jetzt immer mehr landwirtschaftlich genutztes Land auf - der Boden erscheint zwar nicht sonderlich ertragreich, ist jedoch nicht mehr so sauer, da die Moore auch weichen. Wir kommen hinter Atchinsk in eine Hügelandschaft, die sehr schön anzuschauen ist.

Der Lkw-Verkehr ist heute nicht so stark, da Sonntag ist und so können wir auch mal den Blick in die Landschaft schweifen lassen. Doch, Achtung, da steht doch schon wieder ein Streifenwagen der Verkehrspolizei - wegen ihrer Abzockerei extrem verrufen!! Als wir vorbeifahren, sehen wir, dass es sich lediglich um ein Pappfahrzeug (jedoch zum Verwechseln gut angemalt!) handelt. Ab jetzt fallen wir auf die Abbildungen dann nicht mehr rein!!
Die Russen haben echt "Manschetten" (Angst) vor den Dingern und fahren im Bereich ausnahmsweise sehr verhalten.

Landschaftlich ist das hier die bisher schönste Strecke, die zwar recht lang, aber auch abwechslungsreich ist. Rechts und links geht es oft in Nebenstraßen ab, die sich jedoch schnell in reine Sandpisten verwandeln - mit Teerdecke ausgebaut sind in Sibirien nur die Hauptstrecken der Magistralen!

Nun geht es nach einer kleinen Mittagspause, bei der ich wieder mal eine sehr gute Suppe essen konnte, auf eine Nebenstrecke zum Jenissej, einem über 4.100 km langen Fluss, der hier in der Gegend zum Krasnojarsker Stausee zwecks Stromerzeugung aufgestaut wurde.


Es gibt sie doch noch!! Die ersten sibirischen Spitzkehren sind zu befahren. Die Straße windet sich regelrecht durch den Berg - tolle Ingenieursleistung!! Von einer Plattform aus können wir den Jenissej bestaunen. Der ist einfach nur RIESIG!!

Ja, und dann war doch noch mein fahrender SAMOWAR - bei der Einfahrt in die Stadt kochte der mehrfach, als wir uns an einer über ca. 20 km langen Fahrzeugschlange entlang hangeln mussten. Ein Lob an Jürgen, der hier voranfuhr - Klasse gemacht!!!

Das Hotel für die heutige Nacht ist gut, das Essen war gut, das russische Bier, das ich gerade trinke, ist auch okay - was will ich eigentlich mehr!!??

Morgen früh geht es dann weiter Richtung Baikal. Vermutlich werde ich ab morgen für einige Tage nicht ins Internet kommen - Richtung Baikal und auch hier waren schwere Unwetter und es ist viel von der Infrastruktur kaputt gegangen. Wir werden sehen. Sollte ich mich in den nächsten Tagen nicht melden, werden spätestens nach der TransSib-Fahrt von Irkusk nach Moskau alle dann fehlenden Berichte von mir wieder eingestellt. Auf der Bahn gibt es halt kein Internet!!

 

Ingo, nochmals herzlichen Dank für Deine Info mit dem Kühler. Außerorts klappt es toll - kann einfach der DUC die Sporen geben ("Meine Freunde" haben bisher nicht gewagt, uns/mich anzuhalten. Innerorts ist es halt Schei...... Werde in Moskau dann bestimmt wieder Probleme bekommen - sehe ich jetzt aber locker!! Hab mich bisher auch fast immer durch den Verkehr schlängeln können - bis 119 Grad!!!

So, das war es erst mal für heute.

Horst hat mir zwar noch ein Bier hingestellt, schläft aber schon - so glaube ich - und ich möchte ihn nicht weiter mit meinem LAPTOP-Geklopfe stören. Gestern muss ich wohl (nach seinen Aussagen) wie "ein Tier geschnarcht" haben. Heute soll er doch mal richtig gut schlafen, weil es morgen dann bis Teischet geht. Das sind immerhin auch nochmal 490 km über eine Schlaglochpiste, übermorgen mit 280 km dann über eine Sandpiste nach Tulun und dann mit ca. 470 km auf dem BAIKAL-TRAKT bis zum Baikal See.

Danach werden wir 2 Tage am Baikal haben und anschließend über 4 Tage mit der TransSib nach Moskau fahren. Lasst Euch überraschen!!

 

 

Montag, 9. Juli 2012

Von Krasnojarsk nach Taischet - 415 km

Wir fuhren im strömenden Regen um 08.30 Uhr gemeinsam bis zum Ortsausgang, dort trennten wir uns. Die M 53 nahmen wir am östlichen Stadtausgang wieder auf und fuhren in Zweiergruppen Richtung Osten.

Mittags lockerte das Wetter auf und wir konnten jetzt etwas entspannter fahren. Die Straßenverhältnisse waren sehr gemischt: es variierte zwischen einem autobahnähnlichen Ausbau und einer Feldwegestruktur – und das auf der einzigen Magistrale (Hauptverbindungsstrecke) Richtung Osten!!!! Über längere Zeit führt die Trasse über eine Erd-/Schotterstruktur und ich sehe derzeit in meinen schwarzen Motorradklamotten aus wie ein, mit grauem Zuckerguss (Staub) überzogenes Männchen.

Unser „Hotel" in Taischet ist als solches nicht unbedingt zu erkennen, es ähnelt eher einem Erholungsheim oder Ähnlichem. Die Treppe besteht aus losen Fliesen und ein Stockwerk ist entweder nicht fertiggestellt worden oder schon wieder entkernt worden. Unser Zimmer ist klein und mit einem extrem abgenutzten Teppichboden belegt.
Taischet ist ein sehr großer Eisenbahnknotenpunkt – dort wurde mein Vater 1944 nach seiner Gefangenschaft und dem Bahntransport auch auf den Fußmarsch in sein Gefangenenlager geschickt. Wohin genau, kann ich leider nicht sagen! Wenn mein Vater wüsste, dass ich hier bin. Leider kann ich ihn nicht mehr fragen, er ist bereits vor langen Jahren verstorben,

Jürgen hat auch hier eine Familie, die er kennt und wir essen zusammen im Hotel. Draußen tobt ein heftiges Gewitter und die Blitze schlagen in der Nähe ein – plötzlich der totale Stromausfall. Niemand reagiert – scheint hier so öfter zu geschehen!!?? Einzig die neue Werbefläche mit Videoclips vor dem Bahnhof läuft in der total dunklen Stadt weiter. Nach längerer Zeit geht das Licht wieder an – scheint für niemand ein Problem gewesen zu sein – auch für die Bedienung nicht, denn wir saßen bestimmt länger als 30 Minuten im dunklen Hotelrestaurant.
Die Frau von Igor, Lena, sang sehr schöne russische Lieder – alle Gäste klatschten und sie bekam von Mitgästen sogar Pralinen geschenkt. Ein seltsames Land – Servicewüste – liebevolle Menschen!!!!
Mit Igor, der recht gut Deutsch spricht, führten wir eine lange Diskussion über die derzeitige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Russland. Wir sprachen die fehlende Eigenentwicklung an, er sah es total anders. Festzustellen ist, dass alles, was hier irgendwie neu ist, von außen oder durch ausländische Firmen geschieht – eine erkennbare Fortentwicklung der russischen Wirtschaft kann von mir beim besten Willen nicht festgestellt werden.

 

 

Dienstag, 10. Juli 2012

Von Taischet nach Tulun- nur 292 km

In der Nacht hatten wir sehr starken Niederschlag – es schüttete, was es konnte!!
Das Frühstück war ein Erlebnis:
Wir traten in das „Hotelbistro" und nichts war da! An einer sogen. Essenausgabe musste man alles – angefangen vom Löffel bis zum Teller - einzeln ordern. Zum Schluss hatte ich dann 2 Scheiben gutes (!!) Schwarzbrot und eine Tasse Kaffee mit Milch und Zucker. Frugales Frühstück!!
Vor der Abfahrt schauten wir uns den Bahnhof an und wurden durch das Naturkundemuseum geführt.

Die Weiterfahrt wurde durch die Familie von Igor bis zum nächsten größeren Ort begleitet und dort ein erneuter Besuch eines Museums organisiert. Gut so, denn wir wussten nicht, was uns danach geschehen sollte. Wir hatten noch eine sehr lange Schotterstrecke (über 40 km) mit großen Sand- und Erd- und Wasserlöchern zu bewältigen. Maßnahmen zum Straßenbau in Sibirien sind stark ausgeprägt und dabei müssen Moore, Flüsse pp. überbrückt werden. Jetzt kann ich nachvollziehen, was hier Straßenbau heißt! Jürgen hat dann mitten drin, in der Schotterstrecke, einen Platten mit einem echten, neuwertigen Bohrer im Reifen. Wurde repariert und weiter ging es. So langsam sind wir ja geübt.

 

Unterwegs trafen wir dann 2 Biker aus EMS, von denen einer Wasser im Getriebe seiner BMW hatte. Sie kamen aus der Mongolei und wollten jetzt Richtung Westen. Die wurden von uns aufgesammelt und -für sie - erneut Richtung Osten mitgenommen. Abends beim gemeinsamen Essen fanden wir einen Biker aus Tulun, der dann die BMW überprüfte, reparierte und auch das Öl wechseln konnte.

 

 

Mittwoch, 11. Juli 2012

Von Tulun nach Listwjanka (über Irkutsk) - 485 km

Bei klarer Witterung mit ca. 22 Grad fahren wir in Kleingruppen Richtung Baikal. Von den EMS-ern, die erneut Richtung Westen aufbrachen, hatten wir uns zuvor verbschiedet.
Die Straßenverhältnisse haben sich wieder in Richtung normal Russland geändert. Schlaglöcher und Querwellen wechseln einander ab. Die Straße ist stark befahren und kurz vor Irkutsk halten wir mal an – eine Stadtrundfahrt möchte ich mit einem SAMOWAR nicht machen. Mit Peter möchte ich mich absetzen – Jürgen will mit dem Rest der Truppe am Bahnhof im Zentrum unsere Bahnfahrkarten abholen.

In der Überzeugung, dass es ja lt. Karte eine Umgehungstraße gibt, fahren wir beide los. Ja, was soll ich sagen, wir hätten auch an der Stadtrundfahrt teilnehmen können – mehrfach muss ich die Maschine mit Warnanzeige "Motor" kochend anhalten, damit sie runterkühlen kann – STOPP AND GO – halt wie bei allen russischen Städten. Die Umgehungsstraße gibt es nicht!! Dann noch eine riesige Baustelle, bei der wir nicht abbiegen können. Nach einer Besichtigung von sehr vielen Straßen der Stadt Irkutsk finden wir den Weg nach Listwjanka am Baikalsee. Dort angekommen, fragen wir im Turistcenter nach unserer Unterkunft. Die Mitarbeiter können echt gut englisch sprechen und weisen uns den richtigen Weg.

 

Am Baikal angekommen!

 

 

Donnerstag, 12. Juli 2012

In Listwjanka am Baikal

Nach dem Ausschlafen und einem langen Frühstück ging es ans Verladen der Motorräder. Diese werden nicht mit dem TransSib zurückgebracht, sondern auf einem Lkw verzurrt. Mal schauen, ob die gut ankommen. Die Strecke kennen wir alle mittlerweile ja. Peter sinniert, ob und wann seine liebe Honda denn auf dem Lkw „zerdeppert" wird – bei den Schlaglöchern und die Lkw-Fahrweise kennen wir ja auch.

Der Lkw steht rückwärts an einer Böschung und wir müssen über 2 Planken über die Böschung auf die Ladefläche fahren – geschafft. Nun das Verzurren durch die Lkw-Fahrer und uns. Am Boden der Ladefläche werden Holzstämme zur Blockade der Räder mit langen Schrauben befestigt. Hoffentlich halten die Spanngurte – sehen nicht sonderlich stabil aus. In Russland ist alles anders – auch die Ladungssicherung. Wer kommt für Schäden auf – keiner, wird uns gesagt! Mahlzeit!!!!

Nachmittags haben wir alles verstaut und kaufen uns einige riesige Bierflaschen (2, 5 ltr.) und trinken erst mal den Staub runter. In der – wie soll ich das nennen?? – Feriensiedlung mitten im Dorf (es handelt sich um typische russische Holzhäuschen) werden wir jetzt noch 2 Nächte schlafen und dann in den TransSib einsteigen. Die 2 Duschen für die gesamte Sidlung sind stark umlagert und man muss „eine Nummer ziehen", um dort mal 2 Tropfen Wasser abbekommen zu können. Wir haben unsere Ansprüche auf das absolute Mindestmaß reduziert. Es klappt trotzdem recht gut.

 

 

Freitag, 13. Juli 2012

In Listwjanka am Baikal

Wir haben in unserem Blockhaus gut geschlafen, anschließend um 08.00 Uhr gefrühstückt. Heute gab es 2 Fleischklopse – erinnern eigentlich an die Königsberger Klopse, hier jedoch ohne Kapern! - Schwarzbrot und gedünstetes Gemüse. Marmelade und Wurst sind wie immer Mangelware in Russland. So nicht üblich!! Gott sei Dank hat mittlerweile auch der Instantkaffee Einzug gehalten, wobei auch der russische schwarze Tee sehr gut schmeckt.

Der Vormittag vergeht mit Bummeln und ab 10.00 Uhr laufen wir zu Fuß – müssen wir nach so viel Kilometern auch erst mal wieder üben! – knapp 4 Kilometer zur Fähre, die uns dann zum alten Baikal-Bahnhof in „Port Baikal" brachte. Schon wieder ein Erlebnis mehr – die Fähre sieht wenig vertrauenserweckend aus. Vieles ist total verrostet und es scheint das Schiff auch im Aufbau nicht verschweißt, sondern mit riesigen Schrauben versehen zu sein. Wir kamen nach einer viertel Stunde gut auf der anderen Seite des Angara Flusses, der auch durch Irkutsk fließt, an.

 

Gerade eben ist der „Zarengold-Express", der als Touristenzug in Peking startet und bis Moskau fährt, dort angekommen. Die Horden der Touristen strömen, durch Reiseleiter mit Fähnchen geführt, Richtung Baikal See aus und besteigen gecharterte Schiffe zu einer Rundfahrt über Teile des Sees. Gut für uns! So können wir uns den Zug mal genauer unter die Lupe nehmen. Die Waggons sind 1990 in Ammendorf – mit einer Aufschrift „GDR" – die gab es da wohl nicht mehr!! – gebaut worden. Der Zug insgesamt ist sehr luxuriös und allein schon mit 4 Restaurantwagen ausgestattet. Bei den Preisen – klar!!!

 

Wir wollten aber den berühmtesten Teil der alten Baikalbahnstrecke zu Fuß anschauen. Diese wurde über 70 km von Irkutsk bis zu diesem Hafen gebaut. Hier wurden früher die Waggons dann auf 2 Fährschiffe geschoben, über den Baikal, der über 650 km lang und bis zu 50 km breit ist geschafft, um die schwierige Umrundung des Sees zu sparen. Durch den Aufstau des Angara Flusses bedingt, stieg der Wasserspiegel und die Bahngleise versanken zum großen Teil im See und die Strecke wurde zu einer Einbahnstrecke (Sackgasse). Die TransSib wurde daraufhin 1902 in einem riesigen Bogen von Irkutsk aus unter erheblichen Aufwendungen (38 Tunnel, 248 Brücken pp.) um den südlichen Baikal gebaut. So viel zur Geschichte.

Ja, der Bahnhof wurde anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Baikalbahn total im alten Stil erneuert, aber rundherum verkommt alles andere weiterhin. Der Zustand der alten Gebäude im Ort sind mit Worten nicht zu beschreiben, im Hafen liegen abgesoffen total verrostete Schifffracks und um den Hafen herum wuchert das Unkraut. Die beiden kleinen Dörfer links und rechts des Hafens wirken sehr ärmlich – trotz aller Touristenstopps hier! – und die Menschen zeigen sich Fremden gegenüber sehr verschlossen. Jürgen und Uwe wagen es, im Baikal zu baden, ich war entschieden zu feige!! Bei 8 Grad Wassertemperatur ist die Feigheit für mich eher mal gesund.


Nach viel Fotografieren und Filmen ging es dann wieder zurück in unsere Unterkunft, wo es dann zum Abendessen Schaschlik gab, der sehr schmackhaft war.

Morgen geht es mit der TransSib los und ich bin 4 Tage nicht erreichbar. Ab Moskau wird dann wieder berichtet.

 

 

Samstag, 14. Juli 2012

In Listwjanka am Baikal

Die Nacht im Blockhaus war wieder sehr erholsam und wir frühstückten um 08.00 Uhr, um uns nochmals das Dorf, in dem wir jetzt schon für Tage wohnen, beschauen können. Zusammen mit dem Friedhof des Dorfes ist auch ein Friedhof von in der Gefangenschaft verstorbenen japanischen Kriegsgefangenen zu sehen. Diese waren - genau wie die deutschen Kriegsgefangenen aus dem 2. Weltkrieg in diesem Bereich u.a. zum Bau und zur Erhaltung der TransSib eingesetzt. Am Ehrenmal sind (frische) Essensreste und offene Flaschen mit Reiswein abgestellt. Verwandte der Verstorbenen besuchen die Gräber aktuell und sind auch im touristischen Umfeld des Ortes als solche zu erkennen. Aber dazu später.

Das Dorf liegt landschaftlich sehr schön in eine Talmulde eingebettet. An den Hängen sind neue Holzhäuser im Entstehen, in der Mulde befindet sich das eigentliche alte Dorf. Auch hier ist die extreme Schere zwischen Reichtum und der Armut klar zu erkennen.

Beim Rundgang platzen wir in einen Gottesdienst in der Dorfkirche: viel Weihrauch und ein stundenlanger Gottesdienst wird hier zelebriert. Die Dorfbewohner kommen und gehen im Verlauf des Gottesdienstes nach einem für mich nicht nachvollziehbaren System.

An der Küstenstraße entlang breitet sich der Tourismus aus. Viele Bars, Läden oder nicht definierbare „Schuppen", in denen kleine Märkte mit Souvenirshops, Fisch- und Fleischverkaufsstellen sich befinden, fallen auf. Schiffe warten im Hafen auf Rundfahrtkunden und es ist ein reges Kommen und Gehen an der Pier. Hier fallen u.a. viele Japaner, aber auch noch mehr Chinesen - diese zum Teil in mausgrauen Parteianzügen - auf. Die Chinesen scheinen im Rahmen einer Auszeichnung die Fahrt - durch welche Organisation ihres Landes auch immer - bezahlt bekommen zu haben. Einige davon sehen – trotz der sauber gewaschenen und frisch und scharf gebügelten „Parteianzüge" – doch sehr ärmlich aus, andere sind wieder modern gekleidet.

Korea, Japan, aber insbesondere China scheinen insgesamt Russland wirtschaftlich zu erobern. Die meisten elektronischen oder motorisierten Waren kommen in diesem Bereich Russlands von dort – ist ja auch nicht mehr so weit weg. Es gibt fast nur japanische oder koreanische Fahrzeuge und viel Elektronik und Kitsch aus China.

Mittags fahren wir mit einem Kleinbus nach Irkutsk, kaufen noch Lebensmittel und Getränke für die Bahnfahrt in einem Supermarkt, der sich von den unseren kaum unterscheidet (auch in den Preisen – wie machen die das nur? Der Normalrusse wird die doch nie zahlen können!!??). Anschließend geht es mit dem Bus und teils zu Fuß zu einer kleinen Stadtbesichtigung, anschließend zum Bahnhof. Hier kommen wir uns vor wie die Mulis, als wir alles zum Bahnsteig schleppen. Immer schön aufpassen, dass keine Langfinger tätig werden können – hier soll es viele davon geben. Als wir einsteigen, können wir erleichtert feststellen, dass noch alles vorhanden ist. Doch erst mal halt: SOOOOOOOOOO einfach und schnell geht das hier doch nicht, wir sind doch in Russland!!

Der Reisepass und die Fahrkarte werden zunächst von der „Zugabteilbeauftragten" geprüft. Mein Gott, das sind ja Ausländer, die mit dem normalen TransSib, der nicht für Ausländer bestimmt ist, fahren wollen. Die tüchtige Frau – ich sollte doch nicht so sarkastisch sein!!! – holt ihren Chef, der sich durch einige Sterne auf der Schulter auszeichnet und berichtet diesem. Diese Ausländer haben nicht den üblichen Touri-Zug gebucht, sondern wollen die Zugfahrt erleben. Sie könnten ja Kontakt mit russischen Mitreisenden bekommen, ob die Ausländer etwa was ausspionieren wollen?? Nachdem der Sternedekorierte mehrfach und lang geprüft hat, dürfen auch wir unsere Viererabteile beziehen.
Mein Gott, sind die dreckig!!!! Überall sitzt dieser so fest drauf, dass auch Reinigungstücher wenig ausrichten können. Die dünnen Rollmatratzen, das schmuddelige Kopfkissen und die Decke sehen wenig vertrauenserweckend aus. Erst mal runterfahren!!!!! Aber jetzt fährt der Zug schon und wir haben ja eh keine Alternative. Wir müssen damit leben und das Beste daraus machen.

Nach einigen dirigierenden Anweisungen der doch sehr dicken und mit barschen Auftreten versehenen „Zugabteilbeauftragten" und deren Verteilen von frischer Bettwäsche und eines Handtuchs sind wir „eingenordet" und „wissen Bescheid"! Nun müssen wir uns erst mal ordnen, wer sitzt wo und wer schläft wo? Ist hier schon verdammt eng. Man muss sich total neu organisieren, da ja auch die Matratzen irgendwo liegen müssen. Selbst in einem Autoreisezug ist wesentlich mehr Platz vorhanden. Machen wir uns das doch bequem! Gute Nacht!!!!! Ratter, Ratter, Ratter.................... Irgendwann beginnt auch meine Nacht.

 

 

Sonntag, 15. bis Mittwoch, 18. Juli 2012

4 Tage und Nächte im TranSib Nr. 349 auf dem Weg nach Moskau

Wie ist das so im TransSib?

Viele Menschen träumen davon, einmal im Leben mit dem TransSib zu fahren. Ich möchte hier keine Allgemeinabhandlung über die Nutzung des TransSib abgeben, aber eine kurze Info ist dann doch vonnöten.

Touristen sprechen in der Regel von den insgesamt 3 Sonderzügen, wenn sie vom TransSib sprechen. Der Orient Express, der Rus Express und der sogen. Zarengold, den wir ja am Baikal (Port Baikal) antrafen, sind die typischen Touristensonderzüge, in denen auch einzig nur Touristen fahren dürfen. Hier soll ein gut geschultes, u. a. auch deutsch sprechendes Personal eingesetzt sein. Die Züge sind ja auch echte Vorzeigeobjekte.

Wo sitzen wir jetzt denn eigentlich drin? – auch im TransSib, aber im regulären TransSib – man könnte sagen: „in dem TransSib für Arme und/oder Einheimische".

Der reguläre TransSib gliedert sich in verschiedene Zugklassen, je kleiner die Zugnummer, umso weniger hält der Zug und umso schneller ist er auch unterwegs. Bei unserer dreistelligen Zugnummer handelt es sich um einen recht langsamen Zug, der an vielen Haltepunkten hält – ist auch sehr interessant! Wir sind in einem Wagen der 2. Klasse, von insgesamt 9 Viererabteilen. Drei davon haben wir "Ausländer" im Beschlag (unser Schweizer Ehepaar hat Glück – die sind nur zu Zweit im Abteil, wir anderen quetschen uns im Abteil). Die restlichen Abteile sind von ständig wechselnden Russen (immer 4 Personen!) belegt. Die müssen sich – Männlein wie Weiblein – zusammenraufen und zusammen in einem Abteil schlafen. Bisher ist diesbezüglich kein Streit zu uns gedrungen. Wir, in unserem Abteil mussten erst mal die „Grenzen eines Jeden" (Liegenlassen von Gegenständen, Essen, Gepäckablage und auch ein gewisse „Sitzordnung"- „ ich will immer nur am Fenster sitzen") in deutlicher Diskussion festlegen. Aber auch das haben wir dann irgendwann geschafft!

Nun weiter zum Tages-/Nachtablauf im Zug. Wir haben – wie beschrieben – zwei Frauen als Zugbegleiterinnen, die an sich für unser Wohl da sein sollten. Die „Dicke Alte" scheint das, über ihre wohl mindestens 50 Dienstjahre, noch nicht so richtig verinnerlicht zu haben oder die „gute, alte" Sowjetzeit ist bei ihr immer noch präsent. Sie wird in einer Schichtfolge von einer jungen Zugbegleiterin abgelöst, die in Person das Gegenteil darstellt und uns genauso wie die anderen Mitreisenden sehr freundlich behandelt und versorgt.

In der Nähe des Zugbegleiterabteils steht der SAMOWAR des Waggons(diesmal echt nicht meine DUC!), der jederzeit heißes Wasser für Tee oder Kaffee liefert. Im vorderen und hinteren Teil des Waggons befindet sich jeweils eine Toilette, die sehr gewöhnungs- und sehr oft auch reinigungsbedürftig ist(Brennnesseln zum Hängenlassen der Köpfe gibt es hier im Zug nicht!). Dort soll man sich auch waschen können. Probiere das wirklich täglich – oh je!!! Da ich Gott sei Dank jede Menge Feuchttücher dabei habe, fühle ich mich nicht so verdreckt.

Das Zugrestaurant haben Horst und Peter zwar schon mal besucht, dort aber nichts bekommen, da „nicht geöffnet" war und die verantwortliche "Dame" sich doch erst noch ausgiebig schminken musste. Beide wurden barsch des Waggons verwiesen. Danach haben wir diesen Wagen mal zum Abendessen aufgesucht. Die Qualität des Essens ist doch sehr fragwürdig. Bier und sonstige Getränke kann man getrost und ohne Bedenken zu sich nehmen – die meisten Getränke sind sogar gut gekühlt.

In unregelmäßigen Abständen – zwei oder dreimal am Tag - schiebt eine Dame mit zumeist unbeteiligtem Blick einen Servierwagen durch die Abteilgänge. Scheinbar hofft sie, nicht auf die paar Waren (Bier, Wasser, Chips) zwecks Kaufs angesprochen zu werden. Absolute Servicewüste!!! – die gibt es aber auch bei uns!

In den Waggons sind auch mehrere Stromanschlüsse auf den Gängen vorhanden. Da wir wohlwissend gleich nach Einstieg einen Anschluss mit einem Verteilerkabel belegten und unsere Laptops anhingen, wurde die Verbindung sofort durch unsere dicke „Zugabteilungsbeauftragte" abgestellt. Angeblich soll die Dicke annehmen, dass der Zug, der ja mit Oberleitung fährt, dadurch langsamer werden würde. Ob sie das so genau geäußert hat, kann ich wegen meines mangelnden Russischs nicht mit Sicherheit hier weitergeben. Jedenfalls wurde in einem barschen Ton und mit viel Geschimpfe von ihr die gefährliche Verteilerdose auch noch abgebaut und "den Ausländern" übergeben. Währenddessen klappt in den anderen Waggons die Stromversorgung immer noch ohne Probleme. Auch Baskisch zur Aktivierung der Stromversorgung lehnt die Dicke ab! Soll der Klassenfeind es doch spüren – mit dem ganzen Hightech. In den Folgetagen funktionierte die Stromzufuhr - nach mehreren Beschwerden auf Russisch beim Zugleiter (der, mit den Sternen auf der Schulter) - dann doch noch sporadisch.

Genug gelästert. Die Landschaft zieht an uns vorbei und so können wir das zuvor mit dem Motorrad Durchfahrene nochmals sehen und erleben. Die Magistralen (Hauptverbindungsstraßen) laufen ja in der Regel auch parallel zur Bahnstrecke. Wir können oft Orte wiedererkennen, die wir zuvor mit unserem Motorrad durchfahren haben. Nun jedoch aus einer komplett anderen Perspektive und ohne auf die riesigen Schlaglöcher achten zu müssen.

Der Schlaf in der Nacht wird durch das monotone Geräusch der Schienenübergänge (sind wegen der großen Temperaturunterschiede nicht verschweißt!) begleitet und irgendwann fällt man trotz der vielen lauten Geräusche – auch des Nachts wird an Haltestellen/Bahnhöfen aus- und eingestiegen, Abteile bezogen pp. – in einen komaartigen Schlaf.

Die Zeit wird mit Lesen, für Diskussionen und Kontaktversuche zu den mitfahrenden Russen totgeschlagen. Die Versorgung zum Frühstück oder Abendessen müssen wir mit Käufen während der Halte auf den Bahnsteigen selbst abdecken. In größeren Bahnhöfen dürfen wohl auch nur lizensierte Verkaufsstellen Dinge des täglichen oder auch sonstigen Bedarfs angeboten werden. Auf kleinen Bahnhöfen oder sonstigen Halten stehen Russen auf dem Bahnsteig, die sich durch Anbieten von Eiern, Brot, Obst, Gemüse oder Getränken einige Rubel dazu verdienen wollen oder müssen. Ab und an schleichen auch seltsame Gestalten während der Fahrt durch die Waggons, die Handys, Plüschtiere oder auch andere Dinge „unter der Hand" anpreisen. Will man diese Personen auf ein Foto bannen, drehen sie sich schnell weg – nur unerkannt bleiben!

Langsam fängt es an, in den Abteilen leicht oder manchmal auch mehr zu riechen – es gibt halt keine Dusche pp.. Diejenigen, die von Natur aus mehr Schweiß an den Füßen haben, werden jetzt doch offensiver gemieden. Naja, wir werden es überstehen und in Moskau wartet dann ein – bestimmt ein gutes!!!?? – Hotel.

Stimmt, auch bin ich jetzt wieder online! Das Wetter in Moskau ist ein sehr gutes Motorradwetter, die Sonne scheint und es ist nicht zu heiß. Wir sind alle von der Zugfahrt bis 04.00 Uhr morgens "erschlagen" und wollen einfach nur ins Hotel. Dorthin müssen wir aber die Metro nutzen. Fahren mit der Metro - ein echtes Erlebnis! Dichtes Gedränge und Geschiebe!! Sich nur nicht verlieren! Jürgen wurde das Portmonee aus der Seitentasche seiner Hose gestohlen - er lässt schnell seine Karten sperren! Schei.......!!!
Bekommen die Zimmer schon früh um 07.00 Uhr - was für ein toller Service!!!! Raus aus der "Stinkewäsche", Duschen, frische Wäsche an und Du bist ein neuer Mensch!!! Jetzt fällt mir auch ein, warum wir die Zimmer sofort bekommen haben - haben wir in der Lobby echt so doll gestunken??? Naja egal, hat ja gut funktioniert!

 

Ab 11.00 Uhr wollen wir ganztägig eine Stadtbesichtigung machen.

 

 

Mittwoch, 18. Juli 2012

Unterwegs in Moskau

Habe gar nicht gewußt, dass Moskau knapp 12 Millionen Einwohner hat. Jetzt kann man es auch etwas besser nachvollziehen, da sich diese Stadt über eine Fläche von ca. 880 qkm ausbreitet. Mein Gott, sind meine Füße platt!! Obwohl wir zunächst mit einem Kleinbus unterwegs waren und sehr viel die Metro benutzten, sind wir doch auch sehr viel gelaufen.

Wir konnten den Kreml mit Rotem Platz besichtigen und den Empfang des Türk. Staatspräsidenten beobachten - viele Sicherheitsvorkehrungen! Im GUM machten wir einen Einkaufsbummel - einzigartig! Die Stadt ist einfach nur schön, das Wetter spielt mit und die Sonne lacht.
Unser Stadtführer spricht sehr gut Deutsch und füllt uns mit Wissen ab. Er ist sehr nett und geht auch speziell auf uns Motorradfahrer ein, hat auch noch eine totale Überraschung für uns. Wir fahren mit ihm eine längere Zeit mit der Metro von einer schicken Station zur anderen. Jede Station hat für sich ein besonderes Thema. Mal handelt es sich um die "Landmenschen", mal um die "Revolution", mal bezieht sie sich auf den "Partisanenkampf" im "großen vaterländischen Krieg". Alle Stationen sind sehr sauber und baulich total schön ausgeführt: mal mit Stuck, mal in hunderten verschiedenen Steinarten pp.. Aber wartet bei der Rückkehr auf die Bilder, die ich dann einstellen werde.
Spät abends fallen wir erschöpft und mit Wissen abgefüllt nach NUR einem Bier ins Bett - Ende!

 

 

Donnerstag, 19. Juli 2012

Immer noch in Moskau

Nach dem Frühstück sind wir mit der Metro und anschließend einer kleinen Stadtbahn in den Westen von Moskau (ca. 30 km) gefahren. Menschenmassen, die ich so noch nicht gesehen habe, werden mit diesen Verkehrsmitteln nicht gefahren, sondern "transportiert". Wir werden in dieser Masse geschoben und gedrückt. Kein Mensch ist aggressiv, alle ergeben sich scheinbar dem Schicksal von A nach B "transportiert" zu werden. Gerät man - wie bei einem Fluss - in den falschen Abzweig, besteht absolut keine Chance mehr, aus diesem Strudel heraus zu kommen. Hart einander auf den Fersen klebend schafften wir aber auch diese Prüfung.

Wir werden von einem Vertreter der Spedition, die unsere Motorräder in Verwahrung hat, am Vorstadtbahnhof abgeholt. An der Lagerhalle der Spedition angetroffen, sehen wir "unseren Lkw" vom Baikal wieder. Es ist schon alles gerichtet und eine lange Laderampe führt in das Innere des Lkw. Unsere Kräder sind zwar schwer verstaubt, aber ohne Beschädigung - hätte ich so bei den Straßen nicht gedacht!- im Lkw und warten auf das Entladen. Dieses geht sehr schnell von statten. Mein SAMOWAR braucht Starthilfe - hatte ich ja meiner Werkstatt vor der Tour mehrfach gesagt, aber alles war ja in Ordnung! Nachdem die DUC auch wieder in Gang gebracht ist, essen wir in der Nähe erst mal und fahren anschließend zur Hauptstelle der Spedition, um dort mein Krad bis morgen früh unterzustellen - ich will mich nicht mehr mit meinem Kocher durch Moskau quälen und letztendlich noch einen Motorschaden riskieren!!!!!!!
Egon und ich fahren mit dem VW-Bus (Begleitfahrzeug) quer durch die Innenstadt zu unserem schönen Hotel und ich habe daher auch noch eine zweite Stadtrundfahrt mit allen Erlebnissen im Straßenverehr (über 15 km STOP AND GO) pp. und auch den wirklich schönen Gebäuden und Parkanlagen der Stadt. Der Rest der Truppe macht das dann noch mit eigenem Motorrad, wobei die uns überholen konnten. Der Vorteil eines Motorrades in Moskau ist unbestritten (wenn es denn nicht kocht!!). Die Truppe hat sich einfach hinter ein Sanitätsfahrzeug in Einsatzfahrt gehängt und donnert so durch die Innenstadt. Die Polizei schaut zu!!
Im Hotel angekommen wird umgepackt und aufgeräumt: morgen geht es weiter über Borodino (Schlachtfeld Napoleons westlich vor Moskau) nach Smolensk. Aber zuvor hat Horst mal wieder ein Loch im Hinterreifen zu flicken - nun wird seine Maschine "Schraubensammler" genannt!!! Das Loch ist keine 15 cm vom alten entfernt, wo der eingesetzte riesige Pfropfen immer noch gut hält. Jetzt ist es eine kleinere, aber lange Holzschraube. Auch das wird halten - nur die Flickstunde geht vom Duschen und Ausruhen pp. ab.

 

 

Freitag, 20. Juli 2012

Fahrt von Moskau über Borodino nach Smolensk oder „Der Abstecher" – 543 km (sollten eigentlich nur ca. 400 km werden)

In Moskau goss es aus Kübeln, als wir im Hotel Richtung Westen starten. Ich hatte das Glück, dass mein SAMOWAR in der Speditionszentrale (Weststadt) auf mich wartete und so konnte ich mit Egon im Begleitbus dorthin fahren. Wir nehmen – entgegen den Berechnungen des Navis - gleich zu Beginn die Ringautobahn und mussten uns so nicht durch die Innenstadt quälen. Die Motorradtruppe fuhr im strömenden Regen durch die Innenstadt und dann über den 1. Ring – hier nur noch STOPP AND GO!! Letztendlich erbarmte sich die Besatzung eines Zivilwagens der Polizei und schleuste die 6 Motorräder mit Blaulicht und einem „Affenzahn" bis kurz vor die Spedition. Dort waren Egon und ich bereits eingetroffen. Ich packte meine Sachen in die Koffer und los ging's.

Raus aus der Spedition und auf die M 1 Richtung Westen. Leichter gesagt, als getan. Immer noch war es stark am regnen und Teile der Straße standen komplett unter Wasser - eine Seenlandschaft. Die Rechtsabbiegerspur war im dicksten Stau seltsamer Weise total frei. Ich wollte sie schon nutzen, zögerte noch, da ich bezüglich der Straßenverhältnisse in Russland schon einige Male eines Besseren belehrt worden war. Und genau so kam es!! Vor mir fuhr dann ein Kleinlastwagen in diese Spur ein und sank urplötzlich mit dem rechten Hinterrad – genau da, wo ich an sich hin wollte - um ca. 60 cm im Wasser ein. Ein riesiges, tiefes Schlagloch hatte sich mit Wasser gefüllt und war durch die Seenlandschaft verdeckt. Hatte ich doch gut entschieden!!! Über den Gehweg geht es doch mal wieder besser und sicherer.

Die M 1 Richtung Westen ist seit einem Jahr autobahnähnlich ausgebaut und so geht es dann schnell vorwärts. Der Regen hat mittlerweile nachgelassen und ab und an scheint auch mal die Sonnen zwischen den Wolken durch.

Nach ca. 100 km biegen wir rechts ab und fahren Richtung Borodino, dem Ort einer bedeutenden Schlacht in den Napoleonischen Kriegen, ausgetragen im September 1812 zwischen einer französischen Armee unter Napoleon I. und der russischen Armee.

Um Napoleons Vormarsch nach Moskau aufzuhalten, errichteten die Russen an der Straße bei Borodino Schanzen. Die etwa 130.000 Mann starke französische Armee erreichte diese Stellung am 6. September und griff am frühen Morgen des folgenden Tages die etwa gleich starken russischen Verteidiger an. Nachdem Napoleon den russischen Kommandeur dazu gebracht hatte, seine Truppen in der Mitte zu konzentrieren, befahl er einen massiven Beschuss und dann eine Kavallerieattacke, die die feindlichen Linien durchbrach. Die Russen zogen sich zurück und die Franzosen rückten auf Moskau vor, ohne auf weiteren Widerstand zu stoßen. In dieser Schlacht, die als eine der blutigsten im 19. Jh. gilt, verloren die Russen etwa 42 000, die Franzosen ungefähr 32 000 Mann.
Tolstoj hat 1869 diese Schlacht in seinem Roman „Krieg und Frieden" verarbeitet (danke für die Info Jürgen!).

Nach dem Stück Geschichte, das durch ein heftiges Gewitter mit starkem Regen unterbrochen wurde (wir dachten schon, der Kanonendonner der Schlacht wäre mit Lautsprechern eingespielt worden), fuhren wir weiter auf der M 1 Richtung Westen. Irgendwann kam beim Halt die Diskussion auf, man könne ja mal ein Teil der Strecke parallel zur M 1 fahren, da diese ja einschläfernd sei. Nichts leichter als dies! – gelbe Straße (laut Karte eine Hauptverbindungsstraße!!!) gefunden und links abgebogen! Alles geteert, alles gut!! Dann jede Menge Schlaglöcher – na ja, wurde vergessen zu reparieren!! Doch, plötzlich ist die Straße mitten im Wald weg und vor uns befindet sich eine Sand-/Schotterpiste – macht nichts, kennen wir ja schon!!!

 

Nun kommt eine Geschichte, die mir bestimmt bis zu den Beweisfotos nicht geglaubt wird: die Schotterpiste ging in eine OFFROAD-Piste über. Jede Menge gut gefüllter Wasserlöcher auf einem Sand-/Lehmweg, der zudem immer enger wird. Macht auch nichts, ist doch eine „gelbe Straße!!!" und bald kommt ein Dorf und dann, bestimmt dann wird es besser!!?? So alle 5 – 10 Meter kommt nun ein riesiges sumpfiges Schwimmbad, das durchfahren werden muss. Umkehren – wir doch nicht!!! Habe das Visier vom Helm offen, da es nach dem Gewitter drückend heiß und schwül ist und man bei diesen Straßenverhältnissen schon ins Schwitzen kommt. Das nächste Loch ist so tief, dass meine Fußrasten komplett im Wasser versinken und es wird noch tiefer. Musste Gas gegeben, um nicht weg zu rutschen und Ergebnis: mein Helm ist voller Schlammwasser, das von den Stiefeln aus im Schwall hochspritzte.

Tolle Abkühlung, ich sehe aus wie ein Wildschwein, das sich gerade gesuhlt hat.

Dann kommt's: Mich beutelt es zum zweiten Mal auf der Tour so richtig: ich rutsche mit meiner Straßenbereifung (Road 3) in einem Sumpfloch in der Spur mit beiden Rädern nach rechts weg und kippe ich meinen SAMOWAR nach links, wo dieser auch gut zum Liegen kommt – ich über ihn hinweg weiter links!! Da liegen wir beide nun!! Ich habe die "Schnauze" mal wieder echt voll - jetzt mit Schlammwasser. Aber es kommt nach dem Aufrichten der DUC (keine erkennbaren Beschädigungen – meinem Rücken hat es natürlich nicht unbedingt gut getan!) noch besser. Zwischen den nächsten 2 „Schlammbädern" stellen wir fest, dass die Durchfahrt des zweiten für die Kräder incl. VW-Bus viel zu tief wäre. Auch zu Fuß haben wir nun Probleme die nächsten Wasserlöcher zu erkunden.

Rückzug!!!!!

 

Toller Abstecher! Hat uns viel Zeit, Kilometer und Schweiß gekostet.

Gefrustet "fahren" wir die komplette Strecke von über 45 km zur M 1 zurück. Nun fahren wir keine Abstecher mehr und kommen nach guten 13 Stunden in Smolensk an. Wir bekommen trotz der sehr späten Stunden im Hotel noch ein Essen, trinken ein Bier und wollen dann nur noch ins Bett.

Von Smolensk haben wir absolut nichts gesehen! Auch hier gibt es mal wieder kein Internet!

 

 

Samstag, 21. Juli 2012

Fahrt von Smolensk über Katyn weiter nach Sebesch– 308 km

Immer noch Nieselregen, aber wir müssen los! Wir haben wie die Toten geschlafen, holen die Stadtrundfahrt nach: Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen die Festungsmauern aus dem 16. Jahrhundert. Sie umge­ben die Altstadt. Dazu die Auferstehungskathedrale, Sitz der Diözese von Smolensk und Wjasma, die Peter-Paul-Kirche und die Erzengel-Michael-Kirche aus dem 12. Jh., sowie die Mariä-Entschlafens-Kathedrale von 1677. Von dort hat man einen tollen Blick über die Stadt – hier regnet es gerade mal nicht!

Im Mittelalter war Smolensk eine wichtige Handelsstadt – war auch Mitglied der Hanse! Im Jahr 1941 wurde die Stadt fast vollständig von der vorrückenden Wehrmacht zerstört, nach der Befreiung ab 1943 wieder im alten Stil aufgebaut. Für mich ist jedoch kein geschlossenes Stadtbild erkennbar – ziemlich zersiedelt!

Wir fahren ca. 20 km – ohne Regen – weiter nach Katyn. Beim Massaker von Katyn haben im Frühjahr 1940 Einheiten des sowjetischen Innenministeriums NKWD in einem Wald bei Katyn viele tausend polnischer Offiziere ermordeten. Dieses Massaker war Teil einer Aktion des NKWD, bei der auf Weisung Stalins rund 22.000 polnische Staatsangehörige, Offiziere, Polizisten, Intellektuelle und andere Eliten, an verschiedenen Orten in der UdSSR, der Ukraine und Weißrusslands ermordet wurden. Die Gräber beim Dorf Katyn waren die ersten, die durch die deutschen Besatzer noch im 2. Weltkrieg entdeckt wurden, jetzt befindet sich an der Stelle eine Gedenkstätte.

Quer durch ein Naturschutzgebiet, entlang der weißrussischen Grenze, fahren wir über eine Mautstraße nach Sebesch, auch unmittelbar an der Grenze. Dort wollen wir übernachten, um den Grenzübertritt - nach unseren Erfahrungen von St. Petersburg (kostete uns fast den kompletten Tag!!) – früh am Morgen zu versuchen. Der Ort ist sehr schön zwischen zweier Seen gelegen.
Mein SAMOWAR hat nach dem vielen Wasser gute und gründliche Kettenpflege dringend nötig – bekommt er noch während eines Wolkenbruches! Ich werde dabei pudelnass!
In unserem Hotel findet eine Hochzeit statt und die Bässe der Musik dröhnen – mal schauen, wie lange das andauert.

Internet - auch hier Fehlanzeige!

 

 

Sonntag, 22. Juli 2012

Fahrt von Sebesch über die russische Grenze nach Rēzekne (Lettland) – 115 km

Nach einem langen Ausschlafen und einem anschließenden Großeinkauf, um die russ. Rubel los zu werden, fahren wir Richtung Grenze. Wir hoffen, dort nicht wieder über 10 Stunden warten zu müssen.

Als wir auf die M 9 treffen, sehen wir schon den kilometerlangen Stau der LKWs, doch der interessiert uns wenig. Mit eingeschalteter Warnblinkanlage fahren wir links am Stau über 10 oder 15 Kilometer vorbei, bis wir am Stacheldraht des Grenzübergangs ankommen.

Dort sprechen Jürgen und Egon mit den Beamten an der ersten Kontrollstelle (natürlich in Russisch), um uns überhaupt erst mal in das Grenzverfahren kommen zu lassen. Nach einer relativ kurzen Wartezeit hebt sich plötzlich und unerwartet für uns der Schlagbaum und wir sind, als wir einfahren, kurz darauf von allen Seiten mit Stacheldrahtzäunen und Schlagbäumen umgeben. Jetzt geht der blöde Papierkram wieder los:

Ausfüllen des Ausfuhrantrages für das KradAusreiseerklärung mit PassZollerklärung über die restlichen ausgeführten Güter

Papiere, Papiere und nochmals Papiere - in DIN A4. Nur nicht knicken!! Wohin damit auf dem Motorrad?

Nachdem ein Zollbeamter - der einzige für alle abzufertigenden Kräder und Pkws! - uns einzeln im Zweifingerhacksystem in einen Computer eingegeben hat (dauert ewig, aber er arbeitet schon zügig! Einen normalen Blick oder etwa ein Lächeln gibt es dabei nicht!), die Kräder einzeln kontrolliert und abgeglichen hat, werde ich nun mit einem neuen seltsamen Papier zur nächsten Kontrolle geschickt. Dort findet die gesamte Prozedur nochmals statt - für was, erschließt sich mir nicht! Die Koffer müssen zum zweiten Mal geöffnet und der Inhalt vorgezeigt werden. Nun werde ich zur dritten Kontrollstelle geschickt - Helm auf, Helm ab - Fahren auch nur eines Meters ohne Helm kostet hier 50 Euro.

"Alkoholfreies Begießen" der Rückkehr in die EU!

Nachdem ich an der dritten Kontrollstelle fertig bin, aber immer noch so ein DinA4-Blatt der Russen in der Hand halte, will ich höflich fragen, was ich damit machen soll und halte dies der Beamtin in der Kontrollstelle entgegen. Die wirft mir das Teil mit einigen russischen Worten und einem bösen Blick wieder entgegen. Ich nehme es wieder an mich, steige auf meine DUC und fahre einfach Richtung Lettland. Habe weder eine Geste, noch ein einziges Wort verstanden. Was solls!!!An der lettischen Kontrollstelle werde ich - ich bin der erste der Motorradgruppe - von 5 Beamten umringt. Einer sieht meine IPA-Aufkleber und spricht mich als einen Kollegen auf Deutsch an. Er zeigt mir sofort wie die Zollkurzerklärung für Lettland ausgefüllt werden muss - darauf hin bekommt er von mir auch ein Ärmelabzeichen!! Was für ein Unterschied zu den russischen Beamten!

 

Na ja, ich bin froh, wieder in der EU zu sein und halte erst mal auf dem nächsten Parkplatz an, um auf den Rest der Truppe zu warten. Auch die schaffen es in insgesamt 2 1/2 Stunden über die Grenze zu kommen. Das ist fast ein neuer Rekord. Jürgen, der diese Prozeduren öfter über sich ergehen lassen muss, hat dies in solch einer kurzen Zeit bisher kaum erlebt - wir können ja auch mal Glück haben.

Die Straßen in Lettland sind viel besser - dachte ich!!! Ab der Grenze gibt es ein sehr gut ausgebautes Stück geteerte Straße über ca. 10 km, doch dann eine sehr lange Schotterpiste - die EU buddelt hier Geld ein!!!!

Wir kommen nach Rēzekne (ehemals Rossitten), das von deutschen Ordensrittern gegründet wurde. Im 2. Weltkrieg wurde die zweitgrößte Stadt Lettlands zu 80 % zerstört und dann von den Russen im Hauruckstil neu erbaut - ist daher nicht unbedingt sehenswert! Übernachten werden wir dort trotzdem.

 

 

Montag, 23. Juli 2012

Fahrt von Rēzekne nach Sigulda – 215 km

Nachdem wir wieder in der EU sind, fühle ich mich wesentlich besser - ich habe in Russland immer subjektiv die mögliche Willkür von Offiziellen (Polizei pp.) und das Ausgeliefert sein an Servicepersonal und sonstige, sich doch sehr wichtig fühlende Menschen, gespürt. Nicht nur ich bin befreiter und so fahren wir alle wesentlich lockerer Richtung Nordwesten.

Auf der A 12 (ist hier keine Autobahn!!) geht es über recht gute Straßen nach Cesis. Die Anwesen werden aufgeräumter, der Rasen ist geschnitten, es stehen sehr oft Blumen vor dem Haus. In Russland hatten wir jeweils - von wenigen Ausnahmen abgesehen "Elefantengraus rund ums Haus"-!! Die Landwirtschaft wird intensiver. Ist das alles nur subjektiv in mir - nein alle Teilnehmer bestätigen mir den Eindruck - hier wird ganz anders gelebt und insbesondere gearbeitet.
Nach einem ausgiebigen Picknick in einem Waldstück gelangen wir nach Cesis.
In der Nähe der Holzburg der Wenden baute der Schwertbrüderorden ab 1209 eine Steinburg. Sie war erst die zweite Burg des Ordens außerhalb Rigas. Sie stellte vom 13. bis zum 16. Jahrhundert eine der größten Festungen des Livländischen Ordensterritoriums dar. Die Burg von Wenden war zeitweise Residenz des Ordensmeisters und Sitz des Ordenskapitels. Die Stadt entwickelte sich bis ins 16. Jahrhundert recht gut - der Handel blühte!

Bier ist das nationale lettische Getränk und wird in Cesis seit 1590 gebraut. Die Aktiengesellschaft „Cesu Alus" ist die zweitgrößte und am schnellsten wachsende Brauerei in Lettland. „Cesu Alus", „Cesis Bier" ist die bekannteste Biermarke vor Ort.

Heute ist Cesis beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und wird nicht nur wegen der mächtigen Ruinen der Ordensburg, sondern auch wegen seiner niedlichen Stadtanlage mit viel Holzarchitektur von ausländischen Touristen gern besucht.

Wir nehmen uns recht viel Zeit, um die Stadtanlage zu besichtigen. Einige von uns genießen den guten Kaffee auf dem Stadtplatz. Doch dann geht es weiter und wir fahren über lange, lange Sandpisten durch den Nationalpark, nutzen eine Handfähre zum Übersetzen über einen Fluss und können unterwegs einige uralte Ordenshäuser bewundern. Heute neu entdeckt und von den Letten sehr gepflegt, früher als Überlassenschaft der deutschen Besatzer verdammt.

In Segulda (früher Segevold) angekommen, schauen wir uns noch das alte Schloss an, das gerade im Auftrag der EU saniert wird.

 

Das Hotel ist so gut wie das Essen, die Fahrt heute - landschaftlich - abwechslungsreich und interessant. Ein Tag der Erholung! Der Rücken meldet sich dennoch wieder- Schmerztabletten sind gefragt.

 

 

Dienstag, 24. Juli 2012

Fahrt von Sigulda nach Riga– 115 km

Durch die Lettische Schweiz fahren wir über die A3, hier fahren auf der zweispurigen Richtungsfahrbahn auch Radfahrer! - nach Riga. Wir sind etwas später losgefahren, um den Morgenverkehr in Riga zu umgehen. Das tut meiner DUC gut - musste nur zwei Mal meinen SAMOWAR anhalten, um das "Motoraus" zu umgehen.

In der Unterkunft in Riga ziehen wir uns schnell um und gehen schon gegen 11.00 Uhr in die Innenstadt. Dort sind wir bis 17.00 Uhr zu Fuß unterwegs! Ich kann echt jedem empfehlen, einen Kurzausflug in diese Stadt zu unternehmen. Die ist wirklich sehens- und auch erlebenswert:

Die lettische Hauptstadt liegt an der Mündung der Daugava / Düna und ist mit 940.000 Einwohnern die größte Stadt im gesamten Baltikum. Riga war lange Zeit ein wichtiges Mitglied der Hanse und Zentrum des Deutschen Ordens im Baltikum. Alleen mit Häusern aus der Zeit des Jugendstils, mehr als 140 Garten- und Parkanlagen, zahlreiche Denkmäler, ca. 50 Museen, Märkte, Straßenmusikanten und eine Vielzahl an Kultur und Geschichte haben Riga den Namen „Paris des Nordens" eingebracht. Nach einem Stadtrundgang bietet der Domplatz einen idealen Ort zur Stärkung in einem der Cafés.

Riga ist das wirtschaftliche Zentrum von Lettland: Über die Hälfte der gesamten lettischen Industrieproduktion stammt aus dieser Stadt. Von größter Bedeutung ist der Hafen Rigas, 15 km von der Mündung der Düna in die Rigaer Bucht entfernt, mit Hochsee-, Fischerei- und größtem baltischen Containerhafen.

Der historische Stadtkern von Riga wurde 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Altstadt von Riga wurde inzwischen wiederaufgebaut und steht unter Denkmalschutz. Bekannte Bauwerke der von einem Stadtgraben umgebenen Altstadt sind der Mariendom, 1215 begonnen, nach einem Brand 1595 wiedererrichtet, die Sankt-Petri-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, ein Schloss des Deutschen Ordens, das barocke Rathaus (1750-1765) sowie zahlreiche Zunfthäuser aus dem 14. Jahrhundert. Das Stadtbild wird auch von einer großen Anzahl gut erhaltener Jugendstilhäuser geprägt. (danke Jürgen!)

Was soll ich noch erzählen, wir haben uns die Fußsohlen echt platt gelaufen und  sind immer wieder begeistert über das, was wir hier sehen und erleben. Die Stadt wird mir sehr intensiv in Erinnerung bleiben und ich war bestimmt nicht zum letzten Mal hier! In dieser Stadt kann sich jeder wiederfinden - tolle Plätze mit quirligem Leben und stille Ecken mit leiser Musik, die Studenten oder Straßenmusiker machen.

 

 

Mittwoch, 25. Juli 2012

Fahrt von Riga nach Šiauliai/ehemals Schaulen(Litauen)– 212 km

Heute verabschieden sich Rainer und Gabi ("unsere Schweizer") - sie fahren weiter Richtung
Finnland und dann Schweden. Es war eine schöne Zeit mit den beiden, aber sie müssen los, da die Fähre bereits gebucht ist.

Nachdem der Rest der Truppe sich durch Riga gearbeitet hat und auf der A6 ortsauswärts gefahren ist, wird am ehemaligen Konzentrationslager in Salaspils links abgebogen, um die dortige Gedenkstätte zu besuchen. Vom 1941 eingerichteten Lager ist heute nichts mehr zu sehen, aber 1967 wurde eine Gedenkstätte errichtet, die mich -ähnlich wie Buchenwald - sehr nachdenklich stimmte.

Wir fuhren über das flache Land weiter nach Rundale/Ruhental und völlig überraschend stehen wir vor einem Schloss, das den Vergleich mit Versailles nicht zu scheuen braucht. Der Architekt des Winterpalastes in Sankt Petersburg errichtete 1736 dieses Schloss Pilsrundale in hufenförmiger Anlage mit 136 Zimmern für den Herzog von Kurland. Hinter dem Schloss schließt sich eine riesige Parkanlage mit tollen Blumenanlagen an.

In Eleja erreichen wir die A8 und biegen in Richtung lettischen-litauische Grenze ab. Nachdem wir an den leer stehenden Grenzanlagen vorbei sind, wird Egon mit dem Begleitbus zwecks "Spritkontrolle" vom Zoll gestoppt. Die Kontrolle läuft ohne Beanstandungen und wir können alle weiter, um etwa eine dreiviertel Stunde Fahrt später den „Berg der Kreuze" zu besuchen.

Der Berg der Kreuze ist ein ganz besonderer Ort. Auf einem natürlichen, vielleicht aber auch von Menschenhand geschaffenen Hügel finden sich einige 10.000 oder mehr große und kleine Kreuze, nicht gerechnet die zahlreichen kleinen Kreuzanhänger. Die vom Hügel und den umgebenden Kreuzen eingenommene Fläche beträgt mehr als einen Hektar. Pilger stellen Kreuze auf den Hügel, verbunden mit einem Wunsch oder Dank.

Historiker glauben, dass die ersten Kreuze im 19. Jh. nach den polnisch-litauischen Aufständen gegen den Zaren aufgestellt wurden - zum Gedenken an die gefallenen, hingerichteten und deportierten Aufständischen. Man soll hier Aufständische heimlich begraben haben und für ihr Seelenheil seien die Kreuze aufgerichtet worden. Auch war damals das Aufstellen von Kruzifixen an Wegkreuzungen und Gehöften durch die russische Macht verboten. In der Stalinzeit und sogar noch in der Breschnewzeit hat die sowjetlitauische Obrigkeit mehrfach versucht, die Wallfahrt zu unterbinden und den Hügel zu zerstören. Noch zwischen 1961 und 1975 sind rund 5.000 Kreuze niedergerissen worden. Mindestens dreimal wurden die Kreuze mit Planierraupen niedergewalzt. Doch die Menschen brachten immer wieder neue Kreuze und Skulpturen auf den Hügel.

 

Nach einer längeren Pause mit Picknick in der Nähe, fahren wir die letzten 30 Kilometer Richtung Hotel. Ein Tag ohne Probleme oder Vorkommnisse, der viel zu unserer Erholung beigetragen hat.

 

 

Donnerstag, 26. Juli 2012

Fahrt von Šiauliai nach Vilnius– 262 km

Ich sitze im Hotel in Vilnius.

Heute sind wir die kurze Strecke hierher gefahren. Die Straßen werden immer besser und man kann auch ab und an seinen Blick über die schöne Landschaft schweifen lassen. Rechts und links der Straße liegen Felder und Weiden, die intensiv genutzt werden - kein Vergleich zu Russland!
Kleinere Verbindungsstraßen sind zwar als Erd- oder Schotterpisten ausgebaut, aber wir haben ja mittlerweile ein gutes Training - nur ein Mitfahrer blockt jeweils ab und fährt mit seiner Honda einen Umweg auf den gut ausgebauten Teerstraßen.

Wir sind am geografischen Mittelpunkt Europas wieder verabredet und er taucht - wie auf Bestellung - hinter unserer kleinen Kolonne auf, als wir gerade wieder auf die Teerstraße einbiegen.

Etwa 25 km nördlich von Vilnius erreichen wir das geografische Zentrum Europas / Europos centras. Auf dem alten Burghügel Bernotai sind die Koordinaten in einem Findling eingraviert. 1989 hatte das Nationale Geografische Institut Frankreichs mit Computerhilfe den Mittelpunkt Europas neu vermessen und festgelegt: 25° 19' östlicher Länge und 54° 54' nördlicher Breite als Schnittpunkt der Achsen Nordkap-Kreta und Ural-Gibraltar.Ausser einem kleinen Denkmal und einem großen Findling ist jedoch vom Mittelpunkt nicht viel zu sehen. So machen wir hier erst mal Pause.

In Vilnius angekommen, fallen mir die toll ausgebauten Straßen auf - meine DUC hat keine Probleme, bis ans Hotel zu kommen, da der Verkehr sehr zügig läuft. Ausgepackt und geduscht und dann zum Sightseeing in die Stadt. Jürgen führt uns - er ist schon öfter hier gewesen:

In der Hauptstadt Lettlands - Vilnius kann man stundenlang in den alten Gassen und Straßen der Innenstadt herumschlendern und stets etwas Neues entdecken. Die Stadt erstreckt sich rechts und links des schnell strömenden Flusses Neris zwischen nadelwaldbewachsenen Hügeln. Der Kathedralenplatz ist der Ausgangspunkt, um die Stadt zu Fuß zu erkunden. Zuerst sollte man aber auf dem Boden des Platzes eine Kachel suchen, auf der „stebuklas", „Wunder", steht. Wer im Uhrzeigersinn eine 360-Grad-Drehung auf dieser Kachel macht, darf sich etwas wünschen, was nach Erzählungen der Einwohner von Vilnius auch in Erfüllung geht - vorausgesetzt, man hat die Kachel alleingefunden. Hab natürlich die blöde Kachel nicht allein gefunden und so habe ich mir auch den möglichen Wunsch dann gespart!! Auf dem Kathedralenplatz pulsiert das Leben. Mir fallen sehr viele junge Menschen in der Stadt auf - ja und auch die vielen Hostels - ein Treffpunkt Europas Jugend! Ein quirliges Leben!!

Im „Montmatre von Vilnius" wohnen vor allem Künstler und Leute, die bewusst und reichlich satirisch gegen Zeitgeist und Konsumwahn agieren und leben und die ihr Viertel jenseits der fünf Vilnia-Brücken 1997 zur „Unabhängige Republik Užupis" ausriefen. In deren Verfassung steht, dass jeder Einwohner das Recht hat, missverstanden zu werden und unglücklich zu sein.

Wir kommen zum Tor der Morgenröte. Von den ursprünglich neun Toren der mittelalterlichen Stadtbefestigung steht heute nur noch das Augros Vartai. Unzählige Pilger besuchen die Weiße Madonna, das wundertätige Madonnenbild, das in der Torkapelle steht.

Nach einem guten litauischen Bier geht es wieder ins Hotel - kleine Motorradpflege und anschließend Abendessen und relaxen!!!

Dies ist alles schon ein großer Unterschied zu Russland. Wir sind derzeit alle in einem Stadium des Erholens - auch wegen der riesigen Unterschiede in den bereisten Ländern.

 

Ich habe mir fest vorgenommen, nach der Tour in Ruhe daheim die gesamte Reise mal vernünftig und ohne Hast zu aufzuarbeiten: das Verhalten von einzelnen Teilnehmern in der Gruppe, die Länder, die Menschen und natürlich auch ein Nötiges an Selbstkritik.

 

 

Freitag, 27. Juli 2012

Fahrt von Vilnius nach Kaunas – 128 km

Heute ist der vorletzte Tag im Osten angebrochen. Wir sind früh Richtung Kaunas gestartet und fahren über gut ausgebaute Straßen Richtung - zunächst mal wieder - Osten. In der Höhe von Trakai ist schon von weitem die einzige gotische Wasserburg der Welt zu sehen. Sie liegt auf einer Insel im Galvé-See und stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jhts., als sie zur Abwehr gegen den Kreuzritterorden erbaut wurde. Von hier aus regierten die mächtigen Großfürsten Vytautas, Kestutis und Gediminas ihr Reich.

Wir lassen unsere Motoräder an einem bewachten Parkplatz zurück und besichtigen die Wasserburg zu Fuß. Der Touristenansturm hat noch nicht begonnen, da es noch verhältnismäßig früh am Tag ist und so können wir fast ungestört überall reinschnuppern.
Im Ersten Nordischen Krieg 1655 wurde die gesamte. Anlage zerstört und erst im 20. Jh. wieder aufgebaut. Beeindruckend sind neben der Lage mitten im See besonders der große Hof, der Wohnturm und der sterngewölbte Thronsaal in der fünfstöckigen Hauptburg, der Palas. Ein Geschichtsmuseum nimmt die meisten Räume ein. Am Seeufer machen sich zahlreiche Händler mit ihrem glänzenden Bernsteinschmuck Konkurrenz.

Im Verlauf der weiteren Route kommen wir kurz vor Kauna zu IX. Fort, an dem die Autobahn Richtung Klaipeda vorbeiführt. Das Fort, das neben anderen Verteidigungseinrichtungen von den Russen vor dem 1. Weltkrieg aufgebaut wurde, konnte dann 1915 von Deutschen doch eingenommen und besetzt werden. Deutsche und ihre litauischen Helfershelfer ermordeten in der Zeit des 3. Reiches in diesem Komplex 80.000 Menschen, davor und danach waren die Russen (NKWD) in ähnlicher Sache aktiv - sie verhafteten, erwahrten und deportierten von hier Menschen nach Sibirien. Heute ist das Fort als Gedenkstätte ausgebaut.

Nach der Besichtigung der kühlen und auch oft feuchten Räume, fahren wir in einer Gluthitze in die Innenstadt zu unserem Hotel. Dort ist - nach Einspruch von Horst - erst mal bis 18.00 Uhr Pause, dann Abendessen und die Besichtigung der Stadt.

Kaunas mit jetzt über 400.000 Einwohneren war von 1920 - 1940 die provisorische Hauptstadt von Litauen. Jetzt ist die Stadt touristisch immer noch sehenswert. In der Altstadt dominieren Kirchen, oft im barocken Stil. Als wir uns auf dem alten Marktplatz ein gutes dunkles Bier gönnen, können wir eine Feierlichkeit (hatte wohl irgendetwas mit Napoleon zu tun) mit laut krachendem Kanonensalut beobachten. Die Teilnehmer der Feier traten in historischen Uniformen und Kostümen auf. Schön!

Wir saßen noch sehr lange dort und bummelten anschließend ins Hotel zurück.

 

 

Samstag, 28. Juli 2012

Fahrt von Kaunas nach Klaipeda (Fähre)– 232 km

Jetzt komme ich wieder ins Internet, um die letzen Berichte zu schreiben:

Heute, Samstag, ist definitiv der letzte Tag im Osten angebrochen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich über die Rückfahrt freuen soll oder doch (zumindest im Gedanken) hier bleibe.

Gestern Abend hat Peter sich doch geoutet und klargestellt, dass er die "Gruppenfahrt" und die Gruppe an sich nicht so sehr mag (er hing ja auch immer hinten dran und kam nicht nach - Innerorts wie Außerorts!!). Es gab zwar keine große Diskussion, aber für den letzten Abend der Tour im Hotel - war dies einfach nur blöd!! Die Stimmung war dahin!!

Am nächsten Morgen bedeutet er uns dann noch, dass er allein nach "Nimmersatt, wo das Reich sein Ende hat" (war ein ehemals deutscher Ort am äußersten Ende des Kaiserreiches gelegen - Bereich Palanga) fahren wird. Niemand aus der Gruppe hat etwas dagegen und so klinkt er sich aus, um auch sofort loszufahren. Jürgen erklärt ihm noch sehr genau, wo wir uns dann gegen Abend treffen wollen, um zu Essen und dann auf die Fähre Richtung Kiel zu gehen.
Als wir dann aus Kaunas starten und an der Memel entlang Richtung Nordwesten fahren, treffen wir ihn noch einmal an einem idyllischen Fährplatz. Ein kurzes Gespräch und wir fahren weiter. Was wir nicht erahnen ist, dass wir uns nicht mehr sehen werden.
Unterwegs gibt es viel zum schauen, die Memel ist naturbelassen, kann aber auch von kleineren Schiffen befahren werden. Beidseitig des Flusses sind viele alte Herrenhäuser und Schlösser zu finden und so besichtigen wir einige davon. Können sogar den alten Turm eines Schlosses mit einer wunderschönen Aussicht bestiegen.

Wir fahren fast durchgängig an der Memel, bis zu ihrer Mündung in die Ostsee entlang, einige Zeit über eine (Wellblech-)Schotterpiste, die uns dann zum "Windisch Eck" im Bereich des Kurischen Haffs führt. Dort lassen wir die Motorräder auf einem Parkplatz stehen und laufen das letzte Stück zur Landspitze zu Fuß - auch das hat sich gelohnt!! (Da muss ich einfach nochmal hin!!)

Wer kennt nicht das Ännchen von Tharau??!! In Klaipeda, ehemals Memel, stellen wir die Motorräder ab (meine hat mal wieder bei der Stadtfahrt gekocht!!) und schauen uns die Innenstadt an. Dort ist auch das Denkmal Ännchen von Tharau auf dem Simon-Dach-Brunnen zu finden.

Am vereinbarten Treffpunkt taucht Peter zum Abendessen - wie bereits gesagt - nicht auf. Seltsam - ggf. kommt er ja direkt zur Fähre - so meinen wir noch. Weit gefehlt, er hat einfach eine andere Fähre Richtung Sassnitz (Rügen) bestiegen, um sich uns nicht mehr antun zu müssen und sich auch die Fahrt über Kiel zu ersparen. Er ruft ganz locker nach Abfahrt von seiner Fähre aus an. Das gebucht Hotelzimmer in Kiel hätte er ja nie bestellt - er verschwindet ohne Verabschiedung!! Ihm scheint es in der Gruppe wohl nicht so sehr gefallen zu haben.

Nachdem hier jetzt Klarheit herrscht, fahren wir zu unserer Fähre Richtung Kiel, um einzuchecken. Beim Einchecken müssen wir noch einen sehr heftigen Gewitterguss mit noch heftigerem Sturm über uns ergehen lassen. Ich kann kaum das Motorrad noch auf dem Seitenständer festhalten - es war kurz vor dem Umkippen. Der dritte Umfaller bleibt mir dann doch erspart - ich war nach dem Guss einfach nur saaaaaaaaaaaaaaaaauuuuunasssssssssssssssssss!!

 

Dann ging es endlich auf die Fähre. Ins Bett gelangten wir aber erst so gegen 02.00 Uhr, da wir uns bei dem einen oder anderen Bier noch sehr lange mit anderen Motorradfahrern unterhielten.

 

 

Sonntag, 29. und Montag, 30. Juli 2012

Fähre, Übernachtung in Molfsee bei Kiel und Fahrt nach Hause- 695 km

Die Fähre kam nach einem verregneten, langweiligen Tag in Kiel gegen 22.00 Uhr an. Ich hatte ja mit Peter ein Zimmer dort in der Nähe buchen lassen, um nicht noch nachts meine knapp 700 km ins Rhein/Main-Gebiet fahren zu müssen.
Ein Umbuchen des gleichen Zimmers in ein Einzelzimmer klappte dann noch vor dem Abend dank Jürgens guten Kontakten.

Nachdem mich Horst, der auch in die Richtung fuhr, noch am Hotel abgeliefert hatte (besten Dank!), konnte ich ins letzte Hotelbett dieser Tour steigen.

 

Nach dem Ausschlafen und einem sehr gutem und reichhaltigem Frühstück startete ich den Heimweg und schaffte diesen immerhin in knapp 5 1/2 Stunden ohne Probleme.

 

Ich bin wieder daheim!!!

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