Hardys Bikerwelt
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Film und Tagebuch zur Motorradtour quer durch Frankreich und um die Iberische Halbinsel - 2017

Am Montag, den 12.06.2017 startete ich zu meiner Motorradtour über Frankreich, Spanien und Portugal, rund um die Iberische Halbinsel.

Im Verlauf meiner Tour habe ich aktuell meine Erlebnisse des jeweiligen Tages festgehalten.
 

Ich freue mich, dass Ihr mich begleitet und dabei natürlich insbesondere auch auf

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Montag, der 12.06.2017 (Pfungstadt bis Bourg Sainte Marie - 410 km)

 

Der Start meiner diesjährigen Tour fand bei bestem Wetter statt.

Ich fuhr mit meiner "Neuen" durch den Pfälzer Wald und über Bitche in die Nordvogesen.

Bei dann doch recht stürmischen Böen in diesem Mittelgebirge konnte ich ein größeres Gewittergebiet umfahren und suchte meine neue Tour südlich von Sarrebourg. Es ging über die kerzengerade D38 durch das Salzgebiet von Dieuze (war bereits in der Römerzeit als Salzhandelszentrum bekannt und die geraden Straßen rühren aus dieser Zeit). Kurz ein Streifen von Nancy und schon bin ich gegen 16 Uhr bei herrlichstem Sonnenschein auf meinem Campingplatz in der Champagne angekommen.

So stell ich mir meine Touren jetzt durchgängig vor! Hoffentlich bleibt es so schön.

 

 

Dienstag, der 13.06.2017 (Bourg Sainte Marie bis Courville s. Eure - 356 km)

 

Heute führte mich meine Route quer durch die Champagne, vorbei an Troyes, der Partnerstadt von Darmstadt, über Sens und Nemurs, südlich von Paris, bis zum kleinen Städtchen Courville sur Eure.

In der Nacht hatte ich etwas gefroren, da ich nur einen sehr leichten Sommerschlafsack mitgenommen hatte. Ich packte mich mit allen Klamotten ein, die ich so im Zelt auf die Schnelle finden konnte, trotzdem war mir immer noch kalt. Rotwein hatte ich gestern auch nicht bekommen, also schied auch das Betrinken zum Ertragen der „Kälte“ aus. Rund um das Zelt tollten zumeist Elstern und das mit so einem Krach, dass selbst die Ohrstöpsel nichts nutzten. Irgendwann schlief ich aber - mit gefühlten tausend Unterbrechungen – ein.

Der Morgen war auch kühler, als ich so gedacht hatte und so zog ich mir die Motorradklamotten gleich an, machte mir Frühstück und baute das, vom Tau total nasse Zelt ab. Gut, dass der Zeltstoff aus einer speziellen Kunststofffaser ist, der die Feuchtigkeit nichts ausmacht.

Unterwegs konnte ich die französische Landflucht extrem wahrnehmen: viele alte Bauernhäuser sind verlassen und die kleinen Orte weisen sehr viele verfallene Häuser auf. Auf der anderen Seite nutzen einzelne Franzosen die Situation und erstehen tolle alte Häuser, die sie dann restaurieren. Dies trifft auch auf viele Landsitze, mit ihren kleinen Schlösschen aus dem Mittelalter, zu. Hier wird viel Geld reingesteckt!!

Auf dem Ortscampingplatz hier gibt es leider kein Internet, dafür bezahle ich auch nur sage und schreibe 8,15 € incl. Dusche und freier Wahl des Platzes.
Auf dem Platz lerne ich noch ein nettes britisches Ehepaar mit 2 Hunden kennen. Er wollte sich eigentlich auch die Multistrada von Ducati - so wie ich sie habe – kaufen, ließ sich jedoch zu einer BMW GS überreden.

Ich ziehe mich schon sehr früh in den Schlafsack zurück – morgen sollen es knapp 450 Km werden.

 

 

Mittwoch, 14.06.2017 (Courville sur Eure bis Paimpol – 442 Km)

 

Der Rotwein und die Müdigkeit haben gewirkt und ich habe von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr durchgeschlafen. Es war heute Nacht bedeutend wärmer und lediglich das Frühkonzert der Vögel hat mich aus dem Schlaf gerissen. War gut so! So konnte ich früh aufstehen und nach dem deftigem Frühstück (Pfungstädter Räucherwürste!!) startete ich. Der Weg führte mich Richtung Westen – Richtung Mont St. Michel. Auch heute benutzte ich sehr kleine „D“epartement-Straßen, die sich zum großen Teil lediglich einspurig dahin schlängeln. Der Tag verlief entspannt und ich konnte ohne große Probleme kurz vor Avranches, an der Küste, Richtung Le Mont St. Michel abbiegen. Hier besuchte ich einen deutschen Soldatenfriedhof, auf dem an die 12.000 deutsche Gefallene des 2. Weltkrieges (namentlich bekannte und unbekannte) liegen. Der Friedhof befindet sich auf einer kleinen Anhöhe und so kann man von dort gut „den Michel“ sehen.

Ich fuhr jetzt die Küstenlinie entlang – leider war Ebbe und es war mehr Sand und Schlamm, als Meer zu sehen.

Im Bereich der Küste sieht man nichts mehr von der Landflucht. Hier herrscht genau das Gegenteil. Selbst viele Briten haben hier ein Häuschen gekauft wie eine nette Engländerin während des Tageseinkaufs mir berichtete. Es sei schon eine recht große britische Gemeinde hier angesiedelt, angetrieben vom Brexit!

Auf dem Campingplatz angekommen, entschließe ich mich, hier doch 2 Tage zu bleiben. Der Platz liegt in Küstennähe. Morgen werde ich mich mal in der Gegend umschauen.

 

 

Donnerstag, 15.06.2017 (Paimpol – 19 Km zu Fuß)

 

Der heutige Tag ist dem Wandern entlang der Küstenlinie gewidmet.
Nachdem ich gut geschlafen und gefrühstückt habe, starte ich um 08.30 Uhr zu einer längeren Wanderung entlang der Küste. Es gibt einen schönen Wanderweg entlang der gesamten bretonischen Küste. Ich habe mir den Abschnitt Richtung Westen – den bis zur Mündung der Trieux vorgenommen.

Es ist einsetzende Ebbe und das Wasser geht schnell zurück und hinterlässt eine riesige Sand- und Felsenlandschaft. Ich schätze mal, dass an den meisten Stellen die Ebbe fast einen Kilometer ausmacht.

In Höhe von Paimpol komme ich auf die Landspitze des Chemin de Guiben, von dort knickt der Weg fast wieder Richtung Osten ab, um dann nach 2 Kilometern wieder nach Westen zu führen. So geht es im leichten Zickzack immer der Küste entlang, bis Loguivry sur Mer. Hier geht die Fähre zur Kanalinsel Le Biniguet. Im Hafen kann ich mir bei tollem Sonnenschein noch eine gute Stunde den Betrieb anschauen, bis der Bus zurück nach Paimpol abfährt. Von hier, auf der Landstraße dann ganze 6 Kilometer!!

Nun kurz einkaufen und dann gibt es zum Abendessen ein riesiges Steak und ein herrlich kühles Bier.
Morgen geht es dann weiter an die Rade de Brest.

 

 

Freitag, 16.06.2017 (Paimpol bis Camping Trez Rouz/ Rade von Brest – 182 Km)

 

Ausschlafen sollte heute sein, aber irgendwie bin ich kurz nach 06 Uhr schon wieder wach. Ich dusche und mache mir Frühstück. Das ganze zieht sich dann bis 10 Uhr hin, da ich es heute ja nicht eilig hab – es geht nur ca. 190 km quer durch die Bretagne, bis zur Bucht von Brest. Auf der vorgelagerten Halbinsel befindet sich der Campingplatz Trez Rouz.
Ich fahre von Paimpol, die Stadt der alten Islandfischer, Richtung der Mont´s de Arrée, einer Hügellandschaft im Landesinneren.

Weideland und Heide wechseln sich ab, zwischendrin weiden Kühe. Alte Landsitze sind oft verfallen, aber einige sind toll restauriert und in Privatbesitz. Ich fahre quer durch ein Naturschutzgebiet. Oft sehe ich sehr alte Kirchen, zum großen Teil erhalten, jedoch auch Ruinen. Ich halte sehr oft an, um das eine oder andere zu besichtigen. Wunderschön!

Ich komme zur Rade de Brest, eine Bucht, die schon im Altertum als Seehafen genutzt wurde. Sie ist so 150 qkm groß und wird auch heute von französischen Kriegsschiffen und allerlei Handelsschiffen befahren. Brest ist ein riesiger Kriegs- und Handelshafen. Die vorgelagerte Halbinsel ist sehr intensiv touristisch genutzt und so finde ich hier auch meinen Campingplatz.

 

 

Samstag, 17.06.2017 (Camping Trez Rouz bis Auray  – 172 Km)

 

Nach einem langen Frühstück und dem Verstauen des Gepäcks ging es um 10 Uhr Richtung Süden- Richtung Quiberon.

Heute ist es doch recht warm und ich bin bereits durchgeschwitzt, als ich auf mein Motorrad steige. Der Fahrtwind trocknet und kühlt mich ab. Zunächst fahre ich Richtung Quimper und dann immer auf kleinen Straßen der Küste entlang. Es ist herrlich, die Seeluft zu schnuppern.
Vor Lorient fahre ich an einem riesigen Luftwaffenstützpunkt vorbei. Hier haben viele Einwohner Plakate gegen die wohl geplante Erweiterung des Stützpunktes aufgehängt. Bei dem Flugaufkommen, das ich persönlich wahrnehmen kann (dabei ist heute ja Samstag!!), ist dies echt nachzuvollziehen. Nach einigem „Herumgebummel“ komme ich auf meinem Campingplatz La Lac (befindet sich in der Nähe von Auray) an.
Hier werde ich mindestens bis Montag bleiben, Wäsche waschen und meine Weiterfahrt planen.

 

 

Sonntag, 18.06.2017 (Camping La Lac – 0 Km)

 

Heute ist es brütend heiß und ich bleibe auf dem Campingplatz, um zu relaxen, aber auch mal die Wäsche zu waschen. Ich frühstücke sehr spät (morgens gibt es (fast) immer ein tolles, knackiges Baguette dazu). Ich laufe einmal um den kleinen künstlichen See, der derzeit leider abgelassen ist und so ist die Wirkung der vielen kleinen Wassermühlen, die rundherum im Mittelalter gebaut wurden, nicht so gegeben. Ich nehme mir vor, doch den Campingplatzbesitzer mal zu fragen.

Nachmittags drücke ich mich im großen Pool herum. Das Wasser gleicht die Hitze der Luft nur zum Stück aus. Diese Tour ist derzeit genau das Gegenteil vom letzten Jahr- da war es kalt und nass, jetzt ist es sehr heiß und trocken! Bin sehr zufrieden damit!

 

 

Montag, 19.06.2017 (Rundfahrt auf der Halbinsel Quiberon und nach Vannes)

 

Habe toll geschlafen. Es war zwar gegen 23.00 Uhr auf dem Platz noch sehr heiß, da ich aber meinen Zeltplatz so gewählt hatte, dass ab 16 Uhr Schatten darüber liegt und immer ein bisschen Wind geht, konnte ich dann doch gut schlafen.

Um 09 Uhr wollte mein Platzwart für mich eine Werkstatt in Bayonne wegen des anstehenden Reifenwechsels anrufen – die hatten aber leider den kompletten Tag geschlossen. So bleibe ich hier noch einen Tag, um die Sache im guten Französisch von ihm doch noch managen zu lassen. So kann ich denen 3 Tage Vorlauf geben, um die speziellen Reifen für zu besorgen. Mal schauen, ob das morgen klappt.

Dann ging es ab 10 Uhr auf meine Rundfahrt, quer durch die vielen Dolmenfelder (Hinkelsteine – von Obelix sicherlich bekannt!!??) im Quiberon und dann zur Stadtbesichtigung in Vannes.
Die letzte Zählung in den Dolmenfeldern ergab genau 2792 Hinkelsteine, die sich über die drei großen Alignements nördlich von Carnac verteilen. Über eine Länge von knapp 4 km dehnen sich die Steinalleen von Ménec, Kermario und Kerlescan aus. Die Größe der geheimnisumwitterten Steine ist unterschiedlich (von 0,80 bis zu 6,50 m), ebenso ihre Anordnung. Das Heidekraut, das einst zwischen den Reihen wucherte, wurde von den Besucherheeren niedergetrampelt, der Boden, der die Steine über die Jahrtausende hielt, erodierte. Folge: Die Megalithe sitzen locker wie Zähne bei einer schlimmen Parodontose. Die Denkmalschutzbehörde hat inzwischen reagiert: Die Steinreihen sind mit einem Gitterzaun geschützt, das Gelände ist renaturiert.
Man wird schlichtweg von Hinkelsteinen „erschlagen“ – was sie bedeuten oder aussagen sollen, ist bis heute immer noch nicht bekannt. Nebenan befinden sich fast ebenso viele Steingräber, offene wie mit Erde bedeckte. Eine legendäre Landschaft!

Ich komme nach Vannes - Als Julius Cäsar vor 2000 Jahren die Bretagne eroberte, war es der Stamm der Veneter, der ihm den heftigsten Widerstand leistete. Die für ihre Tapferkeit und Lebenslust bekannten Veneter, die den römischen Feldherrn zu Komplimenten hinrissen (was ihn nicht davon abhielt, sie zu ermorden oder in die Sklaverei zu treiben) gaben Vannes den Namen. Mit der Besetzung Armorikas durch römische Truppen beginnt die Geschichte des heutigen Vannes. Nachdem die venetische Oberschicht ermordet und der Großteil der restlichen Bevölkerung auf dem Sklavenmarkt verkauft ist, entsteht auf dem Stadtgebiet ein römisches Verwaltungszentrum, das zunächst Darioritum und später Venetis heißt. Danach entwickelte sich Vannes sehr schnell.

Ich parke mein Motorrad direkt am Kai des Hafens und laufe von dort durch die Altstadt. Vorbei am alten überdachten Waschhaus an der Marle, durch die Befestigungsanlage, die nun als Park angelegt worden ist, zur Kathedrale St-Pierre aus dem 12. Jahrhundert, der der es wunderbar kühl ist. Weiter geht es durch die Altstadt mit ihren wunderschönen restaurierten Häusern, vorbei an den alten Markthallen La Cohue aus dem 14. Jahrhundert. Für ein Kaffee ist noch Zeit! Dann geht es zurück zum Campingplatz, dort wartet ein gegrilltes Steak auf mich! So soll das Leben sein!!!!!

 

 

Dienstag, 20.06.2017 (Wanderung nach La Trinité s/Mer und dem Pointe de Kerbihan – 21 Km )

 

Heute früh hat die nette Schwiegertochter des Platzinhabers bei Ducati in Bayonne meine beiden neuen Reifen bestellt. Samstag werden sie aufgezogen. Das passt recht gut und so kann ich mir Samstag Bayonne zu Fuß entdecken. Aber noch bin ich ja in der Bretagne!

Ich bekam von ihr noch den Tipp, doch eine Rundwanderung über die Landspitze zum Pointe de Kerbihan zu machen. Unterwegs würde ich auch bestimmt bemerken, warum manchmal kein Wasser im „See“ sei. Zunächst musste ich „meinen kleinen See“ umrunden und stellte dann fest, dass dieser randvoll war. Mittendurch war ein befestigter Damm gebaut und eine alte Wassermühle findet sich in der Mitte des Dammes. Logisch: Bei Flut ist der See voll und wenn das Wasser ablaufen will, wird (besser wurde!) die Mühle angetrieben und konnte mahlen. Das Gleiche fand dann bei kommender Flut statt. Die waren schon echt clever im 13. Jahrhundert. Nun ging es immer am Wasser entlang Richtung Pointe de Kerbihan. Nach knapp 5 Kilometern befand ich mich in der nächsten Stadt: Trinité s/Mer. Ein schönes kleines Örtchen, der Hafen rappelvoll mit Segelbooten, die – Straßen rappelvoll mit Touristen – so wie ich!
Weiter ging es auf dem Küstenpfad GR 34 zum Pointe de Kerbihan. Auch sind Hinterlassenschaften des 3. Reiches zu finden. Die Bunkeranlage ist nie zerstört worden und jetzt in ein größeres Privathaus, direkt auf der Landspitze integriert. Im Bogen ging es der Küstenlinie entlang im großen Bogen wieder zurück zum Campingplatz, wo ich mich dann auch sofort in den Pool fallen ließ – abkühlen!

Morgen früh starte ich mal wieder zu einem langen Fahrtag, es geht mit knapp 370 Kilometern bis südlich von La Rochelle.

 

 

Mittwoch, 21.06.2017 (Camping La Lac bis Camping Les Flowers Étangs Mina – 348 Km)

 

Heute geht es wieder weiter.
Ich fahre über Vannes, St Nazaire, um Nantes herum und letzten Endes noch über La Rochelle und Rochefort. Das Wetter meint es sehr gut mit mir. Zum Zeltabbau ist es trüb und nur 17 Grad, hinter Vannes kommt dann wieder der Sonnenschein und nachmittags sind es dann wieder 32 Grad. Im Fahren macht mir die Hitze recht wenig aus, da meine Motorradklamotten gut ventiliert sind. Zum Glück gibt es nirgends einen längeren Halt.
Die Gegend südlich von Vannes wird immer flacher und die wenigen bretonischen Hügel werde ich erst einmal vermissen. Der nördliche Küstenbereich zum Atlantik zeigt sich als Marschgebiet mit vielen Entwässerungsgräben und wilden Kühen und Stieren. Die „Smaragdküste“ in Höhe La Rochelle ist zunächst wieder zerklüfteter, jedoch geht es südlich von Rochefort wieder ins Marschland über.
Mein Weg führt mich über zwei riesige Hängebrücken, die eine bei La Roche-Bernhard und die zweite bei St Nazaire. Sie erinnern mich ein Stück an die norwegischen Fjordbrücken – sehenswert!
Als ich auf dem Campingplatz ankomme, wird mir mehr oder weniger bedeutet: naja, Zelte sind nicht unser Ding, aber Du kannst Dich ja hinstellen, wo Du einen Platz findest. Wir sind ja noch in der Vorsaison und da geht sowas. Bin schon erstaunt, hier finde ich echt kein einziges Zelt, nur Motorhomes, Leihhütten oder Caravans.
Ich finde dann doch einen schönen Platz direkt am See, nur der Verkehr der naheliegenden Straße ist doch recht laut – ist ja nur für eine Nacht! Auch Internet ist noch nicht geschaltet, „ist ja noch Vorsaison!“

 

 

Donnerstag, 22.06.2017 (Camping Les Flowers Étangs Mina bis Camping L'Airial – 332 Km)

 

So eine Nacht möchte ich bestimmt nicht noch einmal auf dieser Tour haben! Ich hatte das Gefühl, dass die LKW direkt neben meinem Zelt „durchdonnern“ würden. Ich quälte mich dann gegen 06 Uhr aus dem Schlafsack und begann total verschlafen den Tag.
Bereits um 08.30 Uhr war ich fertig gepackt auf der Duc und startete. Zunächst fuhr ich die Strecke der nächtlichen Lkw – Richtung Bordeaux. Die Straße führte immer entlang der Girondemündung, vorbei an Royan, zumeist auf der D 730. Die halbe Stunde früher hat mich direkt in den Berufsverkehr geführt und ich merke, dass die Franzosen genauso verschlafen Auto fahren wie die Deutschen – soll das beruhigend sein!!??
Ich versuche zwar auf dieser Tour nur kleinere Straßen zu fahren, aber bei größeren Städten bleibt mir zumeist nichts anderes möglich, als die beste Umfahrung zu finden. So auch heute, Bordeaux ist mir knapp 250 000 Einwohnern natürlich auch so eine größeres Kaliber und so fahre ich über autobahnähnlich ausgebaute N 10 Richtung Süden und muss dann über mehrere Verbindungsautobahnen rundherum kommen. Natürlich war mal wieder ein riesiger Stau und ich fuhr mit mehreren einheimischen Motorradfahrern zwischen den Fahrzeugen durch. Bereitwillig wurde jeweils Platz gemacht und ich fand es toll, dass sogar Autofahrer mithalfen, eine Lücke für uns zu bilden.
Was war geschehen: Auf der mittleren von drei Spuren hatten sich 4 Pkw „geküsst“, warum auch immer und blockierten diese Spur. Nichts mit Polizei uns so. Personalien wurden ausgetauscht und auf den Abschleppdienst gewartet. Tja, das mit der Polizei – Gendarmerie hier, ist so eine Sache. Während der gesamten letzten Tage habe ich so gut wie keinen Streifenwagen der Gendarmerie unterwegs gesehen, lediglich einige Motorradstreifen. Auch hier wurde gegenüber früher mächtig Personal abgebaut.

Nachdem ich die Strecke um Bordeaux geschafft hatte, fuhr ich quer durch das Naturschutzgebiet der Gasgogne. Ein Kiefern-/Heidegebiet, vergleichbar mit der Lüneburger Heide, nur wesentlich größer. Hier in der Gasgogne machen „die Franzosen“ Urlaub, was man während der Fahrt auch bemerkt: überall Ferienhäuschen! Häuschen, ne sehr oft kleine Paläste!! Bis hierher führt auch von Paris aus die kostenfreie Autobahn! Ein Schelm, der böses dabei denkt. Hinter der Gasgogne wird die Autobahn natürlich gebührenpflichtig. So wird den Ausländern – hier Spanier – Geld aus der Tasche gezogen, ohne dass die EU-Kommission was daran herumdeuteln kann. So hätten wir es in Deutschland auch besser mal mit der Maut gemacht!

Nun bin ich so 40 Kilometer nördlich von Bayonne, der französischen Baskenmetropole, angekommen. Der Ort nennt sich Soustons, auch eine französische Ferienhochburg. Ich checke für die nächsten 3 Tage auf dem super gepflegten Campingplatz L'Airial ein.

 

 

Freitag, 23.06.2017 (Unterwegs im Bereich „Les Landes“ – 118 Km)

 

Es hat nachts leicht genieselt und es ist wesentlich kühler – schön! Heute steht erst mal mein „Haustag“ mit Wäsche pp. an. Als ich das hinter mich gebracht habe, starte ich zunächst Richtung Dax, eine sehr alte Bäderstadt (Rheumakurort seit der Römerzeit!). Hier dampft es sogar im Sommer, da eine braune Brühe mit 64 Grad in riesige Becken läuft. Bereits im 1 Jahrhundert n. Chr. strömten viele Römer hierher, um sich von ihren Gebrechen zu erholen.
Der Ort hat an sich nicht viel zu bieten, da ich die Einrichtungen ja nicht nutzen kann und die wenigen ausgegrabenen röm. Anlagen sind in einem Museum integriert, das noch 2 Stunden geschlossen hat. Also weiter!
Ich fahre nun Richtung „Silberküste“ und Richtung Norden. Hier soll es tolle Strände geben, doch mit einem fahrbaren Untersatz kommt man da nicht ran, alles für Fahrzeuge weiträumig gesperrt! Außer sehr, sehr vielen Kieferwäldern (La Pinhada), ist nicht viel zu sehen, nur im Bereich von St-Girons-Plage kann ich im Ort ans Meer fahren – wenig Sehenswertes, zumal bei dem Wetter. Ich fahre zum Campingplatz zurück und genieße einige Biere und ein gutes Stück Fleisch vom Grill.

 

 

Samstag, 24.06.2017 (Soustons nach Bayonne – 82 Km)

 

Gestern Abend sind in der unmittelbaren Nachbarschaft eine Menge Spanier eingezogen und lauthals bis kurz nach Mitternacht im „kommunikativen Austausch miteinander“. Das kann in Spanien ja was werden!!??
Morgens fahre ich nach Bayonne, die heimliche Hauptstadt des Baskenlandes. Ich will dort neue Reifen aufziehen lassen und mir die Stadt anschauen. Ich gebe gegen 11 Uhr meine Duc in der Werkstatt ab, kann mich dort umziehen und marschiere in die Stadt.

Die Stadt hat ebenfalls römische Wurzeln und der Handel blühte ab dem 12. Jahrhundert unter englischer Herrschaft. Nach dem Anschluss um 1451 an Frankreich versiegte der Handel, zumal die beiden angrenzenden Flüsse immer mehr versandeten. Erst als der französische König im 17. Jahrhundert die Stadt zur „Piratenstadt“ autorisierte, blühte sie wieder auf. Es wurden Korsarenschiffe gerüstet und der Hafen wieder flott gemacht, wohl auch große Beute eingebracht.
Louis der XIV baute die drei riesigen Bastionen aus dem 17. Jahrhundert aus. Leider kann man keine dieser riesigen Anlagen besichtigen, da noch heute die Armee dort drin sitzt. Dafür kann man durch die wunderschöne Altstadt schlendern. Immer mehr der uralten Häuser werden restauriert und wieder nutzbar gemacht. Ein uriges Geschäft reiht sich an das andere. Hauptsächlich werden hier traditionell Schokolade und auch Pralinen hergestellt. Aus dem Randgebiet der Pyrenäen wird hier geräucherter Schinken und nochmals Schinken angepriesen. Am Fluss Nive, mitten in der Stadt, befindet sich u.a. eine Markthalle, in der man kulinarisch „herzhaft zuschlagen“ kann – probieren eingeschlossen!
Die gotische Chatédrale Ste-Marie aus dem 13. Jahrhundert ist auch Station der Jokobspilger. Hier beeindruckt besonders das dreischiffige Gotteshaus mit den Glasfenstern, die noch aus dem 16. Jahrhundert stammen und der angebaute, sehr filigran wirkende Kreuzgang, den man leider derzeit nicht betreten darf.
Das war ein Tag, der sich echt gelohnt hat. Als ich das Motorrad wieder abhole, bin ich komplett zufrieden. So kann es weiter gehen!
Heute Abend bin ich bei einigen Spaniern aus der Nachbarschaft zum Grillen eingeladen, der Ehemann fährt auch eine Ducati!!!! Direkt als ich wieder auf den Platz rolle, wird mir ein gut gekühltes spanisches Bier von meinen heutigen Gastgebern überreicht. "Motorradfahrer verstehen sich eben!" Ich werde auch nicht so laut sein!!

 

Morgen früh geht es durch die Pyrenäen nach Spanien – besser ins Baskenland!

 

 

Sonntag, 25.06.2017 (Camping L'Airial bis Camping Leagi, Nähe Bilbao – 241 Km)

 

Die kleine Grillfeier am gestrigen Abend war echt angenehm – mir wurden noch viele Tipps für Spanien mit auf den Weg gegeben. Ich fiel dann in den Schlafsack und war aber schon um Halbsieben wieder wach. Alles „zusammenrödeln“, bezahlen und los geht es zur Kurvenjagd in die Pyrenäen.
Meine Strecke führte mich nochmals durch Bayonne und dann aber sofort ins Bergland der Pyrenäen. Die kleine Straße führte über Ainoah – noch in Frankreich, einem kleinen, aber sehr fein raus geputzten Ort direkt an der Grenze. Grenzkontrollen gibt es hier wohl auch schon lange nicht mehr und so fuhr ich, immer wieder Radfahrer überholend, nach Spanien ein. Ich bin doch erstaunt, mit welcher Geschwindigkeit und mit welcher Leichtigkeit diese die hohen Berge hinauffahren!!! Hola! Für mich heißt es, viel Spaß mit den vielen tollen Kurven!!!!!!

Auf dem Bergkamm in Spanien biege ich von der N-121-B auf einen einspurigen Waldweg (NA-4453) ein. Diesen zunächst geteerten, dann in Betonplatten übergehenden Weg, nutze ich knapp 40 Kilometer. Es war der alte, landschaftlich toll gelegene Zöllnerweg, der ja jetzt nur noch vom freilaufendem Vieh und Pferden, sowie von den Bauern oder Waldarbeitern genutzt wird. Ich wurde zwar heftig durchgerüttelt, aber die Strecke war schon sehenswert. Auch ein Tipp von meinen gestrigen Grillgastgebern.
Weiter geht es über Tolosa und Azkoitia Richtung Meer, das ich bei Deba dann am frühen Nachmittag erreiche. Nun immer schön an der Steilküste lang. Auch hier ist es eine untergeordnete Straße und damit sehr eng zum Befahren – was haben die hier bloß früher gemacht, als es die Autobahnen entlang der Küste noch nicht gab? Ich fahre durch Mendexa und biege in eine steil ansteigende Straße ab, um auf den Campingplatz zu kommen. Dieser liegt weit oben über dem Meer und man kann fast schon sehen, „wer ÜBERMORGEN per Schiff den Hafen anlaufen wird“. Hier werde ich eine Nacht bleiben, um dann morgen Richtung Westen, - Richtung „Ende der Welt“, weiter zu fahren.

 

 

Montag, 26.06.2017 (Camping Leagi bis Camping Troenzo – 391 Km)

 

Eigentlich sollten es 301 Kilometer heute werden, aber beginnen wir mal ganz vorn.

Ich startete wie immer – so gegen 09.00 Uhr. Zuvor war ich schon sehr früh wach und als ich in den Wasch- und Toilettenkomplex kam, konnte ich die riesige Sauerei sehen, die die spanischen Gäste verursacht hatten. Überall lagen Papierreste und sonstiger Abfall herum, vom Aussehen der Toiletten möchte ich überhaupt nicht reden. So können sich nur Schweine verhalten! Bin ja schon einiges in der Welt rumgekommen, aber so etwas hatte ich noch nicht gesehen. Ich wusch mich dann an einer freien Waschstelle auf dem Platz – Halt Katzenwäsche!

Durch das küstennahe Gebirge fuhr ich zunächst Richtung Bilbao. Ich hatte bewusst eine Route NICHT durch die Stadt geplant, es kam jedoch anders: ich steckte auf der Spur links neben mehreren riesigen Lkw fest, als ich urplötzlich abbiegen sollte(ab und an hängt mein Navi – wohl zu alt!!). Der jeweilige „Sicherheitsabstand“ der Lkw war knapp 2 Meter und so kam ich nicht mehr zum Abbiegen. Aber das haben wir ja schon öfter geübt: bis zur nächsten Abfahrt und dann entweder zurück und Abbiegen oder mit dem Navigationsgerät eine Alternativstrecke rechnen lassen. Beides ging deftig „in die Hose“: der Navi streikte und die nächste Abfahrt hatte in der anderen Richtung KEINE Auffahrt – so befand ich mich mitten in Bilbao. Eine verkehrstechnisch chaotische Stadt – Ringverkehre, Innenstadt gesperrt, keine Wegweisung. Es kostet mich über eine Stunde, bis ich mit Hilfe eines netten jungen Mannes wieder zu einer Auffahrt der Schnellstraße (glaube, es ist die Stadtautobahn) fand. Von dort wieder Richtung meiner geplanten Tour.

Mittlerweile hatte ich mein Navigationsgerät zurückgesetzt und neu gestartet. Ab und an zeigte es mir den Weg. –Nach der Tour gibt es ein Neues!
Weiter ging es nun durch das Gebirge Richtung Santander und dort südlich durch das Naturreservat (Jochen – ist echt ein tolles Gebiet!) Ich sah im Westen dicke, schwarze Wolken, konnte mir gerade noch die Regensachen anziehen und dann fing es schon sehr heftig an zu regnen. Der Regen begleitete mich über 2 Stunden, danach klarte es wieder auf. Gut, weil jetzt die schönste Strecke des Tages kam. Ich fuhr durch die Cabrales! Ein enges Tal, fast schon ein Canyon. Tolle Kurven und eine gute Straße – das entschädigte mich schlichtweg für alles Erlebte!

Auf dem heutigen Campingplatz, der auf der Pilgerstrecke nach Santiago de Compostela und direkt am Meer liegt, werde ich 2 Tage bleiben, um mal frische Meerluft zu schnuppern.

 

 

Dienstag, 27.06.2017 (Camping Troenzo/Nähe Llahnes)

 

Heute Nacht hat es sehr heftig geregnet und ich dachte, dass der heutige Tag etwas Wetterberuhigung bringen würde. Zunächst sah es auch so aus und ich ging nach meinem Frühstück auf dem Wanderpfad der „Muschelpilger“, Richtung Osten, entlang der Küste, ins nächste Dorf. Ich würde in die falsche Richtung laufen – so einige der sehr höflichen Pilger, die mir begegnen. Ich lache und meine, „Euer Weg ist derzeit nicht der meine!“ Unter ihnen sind auch einige Deutsche und so unterhalten wir uns etwas länger. Warum machen sie das eigentlich, so meine Frage? Die Pilger, die fast alle offen mit einer weißen Muschel gekennzeichnet sind, geben verschiedene Gründe an. Doch stelle ich fest, dass die Antwort mehr oder weniger schon eingeübt ist. Sie geben die verschiedensten Gründe an, einige sprechen sogar sehr persönliche Dinge aus. Auf meine Frage, „werdet ihr das öfter gefragt – ja, zumindest bei fast jedem, der uns begegnet. Die, die wir überholen, gehen ja in die gleiche Richtung und haben auch ihre eigen Gründe dafür“. Die von mir Angesprochenen kommen aus der Übernachtungsstätte eines uralten Klosters aus dem Nachbardorf. Das Kloster darf ich zwar nicht betreten – ich trage ja auch keine Muschel!!!, aber fotografieren darf ich das Kloster.

Tja, jetzt muss ich auch beichten: die gestrige Aussage wegen der „dreckigen Spanier“ muss ich heute doch revidieren. Unser Toiletten- und Waschraum auf dem Campingplatz war heute früh wie geleckt. Es scheint echt am jeweiligen PUBLIKUM – wie auch in Deutschland – zu liegen. Dieser Campingplatz hat zwar nur 2 Sterne (gestern der hatte 4!), ist aber viel liebevoller geführt. Ich fühle mich hier richtig wohl.

Nachdem ich einkaufen war, mache ich mich wieder aus dem Nachbardorf auf. Prompt, heftiger Regen verbunden mit einem starken Gewitter, das dann bis nachmittags gegen 15 Uhr anhält. Mein Zelt steht, als ich ankomme, förmlich in einem See!!! Was machen? Nichts! Es sieht überall so aus!!!
Ich hole mir eine Flasche Rotwein – zumal die heutige Geburt meines „Findelenkelchens“ gefeiert werden muss. Also Spaghetti und Rotwein im Regen! Das Essen muss aber erst einmal gekocht werden – und das auch noch im Regen! Zum Schluss hat dann aber doch (fast – eine Tasse Wein ist mir umgekippt!) alles geklappt! Morgen früh soll das Wetter einigermaßen klar sein und so entschließe ich mich, dann weiter Richtung Westen aufzubrechen.

 

 

Mittwoch, 28.06.2017 (Camping Troenzo bis Camping Los Cantiles/Lluarca– 211 Km)

 

Von wegen – Aufklaren!!!???? Da hat sich so ein „Wetterkasper“ wohl wieder mal gründlich geirrt!
Die ganze Nacht hat es durchgeregnet und dies hält auch so bis um 09 Uhr an. Ja, genau in der Zeit, wo ich halt das Zelt abbaue und Frühstück machen will. Also Regenjacke überziehen, die muss ich nachher ja zum Fahren eh anziehen. Im Regen wird das triefnasse Zelt eingerollt und der Kocher für eine Tasse Kaffee angeworfen. Als ich dann fertig bin, hört es doch auf zu regnen und klart sogar leicht auf. Ich überlege kurz und packe meine Regensachen wieder ein. Bei dem Wind wird es sicher nicht regnen!
Im Sonnenschein fahre ich um 10 Uhr los. Ich schraube mich wieder in die Berge hinauf, zum Nationalpark de los Picos de Europa. An dessen Nordrand fahre ich Richtung Westen. Eine wunderschöne Landschaft, wenn es denn nicht – gegen 12 Uhr - schon wieder anfangen würde zu regnen. Anhalten und ab in die Regenklamotten!!!! – hört sich sehr einfach an, ist es aber nicht unbedingt! ABER geschafft! Regen mit Sonne wechselt sich jetzt ab.
Etappenweise begleite oder streife ich den Camino de Santiago, den Weg der Pilger nach Santiago de Compostella – die, die da zu Fuß laufen, tun mir noch mehr leid! Da muss ich echt nicht meckern!
Jetzt kommt noch ein starker Sturm zum Dauerregen dazu, Äste brechen und fallen auf die Fahrbahn. Hinter einer Kurve liegt ein junger Baum quer über die Straße. Vor mir ist schon ein Pkw-Fahrer, der versucht, das Hindernis zu beseitigen. Ich helfe ihm und mir und die Straße ist wieder frei.
Immer, wenn ich über eine Kuppe komme oder in ein freies Tal hinunterfahre, muss ich heftig aufpassen, dass mich die Windböen nicht umwerfen. Jetzt übertreibt der aber mal wieder, wird der eine oder andere jetzt denken. Weit gefehlt!
Meine Hardcorerfreunde kennen eine Tour:   wir kamen aus den Pyrenäen und wollten über das Tal der Tarn in Frankreich zurückfahren. Die Situation war dort fast identisch!
Und weiterhin heftiger Regen und das mitten in einem Sturm. Nun muss ich aus den Bergen wieder hinunter an das Meer und der Sturm wird noch stärker, so dass ich mich entschließe, eine Hütte für die nächsten 2 Nächte zu nehmen. Dieser Sturm soll immerhin so bis morgen Mittag noch andauern. Die Platzinhaberin weist mir eine kleine Hütte – fast so wie in Norwegen – zu. Ihre Laune hält sich dabei wegen des schlechten Geschäftes erkennbar in Grenzen! Meine Hütte steht keine 20 Meter vom Felsabhang zur Kantabrischen See entfernt und ich bekomme jeden Windstoß mit. Der unmittelbar neben der Hütte stehende Baum stößt öfter mit lauten Krachen an deren Dach. Mal schauen wie das mit heute Nacht wird – ABER einen Vorteil hat es, ich liege NICHT im NASSEN ZELT, das vermutlich wegen des Sturmes hier doch erheblich flattern würde – da könnte ich garantiert nicht schlafen.
Noch eine schöne Tomatensuppe mit Weißbrot zum Abendessen! LECKER!!! Das Internet ist natürlich ausgefallen, daher kommt dieser Beitrag erst am Donnerstag ins Netz. Auch mein Handy hat Probleme mit seinem Tethering und dem Win10 meines Laptops. Beide kommen nicht zusammen und so habe ich auch keine Ausweichmöglichkeit. Ich weiß auch nicht warum. Was soll´s!!!

 

 

Donnerstag, 29.06.2017 (Camping Los Cantiles – faulenzen!)

 

Über den ganzen Tag ziehen sich die Regenschauer und die kurzen Abschnitte mit Sonne hin. Ich schlafe lange, frühstücke ausgiebig. Waschtag! Herum gammeln!
Die mürrische Platzchefin bietet mir sogar an, mein Zelt in einer Waschhalle, die noch geschlossen ist, zum Trocknen auszulegen. Ich genieße die Ruhe um mich herum, kein Geschrei wie auf vielen anderen Plätzen! Dieser Platz ist ein Tipp für Menschen, die keine Hektik haben wollen und die Ruhe genießen möchten.
Ich werde hier noch bis Samstag früh bleiben, um dann wieder zu starten. Morgen soll der Regen etwas nachlassen und ich will dann mal ins kleine Fischerörtchen in der Nachbarschaft wandern.
Ab Samstag sind es noch vier Etappen bis nach Porto. Dort habe ich über Kontakte hier auf dem Platz mich in der Innenstadt in ein Appartement für 2 Nächte eingemietet. Bin doch mal gespannt, ob ich die Adresse zum Abholen der Schlüssel und zum Übernachten finden werde.

 

 

Freitag, 30.06.2017 (Camping Los Cantiles – immer noch faulenzen!)

 

Heute Nacht hat es immer noch sehr heftig geregnet und auch gestürmt. Ich habe auf dem Platz für einen Tag verlängert, denn so bringt die Fahrerei überhaupt nichts, außer Nässe und Frust! Nun muss ich in einen alten Wohnwagen umziehen, da meine Hütte ab heute fest gebucht ist – kein Problem, nur nicht die Sintflut unterwegs!! Das wäre ein Problem!
Nachdem es gegen Mittag endlich etwas aufklart, schaue ich mir zu Fuß die kleine Hafenstadt Valdes in der Nachbarschaft an. Eine typische nordspanische Hafenstadt mit sehr kleinem Fischerhafen.

 

Mittlerweile sind zwar viele Camper wegen des Regens abgereist, jedoch treffen auch vermehrt heute wieder welche hier ein. Alle haben gehört, dass das Wetter ab morgen besser werden soll – hoffen wir das Beste!! Da werde ich dann auch wieder starten!

 

 

Samstag, 01.07.2017 (Camp Los Cantiles bis Camp As Cabazas/Ferrol – 257 Km)

 

In dem alten Wohnwagen habe ich auch gut geschlafen, zumal es wieder leicht geregnet hat. Morgens packe ich alles zusammen und belade das Motorrad. 2 Deutsche, mit denen ich einen recht guten Kontakt hatte, sagen mir noch tschüs. Ich fahre erst einmal quer durch das Fischerstädtchen Valdes, um wieder die Küstenstraße zu finden. Von dort geht es dann zunächst immer Richtung Westen.
Gegen 10 Uhr werde ich nochmal richtig nass. Damit hatte ich echt nicht gerechnet, aber heute soll es ja nicht weiter regnen und so können meine Sachen unterwegs wieder trockenen. Immer mehr schaut die Sonne raus und immer mehr macht das Fahren Spaß! In langen Kurven geht es auf einer sehr gut ausgebauten Küstenstraße entlang des Atlantiks.


Als ich gegen 12 Uhr meine Mittagspause an einer wunderschönen Bucht mache, kommt ein deutsches Pärchen dazu und Er spricht mich wegen des Motorrades an. Er sei bis vor zwei Jahren auch sehr viel auf langen Touren unterwegs gewesen, jetzt habe er aber extrem Rückenprobleme und könne kaum noch längere Strecken mit dem Bike fahren. Wir tauschen uns aus, während seine Frau das Mittagessen macht – einen riesigen Italienischen Salat – und schon bin ich zum Essen eingeladen. Danke Winni und Lore, das hat echt gut geschmeckt, aber ich muss jetzt doch mal wieder weiter.

Ich fahre noch zum Leuchtturm von Ortegal (Faro de Ortegal), der einsam auf einer Landspitze in der wuchtigen See liegt. Zurück geht es auf einer einspurigen Küstenstraße, die im Verlauf sehr nahe der Abbruchkannte zum Meer liegt. Sie führt mich fast 35 Kilometer die Küste entlang. Ein wunderschönes Erlebnis. Spät nachmittags treffe ich dann auf meinem neuen Campingplatz ein Dieser soll ein kleines Paradies für Surfer sein. Die Dame an der Rezeption beherrscht kaum Englisch und so verhandeln wir mit Händen und Füßen – auch kein Problem!
Der Platz ist seltsam strukturiert, rechts rum ist fast alles gerammelt und gequetscht voll, links stehen sage und schreibe lediglich 5 Wohnmobile, wobei ich alle als Fahrzeuge von Surfern erkenne. Später erklärt mir ein junger Franzose, dass die Spanier nichts mit den Surfern zu tun haben wollen und daher lieber alle gequetscht wie im Hochhauswohngebiet aufeinander hocken. Ich schlage mein Zelt auf der „Surferseite“ auf.

 

 

Sonntag, 02.07.2017 (As Cabazas bis Camping Sisargas/Malpica – 121 Km)

 

Dieser Campingplatz ist von mir nicht zu empfehlen, die Toiletten sind mehr oder weniger verfallen und wie auch die Waschgelegenheit sehr ungepflegt – kein zweites Mal, zudem die „Spanische Kolonie“ gestern/heute bis nach 01 Uhr ein Grillfest lauthals gefeiert hat. Der Rest des Platzes war zwar auch eingeladen – gegen Beteiligung, versteht sich! – aber man macht es sich doch zu einfach!
Frühstück – ich will den Kocher anwerfen und urplötzlich entleert sich die Kartusche Gas mit einem lauten Pfeifen. Nun hat das alte Stück seinen Geist aufgegeben. Alle Rettungsversuche sind zwecklos, das Anschlussgewinde ist ausgeleiert und der Stift in der Mitte kann die Gaskartusche nicht mehr richtig aufstoßen. Er sitzt schräg und entleert einfach nur die Dose bevor diese vom Gewinde abgedichtet ist. Erst mal ohne Kocher – heute ist Sonntag! Halt kein Kaffee und nur ein Honigbrot!
Ich lasse mir die Laune nicht vollends vermiesen und starte gegen 10 Uhr zu meiner heutigen Tour, die recht kurz ist.
Zunächst fahre ich durch Ferrol, eine große Hafenstadt und siehe da, da ist doch wahrhaftig ein Haushaltswarengeschäft geöffnet! Ich halte an und mit Händen und Füßen kann ich erklären, dass ich einen kleinen Gaskocher benötige. Es sind ganze zwei Stück auf Lager und ich nehme davon den kleinsten!
Von Ferrol aus geht es immer an der Küste entlang - über Culleredo, eine fast nicht endende Stadt – ein Ort geht hier in den anderen über. Ich sehe nur Beton und Teer! Straßen, Straßen, Straßen! Ein Chaos, fast nicht mehr zu begreifen! Für jede Ministraße ist hier eine „Schnellstraße“ in den Sand gebaut worden. Was für eine Verschwendung und was für ein Unsinn!! Eine längere Strecke kann ich echt nicht sagen, in welchem Ort ich bin!

Im letzten Drittel wird die Strecke landschaftlich wieder interessant. Ich halte in Caion, einem wunderschönen alten Fischerdörfchen an und bewundere den Ort und die Landschaft.
 

So gefällt mir Spanien! Bisher ist mir aufgefallen, dass in Spanien wohl keinerlei Maß für Natur, Bauen und Straßen besteht. Naturschutz wird nur da „vorgetäuscht“, wo die EU das Geld dafür in den Sack legt. Die Gegend im Umfeld von Städten ist total zersiedelt, Industrie wird – so meine Erkenntnis bisher – unbedacht in die Landschaft „gepflanzt“.

Auf dem Campingplatz Sisargas sind die Anlagen gepflegt, die Sanitäreinrichtung ist recht neu und auch sehr gepflegt. Hier werfe ich, da ich schon gegen 15 Uhr angekommen bin, meine Wäsche mal in eine Waschmaschine – auch ein Erlebnis! Es gibt eine kleine Kneipe und ich werde heute Abend mal ausgiebig spanisch essen!!!!

 

 

Montag, 03.07.2017 (Sisargas bis Camp Orbitur Caminha/Portugal – 312 Km)

 

Bisher war das der angenehmste Platz überhaupt – das Team war gut eingespielt und sehr freundlich und der Platz war sehr schön aufgebaut.

ABER, heute geht es auch wieder weiter. Ich will Portugal erreichen. Im Gegensatz zu gestern findet die Tour heute überwiegend in der Natur statt. Ich fahre auch sehr kleinen Straßen, die zumeist nur einspurig sind. Immer an der Küstenlinie entlang. Nach gut 2 Stunden mache ich einen Abstecher und besuche den alten Leuchtturm Faro de Tourinan. Dieser liegt einsam auf einer Landspitze und ist der letzte Leuchtturm Richtung Amerika. Ich hole den Foto und will …….

 

JAAAAAA, der Akku ist leer, obwohl ich ihn gestern extra noch geladen hatte. Jetzt müssen die GoPro und das Handy als Fotoersatz herhalten. Ich hoffe ja nicht, dass der Akku des neuen Fotoapparates den Geist aufgegeben hat. Schade!

Weiter geht’s, ich fahre ins Küstengebirge und schraube mich über sagenhafte Straßen Richtung Süden, Richtung Portugal. Ich quäle mich noch durch die Innenstadt von Pontevedra und komme bald an den Grenzfluss Rio Meho. Seitdem sich die Portugiesen vor langer, langer Zeit von Spanien lossagten und sogar einen darauf folgenden Krieg gewannen, mögen sich die beiden Staaten nicht so sehr. Man sieht es an der uralten Grenzfestung auf spanischen Boden. Ich folge dem Fluss bis zu seiner Mündung und finde dort meinen Campingplatz. Er entspricht nicht unbedingt meinem Geschmack, aber es ist ja nur für eine Nacht! Morgen Mittag werde ich das Appartement in Porto suchen. Dafür muss ich von hier lediglich mal knapp 100 Kilometer fahren, aber mitten in die Innenstadt von Porto!

 

 

Dienstag, 04.07.2017 (Camp Orbitur Caminha bis Porto – 112 Km)

 

Jetzt bin ich in Porto, habe ein dickes Steak verschlungen und ein gutes Bier getrunken. Ich liege in meinem Appartement auf dem Sofa und fühle mich einfach nur wohl!!

 

Heute Morgen kroch ich erst gegen 08 Uhr aus dem Schlafsack und wunderte mich, dass rund um mich herum alles noch still war. Was ist hier los? Allein werde ich es nicht rausbekommen.

Ich gehe duschen und treffe einen jungen deutschen Surfer, der sich auch über die Stille auf dem Campingplatz wundert. Fragen, wenn jemand ansprechbar ist. Als ich fertig bin, will ich mein Weißbrot an der Rezeption holen und wundere mich, dass die noch geschlossen hat. Langsam wird mir die Sache aber komisch! Wieder am Zelt angekommen, lege ich mich noch etwas hin, bis es 09 Uhr auf meiner Uhr ist. So ganz langsam kriechen die Portugiesen aus ihren Zelten. Auch mein unmittelbarer Nachbar ist wach – gestern Abend haben wir noch ein Bier gemeinsam getrunken und uns soweit es ging über Motorräder unterhalten. Scheinheilig frage ich ihn nach der Uhrzeit. Er: „Ten past eight!“ Und dann noch zu mir: “you are very early today!“ Ich nuschel mir lieber irgendwas in meinen nicht vorhandenen Bart. Verdammt, haben die etwa eine andere Zeitzone hier? Ich schaue doch mal lieber mit meinem Handy ins Internet und siehe da: JA! Portugal hat, obwohl auch Sommerzeit umgestellt wurde, eine Stunde früher als wir. Das kann doch nicht sein – es kann und ist aber so! Ja, irgendwie müssen Sie sich ja von den Spaniern unterscheiden. Heimlich stelle ich dann auch meine Uhr um.

 

Nachdem ich alles so langsam zusammengepackt und mich bei meinem Nachbarn verabschiedet habe, geht es in Richtung Porto. Ich bummel die paar Kilometer und fahre durch eine übergangslose Gegend, man weiß nicht in welcher Stadt man ist, weil hier jeder Ort in den anderen übergeht. Knapp 20 Kilometer vor meinem Ziel beginnt das Umfeld der Stadt Porto. Industrie an Industrie und Häuser an Häuser gereiht.
Die Straße, in der ich den Schlüssel abholen soll, finde ich problemlos, nur wo ist diese Hausnummer 581? Nachdem ich mehrmals gefragt und mehrmals meine Duc gewendet habe, stelle ich die Maschine auf dem Gehweg ab und sehe kurz darauf ein Minischild mit der Nummer 581 und dem zutreffenden Namen.

 

Auf Klingeln öffnet eine Frau, die leider nur Französisch als Fremdsprache beherrscht, da ist sie ja bei mir gerade mal richtig. Mit Händen und Füssen erkläre ich, was ich möchte – sie begreift nicht! Nun meine letzten Französisch Kenntnisse – jetzt klappt’s doch noch. Mein Ausweis dazu und alles ist klar. Madame fährt ihren Pkw in der Tiefgarage zurück und bedeutet mir, mit dem Motorrad dorthin zu fahren. Ich entlade meine Sachen – soweit ich diese die nächsten beiden Tage in Porto benötige und Madam verfrachtet mich in ihren Kleinwagen und los geht’s. Sie fährt mich doch wahrhaftig ganze 500 Meter bis zum Appartement – Na, wenn das kein Service ist!?

Jetzt habe ich eingekauft und ein schönes Restaurant auf dem Weg gefunden. Der Wirt spricht zwar auch kein Deutsch oder Englisch, aber das Wort „Steak“ und „big“ versteht er recht gut. Das riesige und gut gegrillte Stück Fleisch, zusammen mit dem Bier, bringt mich wieder in den „Siebten Himmel“. Ich trinke noch ein zweites Bier und verabschiede mich dann. Ob ich morgen auch nochmals dorthin gehen soll?

 

 

Mittwoch, 05.07.2017 (Porto – zu Fuß unterwegs)

 

Ich muss mich zwingen aufzustehen. Das Bett als Unterlage ist keine Vergleich zur dünnen Luftmatratze, die ich im Zelt benutze – himmlisch!!

Schon kurz nach 09 Uhr mache ich mich auf die Socken – per Pedes quer durch die Stadt. Ich laufe durch Viertel, die recht verfallen und verlassen wirken. Ich habe gelesen, dass Porto seit der Finanzkrise viele Einwohner verlassen haben – die Industrieentwicklung hier ist eingebrochen und so sieht man viele verlassene Firmengebäude, aber auch viele leere Läden. Umso mehr ich in die Altstadt komme, umso bevölkerter sind die Straßen. Hier lohnt es sich noch einen Laden zu haben oder ein Geschäft mit Touristen zu machen. Das Herz der Stadt ist die Avenida dos Aliados. Sie führt zum Rathaus mit seinem Uhrenturm. Es grenzen eine ovale Barockkirche und der Turm von Clérigos an. Vom Turm hat man einen wunderbaren Blick über die Altstadt und die vielen Weinhäuser (Portwein!) in Vila Nova de Gaia. Leider ist es heute bedeckt und die Sonne hat sich noch nicht entschlossen, aus dem Bett zu steigen.
Ich schlendere durch das Labyrinth der kleinen Gassen im bekanntesten Stadtteil, Bairro da Sé. Dieser Stadtteil zählt auch zum Unesco Weltkulturerbe. Überall finden sich enge, steile Treppen, die vom Fluss in die Innenstadt hinauf führen. Hier pulsiert das Leben! Touristen und Einheimische drängen sich durch die engen Gassen. Ich erklimme die Höhe des Hügels Praca do Infante, auf dem das Standbild von Heinrich dem Seefahrer steht. In seiner unmittelbaren Nähe findet sich die Igreja de Sao Francisco, eine im Innern mit vielen vergoldeten Barockschnitzereien verzierte Kirche. Zum Schluss meiner Tour gehe ich noch auf die oberste Ebene (unten fahren Pkws, oben die Straßenbahn!) der sehr hohen Dom Luis I Brücke, um einige Fotos über den Fluss hinweg zu den immensen Portweinlagern und zur Altstadt zu machen.

 

Warum gibt es eigentlich keine Paläste oder sonstigen großen Profanbauten in Porto? Das hat mich während meiner Vorbereitung zu dieser Tour auch beschäftigt. Im Reiseführer ist nachzulesen, dass die Kaufleute in Porto – und hier wurde schon immer in der alten Zeit das Geld gemacht – waren so reich, dass sie sich erlauben konnten selbst dem König Widerstand in der Sache zu leisten – sie wollten nicht auch noch in IHRER Stadt regiert werden. Ihnen reichte es aus, wenn in Lissabon die Adeligen ihr kaufmännisch hart verdientes Geld dort „in den Tejo geworfen wurde“ – so heißt der dortige Fluss. Schon interessant!

 

Die Tour hat mich 6 Stunden ohne Langeweile verbringen lassen und ich denke mir, Mensch eine Portweinverkostung ist doch auch mal ein guten Abschluss. So begebe ich mich zu den Portweinschiffen auf dem Fluss Doura, die früher die Weinfässer über den Fluss in die Lager gebracht haben, jetzt aber auf Touristen warten, die eine Weinprobe durchführen wollen. Jedes Schiff gehört zu einem Vertrieb, wie Sandeman oder Ferreira, Calem …. . Ich lande bei Tayler´s wo ich dann gegen einen echt kleinen Obolus von 12€ mit vielen anderen Besuchern nach der Überfahrt, den Berg auf der anderen Seite in Vila Nova de Gaia wieder hinauf in die Lager geführt werde. Etwa eine Stunde lang werden wir mit vielen Erklärungen durch die Lager geführt und dürfen dann gegen Ende der Führung 6 Sorten ausgiebig probieren. Auch zu knabbern gab es etwas! Hat sich wirklich gelohnt!

So nun wieder zurück über den Fluss, dem ich morgen in Richtung Quelle ein großes Stück folgen werde. Ich marschiere wieder zum Appartement zurück. Hat sich richtig gelohnt, nicht zu zelten und hier unmittelbar in der Innenstadt zu wohnen! Der Tipp war Spitze!


UND wo komme ich nicht vorbei? – an „meinem Steakhaus“. Heute gibt es für die Anstrengungen nochmal ein dickes, fettes Steak!!!!!!

 

 

Donnerstag, 06.07.2017 (Porto bis Camping Pesquera/Ciudad Rodrigo (E) - 291 Km)

 

Leider muss ich mich von meinem schönen Appartement in Porto verabschieden. Ich schleppe meine Sachen zur Rezeption in der Nachbarstraße (Ist ein Guesthouse) und bekomme sofort den Key, um aus der Garage ausfahren zu können. Im Appartement habe ich mich sehr wohl gefühlt und werde bestimmt mit meiner Frau hier nochmal aufschlagen. Der Portwein gestern Nachmittag hat auch keine Kopfschmerzen verursacht und so kann ich mal schauen, wo der Wein angebaut wird.

Ich fahre in östlicher Richtung aus Porto und das Flusstal des Doura hinauf. Überall wird Wein angebaut, zum Teil auf extremen Steilhängen (- heißt, es muss mit der Hand angebaut und auch geerntet werden!). Nach einer guten Stunde bekomme ich wieder meine Morgendusche. Ich fahre einfach weiter, die Sachen werden schon wieder trocknen!

Irgendwann schraube ich mich aus dem Flusstal in die Berge, der Regen hört auf und ich kann die herrliche Landschaft und die vielen tollen Kurven ausgiebig genießen. Ich fahre durch ländliche Gebiete, ohne auch nur eine Stadt durchqueren zu müssen. Das ist schon anders, als an der Küste, wo ein Ort dem anderen folgte. Hier habe ich viele, viele Wälder – hauptsächlich mit Aufforstung des Eukalyptusbaumes. Ein Gebiet fällt mir besonders auf, hier muss vor Jahren ein riesiger Waldbrand gewütet haben und so ist kaum noch ein alter Baum zu finden. In den Bergen wurde ein Institut zur Waldaufforstung gebaut und so sieht man die verschiedensten Baumarten im Versuch hier in den Bergen wieder aufwachsen. Die Tour führt mich durch einen Canyon, in dem ich leider nicht halten und fotografieren kann, da keine Möglichkeit dafür besteht – die Straße ist einfach zu eng!! Aber auf der GoPro ist der Abschnitt festgehalten.

Gegen 14 Uhr fahre ich dann auf einem Höhenzug – noch in Portugal - Richtung spanische Grenze und sehe schon die Hochebene von Salamanca. Schon bin ich über die Grenze und lande dann hier in Ciudad Rodrigo auf dem Campingplatz, der leider kein Internet hat.


Nach dem Zeltaufbau geht es in die Festungsstadt – rundherum ist die Stadtmauer mehr oder weniger noch erhalten und die Innenstadt ist seit dem 13. Jahrhundert fast unverändert. Der Freiheitskrieg zwischen Portugal und Spanien, sowie Napoleon und der Einfall der Engländer in Spanien haben zwar ihre Spuren hinterlassen, aber noch steht Stein auf Stein. Eine wunderschöne alte Stadt, die einen tiefen Eindruck bei mir hinterlässt. Sehr interessant ist die Plaza Mayor mit der Stierglocke hoch am Rathaus. Diese wurde(wird) immer geläutet, wenn Stiere frei in der Innenstadt herumlaufen – zumeist während des Carnivals. Eine Arena wird dann, den gesamten großen Platz fassend, aufgebaut, um Kämpfe zu sehen.

Total abgeschafft gehe ich wieder zu meinem Zeltplatz und genieße den Rest des Abends mit einer Flasche Rotwein.

 

 

Freitag, 07.07.2017 (Camping Pesquera bis Camping Merida - 251 Km)

 

Tja, heute war an sich ein unspektakulärer Tag. In der Nacht hat es heftige Gewitter gegeben und auch der Regen ließ nicht auf sich warten. Heute Morgen war alles soweit wieder trocken, jedoch hingen die Wolken sehr tief und die Temperatur lag nur noch bei 13 Grad.

Ich fahre jetzt Richtung Süden über die Hochebene von Salamanca. Nach knapp 2 Stunden kommt der Abbruch der Hochebene und es geht auf guter Straße und in engen Serpentinen hinunter in die Ebene von Merida. Ab Caceres fahre ich durch eine gewachsene Tundralandschaft, Kühe weiden mitten in den Kieferwäldern und überall sind Wasserlöcher angelegt worden, um dem Vieh auch genug Wasser im Sommer zu sichern. Ich bin in der Extremadura!

Die Straße führt jetzt nur noch geradeaus, ab und an gibt es mal eine Kurve und man muss schon aufpassen, dass man nicht einschläft.

Die Extremadura ist eine Reise durch die Geschichte Spaniens. Römische Ruinen und mittelalterliche Orte sind hier zu finden. Viele alte Dörfer und verfallene Burgen stehen auf Hügeln weit abseits der Straße. Ich fahre durch Merida. Mit seinen knapp 60.000 Einwohneren hat es in der Innenstadt immer noch den alten Baustil bewahrt und erinnert mich mit seinen alten Gebäuden aus dem Mittelalter an meine gestrige Stadtbesichtigung in Ciudad.

Und dann stehe ich erst einmal unsicher vor dem mehr oder weniger leeren Campingplatz. Die Fläche sieht fast so aus, wie die Tundralandschaft, die ich zuvor durchfahren habe. Was soll´s, ist ja nur für eine Nacht! Wobei ich sagen muss, dass die Toilettenanlage pp. doch sauber und gepflegt ist.

 

Wieder KEIN Internet und so warte ich noch einen Tag, um die Berichte einzustellen. 

 

Jetzt muss ich doch noch ergänzen: Als ich dann gestern Abend von meinem Stadtbummel zurückkam, war mir gegenüber ein spanischer Ducati-Fahrer (Diavel) „eingezogen“ und saß mit seiner Frau vor seinem Wohnmobil mit Anhänger beim Abendessen. Er sprach mich gleich an und war total enttäuscht, dass ich doch diese „Weltsprache Spanisch“ nicht verstand. So kramte er sein bestes Englisch (eher saumäßig schlecht!!) raus, um sich mit mir zu unterhalten. Woher, wohin ….. . Seine Frau war wohl ungehalten, dass er sein Essen unterbrochen hatte und so lud sie mich auch mit an den Tisch, damit er während der Unterhaltung weiteressen konnte. Mir wurde gleich ein Glas Rotwein eingeschenkt und ich bekam auch gleich ein Weißbrot mit einem Stück Käse aus der Extramadura. Beides schmeckte echt gut zusammen. So saßen wir bestimmt bis nach 23 Uhr.
Bei der Abfahrt am heutigen Morgen bekam ich dann prompt ein großes Stück Käse eingepackt und musste noch eine Rotweinflasche in die Rolle quetschen – für heute Abend!

 

 

Samstag, 08.07.2017 (Camping Merida bis Camp Villson/Sevilla - 221 Km)

 

Ich habe kurz, aber gut geschlafen und stehe gemächlich auf, da die heutige Strecke nicht so lang ist. Nachdem Enrique mir die Geschenke noch überreicht hatte, musste ich gerade nochmal die Rolle öffnen – für den Käse und den guten Wein habe ich das aber gerne gemacht!!

Heute werde ich die Extremadura Richtung Süden verlassen. Man merkt schon nach wenigen Kilometern wie sich das Gesicht der Landschaft ändert, jetzt spielen hauptsächlich der Wein und die Oliven die Hauptrolle. Die Landschaft ist wohl schon vor langer Zeit kultiviert worden, da immer wieder römische Ruinen inmitten der Felder zu sehen sind – leider insgesamt aber wenig sehenswert und so fotografiere ich unterwegs kaum. Dann kommt so nach 100 Kilometern wieder ein Abbruch und es geht nun noch tiefer hinunter auf eine neue riesige Ebene, die ich dann auch bis kurz vor Sevilla nicht verlassen werde. Jetzt kommen noch sehr große Getreidefelder hinzu, die jedoch bereits abgeerntet sind. An vielen Stellen sieht man, dass Strohreste angezündet wurden und dann ganze Felder brannten. Scheint hier wohl so üblich zu sein.

Nun geht es über eine Mittelgebirgskette und schon von weitem kann ich die Großstadt Sevilla sehen. Mit fast einer Million Einwohneren ist die Stadt auch entsprechend ausgedehnt. Ich fahre mitten durch und bin echt froh, dass heute Samstag ist, wobei die Verkehrsführung sich komplett von dem nördlichen Chaos unterscheidet. Hier herrscht eine klare Linienführung mit mehreren Fahrspuren vor. Nachdem ich fast 20 Kilometer gebraucht habe, die Stadt zu passieren, finde ich auch schon meinen neuen Campingplatz, der auch Zimmer bzw. Appartements hat.
Meine erste Frage ist: haben sie auch Internet? – klar, haben wir! Das ist gut! Die zweite Frage ist nach den Kosten eines Appartements, da ich da meine Sachen sicherer bunkern kann, wenn ich die Stadt besichtige. Es ist kaum zu glauben, für 42€ bekomme ich ein großes, sauberes Zimmer mit Frühstück, Zelten hätte ungefähr die Hälfte gekostet. Diesmal geht es wieder in ein Zimmer, obwohl das Wetter schon gut ist.

 

Morgen werde ich mit dem Bus in die Innenstadt fahren, um diese - ohne Motorrad - intensiv zu besichtigen.

 

 

Sonntag, 09.07.2017 (Unterwegs in Sevilla)

 

Gleich nach dem guten und auch reichhaltigen Frühstück, das ich allein einnehme, da es sonst keine „Hotelgäste“ gibt, geht es zur Bushaltestelle ganz in der Nähe. Der Bus ins Zentrum von Sevilla kostet sage und schreibe 1,65€ und das bei einer Strecke von über knapp 20 Kilometern! Tja, das soll man nun verstehen! Wir bezahlen sicherlich fast das Zehnfache für eine solche Distanz im Nahverkehr bei uns!

 

Ich komme am Plaza de Espania an und besichtige das riesige palastähnliche Gebäude, das 1929 anlässlich der Exposicion Iberoamericana errichtet wurde. Es strotz und prunkt mit seinen für Spanien typischen Kacheln, auf denen alle Provinzen mit jeweiliger Karte und einer typischen Szene verewigt sind. Rund um das Gebäude ist ein Kanal angelegt, den man mit Booten befahren kann. Nebenan befindet sich ein riesiger Park, und das mitten in der Stadt.

Weiter geht es in die Innenstadt. Vorbei am Park Alcázar, vor dem sich eine lange Warteschlange aufreiht. Ich frage, wie lange wohl die Wartezeit bis zum Eintritt sei – knapp 2 Stunden wird mir gesagt. Das schenke ich mir dann, da ich eh unbedingt nochmal herkommen möchte. Nur nicht in der überlaufenen Hauptsaison!
Nebenan befindet sich die Kathedrale. Diese ist definitiv flächenmäßig eine der größten Kirchen der Welt. Man kommt außen, aber auch im Inneren aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Nachdem 1248 die Christen Sevilla wieder zurückerobert hatten, nutzten sie zunächst bis ins 15. Jahrhundert die dort vorhandene Moschee als Kirche. Als diese dann immer baufälliger wurde, beschlossen sie, die jetzige riesige gotische Kathedrale zu bauen. Nach 100 Jahren war sie dann fertiggestellt und muss für die damalige Zeit ein echtes  „Weltwunder“ gewesen sein. Im Innern befindet sich das Grab des Kolumbus (wurde durch DNA nachgewiesen!) Und jede Menge Kunst- (Schätze), die hier alle nicht aufzählen kann (einige Stichworte: Goya, Murillo …..).

Weiter geht es zur Alcázar Burg, die ich auch nur von außen besichtige (auch dort herrscht Stau!!). Sie entstand so um die 900 herum als damalige Festung für den Statthalter in Sevilla und wurde danach immer wieder erweitert. Noch heute ist Alcázar ein Königsplast. 1995 fand hier in der Kathedrale das Hochzeitsfest der Tochter von König Juan Carlos I. statt.
Der Palacio de Don Pedro befindet sich im Alcázar und gehörte einem Mann, der immer gute Beziehungen zum Emir von Granada (Stichwort: Alhambra) hatte. Das sieht man auch am Baustil – maurisch! Allein nur von außen ist dieses Bauwerk phänomenal anzuschauen.

 

Ich laufe weiter zum El Centro, es handelt sich um das Zentrum von Sevilla mit sehr vielen kleinen Straßen und Plätzen, auf denen man sich echt verlaufen kann – ich musste mich mit NavigationsAPP wieder hinausführen lassen.

Endlich am Rio Guadalquivir, dem Stadtfluss, wieder angekommen, konnte ich den Torre del Oro, einen Wachturm der Almohaden (Mohammedaner) aus dem 13. Jahrhundert, der in dieser Zeit noch mit goldenen Kacheln verkleidet war (daher auch der Name!), besteigen. Im Inneren befindet sich eine Übersicht über die geschichtliche Entwicklung der Stadt und von oben hat man einen tollen Blick über die Innenstadt.

 

Danach bin ich einfach nur platt und marschiere zur Bushaltestelle, von der ich wieder zurück fahren kann. Sevilla ist echt eine (auch nochmalige!!!) Reise wert!

 

 

Montag, 10.07.2017 (Camp Villson bis Camp Rio Jaro/Tarifa - 191 Km)

 

Ich fahre quer durch Andalusien, zunächst Richtung Cadiz und biege hinter Sacramento links ab. Überall in der Ebene werden Getreide und Beerenobst angebaut. Bei der Hitze muss es aber auch intensiv bewässert werden.

Über Espera, einer wunderschönen weißen Stadt, auf einem Berg gelegen, fahre ich wieder Richtung Süden. Die kleinen Straßen sind sehr gut ausgebaut und nur durch wenig Verkehr ausgelastet. Es macht richtig Spaß zu fahren, auch wenn es gegen 11 Uhr schon über 35 Grad sind. Hier macht sich mein Tuareg-Anzug mit Multibelüftung – obwohl schon recht alt – doch wieder mal bezahlt!

Als ich durch Vejer de la Fronterea komme, biege ich Richtung Tarifa ab, gleichzeitig ist auch schon Malaga ausgeschildert – von Gibraltar ist nichts zu lesen! Warum, erfahre ich auf dem Campingplatz – hier mögen sich deswegen weder die Spanier die Briten, noch umgekehrt – sie hassen sich wegen „der Besetzung“ von Gibraltar!

In Tarifa, auf dem Campingplatz Rio de Jaro, werde ich von einem griesgrämigen Inhaber empfangen und „abgearbeitet“ – ist ja nur für eine Nacht! Nach dem Zeltaufbau fahre ich gleich an den Hafen weiter und beschaue mir das im Dunst liegende, nur 15 Kilometer entfernte Afrika (Marokko). Der Hafen (komplett eingezäunt!) lebt nur von der Fährverbindung und das sehr intensiv! Innerhalt von 2 Stunden kommen zwei Fähren an und eine fährt ab. Es wird sehr aufwendig von der Grenzpolizei kontrolliert. Anders, als in Griechenland, während der Einreise von der Türkei vor 4 und vor 3 Jahren!!

 

Nachdem ich den Hafen, die kleine Innenstadt und die Festung fotografiert habe – Besichtigung ist zumindest bei der Festung nur einmal gegen 12 Uhr – fahre ich wieder auf den Campingplatz an den Strand.

 

 

Dienstag, 11.07.2017 (Camp Rio Jaro bis Camp Valle Niza Playa - 287 Km)

 

Ich komme bei der Abfahrt kurz ins Grübeln, habe ich doch schon meine fünfte Woche unterwegs begonnen.
Meine heutige Strecke führt mich zunächst an der Küste entlang Richtung Gibraltar. So fahre ich bis zur Bay of Gibraltar und biege dann Richtung Landesinnere, zum Gebirge hin ab. Die Küstenstraße ist sehr stark befahren, wobei die kleine und gut ausgebaute Bergstraße kaum ein Fahrzeug zeigt. Ich schraube mich die Berge hinauf, vorbei an alten Korkeichen, die bestimmt schon hunderte von Jahren geschält wurden und streife die schöne Provinzstadt in Weiß, Castellar de la Fronterra. Die doch sehr kleinen Provinzstraßen werden nun schlechter und ich mich doch sehr konzentrieren, um nicht in einen Randabbruch oder in eine riesige Querrinne der Straße zu kommen. Hier in der Einsamkeit wollte ich keinen „Abflug“ machen! Hier fahren nur die Einheimischen und aus diesem Grund werde ich auch in fast jedem Dorf, das ich durchfahre, langanhaltend bestaunt.

Ich streife die Stadt Ronda und durchfahre in die Sierra de las Nieves, ein wunderschönes, aber sehr karges Berggebiet, das mit vielen Canyons durchklüftet ist. Schon befinde ich mich bei El Burgo, im Hinterland von Marbella. Nach Marbella will ich aber nicht hin! Ich verlasse die Berge und fahre Richtung Malaga, wo ich mich trotz Navi erst einmal auf den vielen Schnellstraßen verfahre. Macht nichts, viele Wege führen nach Rom. So nehme ich dann doch noch die Küstenstraße bis Los Arquillios, östlich von Malaga. Hier liegt mein Campingplatz in der Hitze.

Heute habe ich meine Fahrt extrem genossen, besser und schöner kann man auch nicht in den Alpen fahren!!

 

 

Mittwoch, 12.07.2017 (Camp Valle Niza Playa bis Camp La Lomas /Granada - 142 Km)

 

Die Küste ist, so glaub ich, nicht so mein Ding. Als ich gestern Abend noch am Strand saß, es war gegen 21 Uhr noch brütend heiß, dachte ich so, dass ich mich doch lieber in den Bergen aufgehoben fühle. Hier hocken alle wie die Hühner auf der Leiter, eng zusammen und „freuen“ sich der doch so tollen Küste (das Wasser ist erheblich verdreckt!!). Ist nicht mein Ding! Lieber eine kleine Bucht, inmitten von Felsen und Natur (ohne den Dreck der Wohlstandsbevölkerung im Wasser!)!

Kühle wollte in der Nacht nicht so eintreten und ich wachte mehrfach auf, da ich total durchgeschwitzt war. Ich zog den Start morgens ziemlich lange hin und so kam ich dann erst gegen 10.30 Uhr endlich „in die Pötte“.

Entlang der Küste - knapp 30 Kilometer -,dann aber ganz schnell landeinwärts und in vielen Kurven die Berge hinauf. Kühler war es da zwar auch nicht, aber mir machte das Fahren extrem viel Spaß und so bemerkte ich fast gar nicht wie ich kurz vor Granada stand.
Die Luft scheint nur noch so zu flimmern – es sind 42 Grad im Schatten und ein leichter Sandsturm machte das Land kaum noch erkennbar. Alles sieht man nur noch schemenhaft!

Zuvor habe ich unterwegs eine intensive Landwirtschaft beobachtet, die sich hauptsächlich auf Salat, Buschobst und Mandeln ergeht. Sehr wenige Kornfelder sind noch zu finden und alle sind bereits abgeerntet!
Im Bereich von Granada lasse ich sehr schnell meinen Entschluss fallen, die Alhambra doch wenigsten von außen zu fotografieren – man hätte sie vermutlich nicht erkannt. Ich komme ja in einem Frühjahr wieder!
Gestern Abend gab mir noch jemand den Tipp, doch einfach weiter über Granada hinaus, Richtung Sierra Nevada zu fahren, dort sei ein toller Campingplatz. So ist es – hier habe ich mich in dieser Hitze für 2 Tage in einer Blockhütte mit Klimaanlage eingebucht. Trotz Hochsaison immer noch erschwinglich – 60 €! Das Zelt würde 34 € kosten. Bequemlichkeit siegt – Hier gibt es auch ein gutes Restaurant!!!

 

Ich wollte an sich mehr über die „Fahrkünste der Spanier“ loswerden, will es doch zunächst mal bei kurzen Sätzen lassen. Sie können zumeist jedenfalls einfach kein Auto fahren!!!!!!! Im Ortsinneren fahren sie mit 20 – 30 Stundenkilometern und halten an, wenn sie nicht mehr weiterwissen – egal wo und wann!! Außerorts haben sie einfach nur Angst 80 - 90 Stundenkilometer zu fahren und bewegen sich als Verkehrshindernisse durch ihr Land!!!

Jetzt bin ich meinen Fahrfrust einfach mal los!!!!!

 

 

Donnerstag, 13.07.2017 (Camping La Lomas - Wanderung in der Sierra Nevada)

 

Meine Blockhütte ist gut gepflegt und die Klimaanlage wird bei diesen Temperaturen (wir haben derzeit 43 Grad!) wirklich benötigt. Ich habe mein Abendessen im sehr guten Restaurant nebenan bestellt und der Wirt sollte mir „una cerveza“ bringen – ich bekomme ein eiskaltes Erdinger!!!! von ihm mit einem tiefgründigen Schmunzeln auf den Tisch gestellt. Mein Essen schmeckt spitze – der Platz und das Lokal sind ohne Vorbehalte auch für längere Aufenthalte zu empfehlen! Abends, nachdem es etwas abgekühlt hat, sitze ich mit einem Glas Rotwein noch lange vor meiner Hütte und genieße mein Leben in vollen Zügen!

Meine Hüttennachbarn sind zumeist Spanier, aber auch ein Franzose ist dabei. Dieser ist sehr interessant: Er schwärmte gestern Abend von vielen tollen Hicking-Touren in der Sierra – „ABER es ist ja viel zu warm“: so seine Frau zu mir! Er gibt mir dann doch noch die GPS-Koordinaten für eine Tour und heute Morgen breche ich um 08.30 Uhr allein auf. Ich habe 3 Liter Wasser mit und denke, dass ich damit gut auskommen werde. Der empfohlene Gipfel ist über einen langen, gewundenen Bergpfad zu erreichen, kurz vor dem Gipfel muss man noch ein Stück durch den Fels klettern. Oben angekommen wird man für die Mühen und das Schwitzen mit einem tollen Rundblick und einem alten, schwer verfallenen Kastell belohnt. Das Kastell hatten die Mauren damals angelegt, um die Flanke von Granada zu sichern! Wann und wie es zerstört wurde, kann ich leider nicht herausfinden.

Ich sitze recht lange oben am Gipfel im Halbschatten und lasse es mir gut gehen! Die Menge Wasser braucht man bei der Tour wirklich, denn als ich wieder aufbreche habe ich nur noch einen Liter. Unterwegs war ich während des Anstiegs schon auf eine kleine Quelle gestoßen und habe mir 2 Hüte voll Wasser über den Körper gegossen – ich war pudelnass, aber es tat sehr gut. Auf dem Rückweg nochmal das gleiche!

 

In meiner kleinen Hütte wieder angekommen, wird geduscht und ich wasche noch die durchgeschwitzten Sachen. Wer weiß, was morgen für Möglichkeiten gegeben sind – hier ist alles geradezu ideal! Man kann in einem kleinen Laden einkaufen, im Restaurant essen gehen oder auch nur selber etwas in seiner Hütte zubereiten. Der Waschblock für die Camper, den ich ja nicht benötige, ist sauber und gepflegt, überall ist auch heißes Wasser vorhanden. Momentan duscht man hier aber doch lieber mit kaltem Wasser!!!!

 

Morgen fahre ich quer durch die Sierra Nevada zu einem knapp 300 Kilometer entfernten Naturcampingplatz.

 

 

Freitag, 14.07.2017 (Camp La Lomas bis Cam Hoyo De Los Pinos/La Bolera - 281 Km)

 

Heute war die Durchfahrt durch zwei Sierras geplant: zunächst die Sierra Nevada und dann die Sierra de Baza.

Gegen 09.30 Uhr fuhr ich am Campingplatz los und musste mich zunächst Richtung Granada halten, fuhr jedoch vor der Ortseinfahrt hinauf in die Berge der Sierra Nevada. Wieder fuhren auf der gleichen Wegstrecke viele Radrennfahrer und ich kam aus dem Staunen nicht raus, wie die diese extremen Steigungen meisterten. Hut ab!
Die Sierra Nevada ist ein extremes Bergland, das sehr karg und zerklüftet ist. Die Straße führt in engen Kurven zunächst bis auf 2000 Meter hinauf und dann in langen Kurven Richtung Almeria wieder hinunter. In Höhe des kleinen Ortes Nevada bog ich jedoch links, Richtung Osten – auf Benecid, ab. Ab hier schraube ich mich wieder in die Sierra hinauf und genieße die engen Kurven und die tolle Aussicht. So fahr ich gleich zwei Mal durch die Sierra Nevada. Interessant sind hier die Schilder, die vor Eisglätte warnen – und das bei 38 Grad! Denke, dass das im Winter schon angebracht ist.

Nun geht es extrem nach Abla in eine Tiefebene hinunter. Gott sei Dank, die Straße ist hier sehr gut ausgebaut. Im Winter kann ich mir das schon sehr interessant vorstellen. Die gesamte Tiefebene ist ein Windloch und so sind hier hunderte von riesigen Windrädern aufgestellt. Der Seitenwind durch das Tal ist sehr heftig und die Windräder drehen sich auch entsprechend schnell.

Als ich jetzt zur Sierra de Baza wieder hinauffahre, bemerke ich wie die Straße immer schlechter wird – kein einziges Fahrzeug begegnet mir dann über eine Strecke von fast 80 Kilometern. Viele Schlaglöcher, Rollsplitt und Seitenwellen begleiten mich über die gesamte Strecke durch diese Sierra. Die Landschaft ist wunderschön und der Blick ginge bestimmt über hunderte Kilometer weit, wenn es nicht so diesig wäre. Die Sierra des Baza ist wesentlich kleiner als die Sierra Nevada und so komme ich verhältnismäßig schnell durch dieses Berggebiet. Hier sehe ich auch zum ersten Mal Adler in der Luft!

Nun geht es wieder durch eine Tiefebene – mit entsprechender Hitze -, um wieder in eine Sierra einzufahren. Die Sierra Castril. Doch hier am Rand werde ich meine Tour erst einmal wieder unterbrechen und mein Zelt aufschlagen.

Heute bin ich auf den Straßen einige Male gerutscht, da der Asphalt hier durch Beimischung von Marmor sehr glatt ist. ABER, Spaß hat es heute auch wieder gemacht! Ich war fast nur auf engen, kleinen Provinzstraßen unterwegs und Kurven gab es bis zum Abwinken!

Hier ist wieder mal so ein schlechtes Internet, dass die Seite nicht hochladen werden kann, dann halt morgen oder übermorgen!

Nachtrag: Als ich mich dann so gegen 23 Uhr in den Schlafsack verkriechen wollte, war rund um mich herum immer lautes Geschrei der Kinder und die Erwachsenen hatten sich die Bänke und Tische in der Umgebung gesucht, um noch die eine, wohl auch noch andre Flasche Wein zu trinken – bis 01 Uhr trat absolut keine Ruhe ein. Notgedrungen setzte ich mich draußen vor das Zelt und freute mich über den tollen Sternenhimmel.

 

 

Samstag, 15.07.2017 (Camp Hoyo De Los Pinos bis Camp Kiko Park Rural 385 Km)

 

Hätte nie gedacht, dass ich so früh wieder wach bin. Gegen 06.30 Uhr hatte ich ausgeschlafen und „drehte nun den Spieß um“, ich duschte gleich und machte mich fertig. Glaube, so ein Stück muss ich noch üben, an den Krach von gestern Abend kam ich nicht ran! Ich war eher fast geräuschlos!

Um 08.30 Uhr war ich dann abfahrtbereit, jedoch war das Tor zum Platz noch nicht geöffnet. Ich hatte einfach keine Lust, noch bis 09 Uhr zu warten und fuhr dann aus dem Lieferantenausgang, der über Nacht offengelassen worden war, raus.

Gleich ging es mit der Straße wieder in luftige Höhen. Die Sierra Castril kann gut und gern mit der Sierra Nevada mithalten – tolle Berge, zerklüftete Schluchten und tolle, kleine Sträßchen mit ebenso tollen Kurven!!!! Das ist ja ein guter Einstieg heute Morgen, so kann es auch weiter gehen. Als ich diese Sierra durchquert hatte, musste ich meine Meinung , was die Mitte Spaniens angeht, erheblich revidieren – hier ist es genauso schön oder noch schöner, als in den Pyrenäen! Die größte Überraschung war die Festung des Passes in Segura de la Sierra(der Name sagt eigentlich schon alles!). Man kommt um eine Kurve und steht urplötzlich vor einer riesigen Bergfestung, die den Pass, den man durchqueren möchte, komplett verschleißt. Toll! Nun durchs riesige Tor und schon bin ich im Ort, der sich regelrecht an den Berg schmiegt.

Jetzt fahre ich Serpentine, um Serpentine wieder hinunter in die Hochebene, die ja immer noch so bei 1400 Metern liegt! Jetzt geht es über breite, kerzengerade Straßen Richtung Zaragossa. Ich fahre an Vianos vorbei und muss mich mehr oder weniger fast 200 Kilometer zusammenreißen, dass ich auf diesen geraden Straßen nicht einschlafe. Irgendwann gegen 16 Uhr ist das dann auch geschafft und ich finde meinen neuen Campinplatz Kiko Park Rural, der allerdings sehr steinig ist. Die Heringe spare ich mir! Ist ja kein großartiger Wind, das Zelt wird schon nicht wegfliegen. Hier bleibe ich dann mal für 2 Tage, da ich mich entschlossen habe, Sargossa bei der Hitze nicht zu besichtigen!

 

 

Sonntag, 16.07.2017 (Camp Kiko Park Rural - 0 Km)

 

Heute steht ausruhen, gammeln und schwimmen auf dem Programm. Muss auch mal sein!

 

 

Montag, 17.07.2017 (Camp Kiko Park Rural bis Saragossa - 304 Km)

 

Gestartet wird schon sehr früh, gegen 08.30 Uhr, da ich ja Saragossa noch besichtigen möchte. Ich fahre recht zügig auf den zumeist über sehr lange Kilometer hin, geradeaus gebauten Nationalstraßen Richtung Saragossa. Gegen Mittag kämpfe ich wieder mal mit der Müdigkeit – die Nachbarn (insbesondere deren Kinder haben wieder bis gegen 01 Uhr herumgetobt und sich absolut nicht an die Nachtruhe gehalten. Kurz nach 01.00 Uhr bin ich zum ersten Mal in diesem Urlaub aufgestanden und habe „den verblüfften Alten“ in klaren englischen Worten erst einmal die Nachtruhe „erklärt“. Unmittelbar danach kehrte dann endlich auch die ersehnte Ruhe ein.

Ich wollte wirklich nicht in Spanien oder gar bei oder mit Spaniern wohnen!!!!! Die sind mir einfach nur zu undiszipliniert und deutlich zu laut! Passt wieder nicht zum „langsamen und unsichererem Fahrstil“ der meisten Spanier, da sind sie wie die Berner: unbeweglich und träge! Hoffe nicht, dass ich damit irgendjemand zu nahe trete!??

 

Schon gegen 14.00 Uhr kam ich im Hotel, in der Innenstadt, an. War auch ein Tipp von Mitcampern vor einigen Tagen! Ich checkte ein, duschte und schon ging es los:

Aus touristischer Sicht kann Saragossa zwar nicht mit Städten wie Sevilla oder Barcelona konkurrieren, hat aber durchaus die eine oder andere Sehenswürdigkeit zu bieten. Das Stadtbild ist recht modern, im Stadtkern liegt die Altstadt (casco viejo). Wie in einigen spanischen Städten verfällt der historische Stadtkern zusehends, da viele Einwohner Saragossas aus der Innenstadt in modernere Wohnanlagen am Stadtrand gezogen sind.

Nach der Basilica del Pilar ist noch der Aljafería-Palast beeindruckend. Er wurde im 11. Jahrhundert, in der Zeit der muslemischen Besetzung Spaniens, erbaut. Später wurde er von den Königen Aragoniens genutzt und ab 1488 mit reich dekorierten Räumen erweitert. Danach wurde eine Kaserne eingerichtet. Heute wird er als Sitz des Regionalparlaments von Aragonien und als Museum verwendet. Der Aljafería-Palast ist das einzige umfangreich erhaltene maurische Bauwerk in Saragossa.

Nicht weit von der Basilica del Pilar, die auf der Plaza del Pilar, angrenzend an den Fluss Ebro steht, liegt die Börse (La Lonja). Ein um 1541 erbauter, walmdachgedeckter Block, dessen Innenraum eine hohe Halle bildet, in dem schlanke Renaissancepfeiler ein spätgotisches Rippengewölbe tragen. Auf der alten Stadtmauer wurde 1909 die Markthalle im Stil des Historismus errichtet. Von außen schaute ich mir noch das Goya-Museum und das Museo del Teatro Romano de Caesaraugusta (röm. Herrscher Augustus) an.

Interessant sind zudem sicher die vielen immer noch benutzten Wohnhöhlen des im Norden gelegenen Stadtteils Juslibol, die ich jedoch nicht besichtigt habe. 

Meinen Stadtrundgang schloss ich dann mit einem Bummel durch die Altstadt, in der auch sehr vielen Tapas- Bars liegen. In zwei dieser Bars kehrte ich noch zu dem einen oder anderen Bier und verschiedenen kleinen Tapas ein. Jetzt bin ich aber echt hundemüde!

Morgen geht es zur Erholung in die Pyrenäen! Maurice wird dann schon für Ruhe sorgen – so kenn ich ihn!

 

 

Dienstag, 18.07.2017 (Saragossa bis La Pueblo de Roda/Pyrenäen - 174 Km)

 

Es wird lange – ohne Störungen – geschlafen und dann fast ebenso lange gut gefrühstückt. Gegen 10.00 Uhr ist da Motorrad so langsam komplett verladen und ich kann starten. Erst mal geht es quer durch Saragossa und über den Ebro. Kein Problem, die Verkehrsführung ist sehr angenehm, nur die vielen unkoordiniert schaltenden Fußgängerampeln nerven heftig. Ob die Berater aus Darmstadt hatten??

Außerhalb von Saragossa werde ich wieder über Nationalstraßen Richtung Pyrenäen geführt. Die Fahrt verläuft ohne Probleme und ich bin schon gegen 14 Uhr vor meinem kleinen Landgasthaus in Pueblo d Roda, wo ich Maurice – der natürlich noch nicht dort ist!!! – treffen will. Ich krame meine 2 Sätze in Spanisch hervor, aber eine junge Dame beherrscht Englisch und empfängt mich sehr herzlich. So kann ich mir eine riesige Blamage ersparen. Die Chefin checkt mich ohne weitere (erläuternde) Worte, die ich eh nicht verstehen würde!! – ein.

Gegen 16.00 Uhr ist Maurice dann da und ist total verwundert, dass ich schon mit einem Bier vor dem Hotel sitze.

Heute Abend gibt es erst mal ein „Wiedersehensessen“ und 3 – 5 Bier! Morgen wird gewandert – habe ich einfach mal so entschieden. Maurice würde am liebsten sofort wieder Motorrad fahren, aber er soll sich auch mal körperlich betätigen!! Wir werden den uralten Bergort Roda D´Isabena erwandern. Die darauffolgenden 2 weiteren Tage kann er mir „seine“ Pyrenäen mit dem Motorrad dann näher bringen!

 

 

Mittwoch, 19. bis Freitag, 21. 07.2017 (La Pueblo de Roda und Rundfahrten in den Pyrenäen)

 

Am Mittwoch sind wir zu Fuß(!!!!!) ca. 19 Kilometer in der näheren Umgebung gewandert und haben uns Roda de Isabena, eine uralte kleine Bergstadt, aus dem zehnten Jahrhundert angeschaut. Der Ort hat sich fast unbeschadet über die Zeiten gerettet und hat nun das Leiden einer „Museumsstadt“ inne – jungen Leute wollen dort nicht mehr leben, sie möchten nicht als Ausstellungsstücke angesehen werden, so übersetzt Maurice von einem älteren Herrn. Die Alten interessiert dies nicht, sie haben sich mit dem Status arrangiert! Roda stand in der Front gegen das islamische Königreich von Lérida (auf dem Weg Richtung Granada!). Im Jahr 1006 wurde Roda von den Mauren erobert und zerstört, aber schon wenige Jahre später von den Spaniern wieder zurückerobert.

Die Stadt ist toll anzuschauen, ich selber wollte dort aber auch nicht wohnen. Man lebt wirklich in einem Museum!

Von der Stadt aus wandern wir weiter zu einer ebenfalls uralten Brücke - viele Höhenmeter unterhalb der Stadt, über den Rio Isabena. Die Brücke verband die Stadt mit einem Handelsweg, der aus Frankreich über Saragossa nach Granada führte. Nun ist der alte Handelsweg ein Fernwanderweg – hier entlang des Flusses mit den tief eingeschnittenen Canyons. Jetzt weiter dem Flusslauf, Richtung Quelle folgend und dann wieder dem Berg hinauf nach San Esteban del Mall – einem kleinen Bergdorf. Kaum sind wir oben, wieder hinunter nach Pueblo de Isabena – und zu unserem Gasthaus zurück. Die Gegend ist bestimmt auch für Geologen interessant, weil hier die verschiedensten Gesteinsformationen zu bestaunen sind.

 

Am Donnerstag geht es mit dem Motorrad zur Rundtour durch das Valle de Aran, eine wunderschöne Strecke.

 

Der Freitag ist ganz Maurice kreativen Ideen gewidmet, er findet kleinste Bergdörfer auf Schotterwegen und ich habe - Gott sei Dank! - meine Koffer an meiner Maschine abmontiert – es ist spitze zu fahren! Erlebnis pur!

Leider trennen sich unsere Wege ab Samstag wieder. Er fährt noch mit mir zusammen bis über die französische Grenze, wird dann aber wieder Richtung Westen abbiegen, um über Bordeaux nach Hause zu fahren. Ich werde für zwei Tage nach Carcassonne fahren.

 

 

Samstag, 22.07.2017 (La Pueblo de Roda bis Carcassonne - 338 Km)

 

Maurice und ich verzichten auf das Frühstück, das es leider immer nur ab 09 Uhr gibt (die sind darin leider total unflexibel!!) und wir starten kurz nach 08.00 Uhr, um die schöne Zeit des Morgens in den Pyrenäen noch genießen zu können.

Zunächst fahren wir Richtung Vielha, um jedoch hinter Castarné auf die N260 Richtung Osten abzubiegen. Hinter El Pont de Suert können wir uns im Kurvenrausch ergehen, wir schrauben uns auf über 2000 Meter hinauf – eine echte „Rennstrecke!!“

Die N 260 verlassen wir erst, als wir nach Norden auf die N 145 stoßen, um durch Andorra zu fahren. Die Idee war zweifellos gut, aber die Umsetzung fand dann im Stau statt. Lange, lange Schlangen ringelten sich Richtung Andorra, damit die spanischen Papas und Muttis samstags dort einkaufen gehen können. Dafür können die doch schon früh aufstehen!!

 

Uns reichte es und wir ringelten uns am Stau entlang, mal links überholen, mal rechts!! Es kostet uns fast eine komplette Stunde, NUR, um durch Andorra zu fahren. Als wir endlich durch waren, wechselten wir in Frankreich – keinerlei Kontrollen fanden statt und überall sah man viele Nordafrikanern zu Fuß über die grüne Grenze laufen. Das ist Europa! Immer noch werden die Augen verschlossen und der Strauß steckt seinen Kopf in den Sand!!!!!!!

Bei Ignaux trennte sich Maurice von mir, da er ja wieder Richtung Heimat musste –

Danke, es waren ein paar schöne Tage und das Wiedersehen nach solch langer Zeit einfach nur gut!

 

Jetzt ging es für mich auf der D 613 weiter – auch eine schöne, kurvige Strecke. DOCH, was sehe ich im Rückspiegel, ein Fahrzeug der Gendarmerie mit Blaulicht und Einsatzhorn. Ich mache besser Platz, damit die vorbei können. Ja, die fuhren vorbei und hielten aber unmittelbar vor mir –„Fahrzeugpapiere“ auf Französisch! Der Streifenführer grinst vor sich hin, die beiden anderen unterhalten sich intensiv und schnell – ich verstehe sie nicht! Nun zeigt der Jüngere lachend auf den IPA-Aufkleber an meinem Koffer. Den habe ich im Fernglas gesehen!“ Wo willst Du denn hin?“ Ich lege auch meinen IPA-Ausweis in die Hand des Streifenführers, der nun richtig anfängt, los zu lachen. „Haben wir Dich nervös gemacht?“ NÖÖÖÖ! Wir unterhalten uns noch eine Weile auf Französisch und wo wir nicht weiterkommen in Englisch. Ärmelabzeichen werden ausgetauscht und schon wieder erhalte ich einen Tipp für eine tolle Strecke kurz vor Carcassonne. „Fahre ja nicht zu schnell!“

Und schon geht es weiter – nach Carcassonne. Hier bleibe ich für die nächsten zwei Tage. Ich möchte die Mittelalterstadt mit ihrer Festung eingehend besichtigen.

 

 

Sonntag, 23.07.2017 (Carcassonne - Besichtigung)

 

Wie war das noch, zunächst mal in Auszügen die Geschichte der Stadt:

Die ältesten Spuren (6. Jh. v. Chr.) wurden auf dem Gebirgsvorsprung gefunden, auf dem heute die befestigte Altstadt steht. 122 v. Chr. eroberten die Römer das Gebiet der Provence und des Languedoc. Sie befestigten das „Oppidum“, das den Namen Carcaso erhielt. Die Römer beherrschten die Region von Carcassonne bis in die Mitte des 5. Jh. n. Chr.

Danach eroberten die Westgoten Spanien und das Languedoc. Die Stadt blieb von 460 bis 725 in ihren Händen.

Im Frühjahr 725 nahmen die Sarazenen die Stadt in Besitz. Sie wurden dann von den Franken knapp 50 Jahre später wieder vertrieben. Nach dem Tod Karls des Großen begann mit der Aufteilung des Frankenreichs die Zeit des Feudalismus. Im 11. Und 12. Jahrhundert gelangte die Stadt zu einer ansehnlichen Blüte (Lage der Handelswege!).

In dieser Zeit der Prachtentfaltung breitete sich die religiöse Bewegung der Katharer rasch aus. Das war natürlich dem Papst in Rom lästig und 1209, nach einer fünfzehntägigen Belagerung, war dann alles zu Ende. Die Stadt und die Ländereien von Carcassonne wurden dem militärischen Sieger des Kreuzzugs, Simon de Montfort, zugeschlagen; 1224 werden sie dann an den König von Frankreich abgetreten.

Der Einsatz neuer Kriegstechniken (Schießpulver und Kanonen) und vor allem die größere Entfernung zur französisch-spanischen Grenze seit dem Pyrenäenfrieden aus dem 17. Jahrhundert führen zu einer allmählichen Aufgabe der eigentlichen Festung.

Im 18. Jahrhundert ist sie nur noch ein verarmtes und abgelegenes Viertel der Stadt, die durch Weinhandel und Tuchherstellung zu Reichtum gekommen ist.

Nur durch die gemeinsame Initiative von Jean-Pierre Cros-Mayrevieille, eines Gelehrten aus Carcassonne, des Schriftstellers Prosper Mériée und des berühmten Architekten Viollet-le-Duc konnte die Altstadt (Cité Medievale) im 19. Jahrhundert vor dem Abriss gerettet werden, sie wurde über lange 35 Jahre restauriert und somit zur am besten erhaltene Festungsstadt Europas (Weltkulturerbe!).

 

Ich bin sehr früh unterwegs. Um 10.00 Uhr öffnet die Zitadelle der Cité Medievale und ich begebe mich wie hunderte anderer Besucher auf Entdeckungstour. Ich habe mir einen Audioguide genommen und bewege mich von einer Station zu nächsten. Die Restauration und damit verbunden die Geschichte der Mittelalterstadt wird sehr anschaulich beschrieben. Allein in der Festung bin ich über 3 Stunden unterwegs, schaue mir danach noch die inneren und äußeren Wallanlagen mit ihren uralten Türmen (gehen bis auf die Römerzeit zurück!) an. Die Stadt in den Mauern ist natürlich touristisch mehr als erschlossen und so interessieren mich eher die alten Häuser und Anlagen. Nachdem ich in der Cité Medievale, das ist der mittelalterliche Stadtteil, der in den Stadtmauern liegt, ausgiebig besichtigt habe, wandere ich in die Neustadt hinunter und überquere dabei den Fluss L Aude mit seiner uralten Brücke Pont Vieux(14. Jahrhundert).

Die Neustadt hat leider nur noch wenig historische Gebäude zu bieten (La Bastide, Cathedale Saint Michel..), dafür kann man aber zum nächsten Weltkulturerbe laufen – den Canal du Midi, dieser verbindet Toulouse (über dem Fluss Garonne) mit dem Mittelmeer und damit den Atlantischen Ozean mit dem Mittelmeer – und das seit dem 17. Jahrhundert!!

Allein die Mittelalterstadt und der Kanal sind schon eine Reise hierher wert – ich werde bestimmt nochmal hierher kommen.

 

 

Montag, 24.07.2017 Carcassonne bis bis Camp Florac - 297 Km

 

Irgendwie habe ich die Nacht nicht so gut geschlafen, daher stehe ich auch schon sehr früh auf, frühstücke und packe das Motorrad. Es regnet aus Gießkannen!

Carcassonne verlasse ich über die D 620, eine recht schmale, aber gut ausgebaute Straße Richtung Nordosten. Ich durchquere den Nationalpark Du Haute Languedoc über die D 52, die 607, dann die 32 - alles kleine kurvige Straßen. Wenn doch der Regen nicht wäre!!!!

Auf der Hälfte der Strecke klart es auf, ich verpacke meine Regensachen wieder - voller Hoffnung! Tja, so ist das halt!! Hinter der nächsten Bergkette ist es schwarz wie die Nacht! Ich tanke noch schnell und springe dann erneut in „meinen Regenkondom“, bevor es schon wieder wie aus Kübel schüttet.

Mein Gott, was könnte diese Tagestour schön sein! Jetzt kommt heftiger Seitenwind hinzu und ich muss mich doch sehr konzentrieren. Das Tal der Tarn, dem ich jetzt über Millau folge, ist wenigstens etwas windgeschützt. Ab Millau folge ich der kurvigen D 991 in die Cevennen – Kurven, Kurven, Kurven – jetzt auch mit Rollsplit und Kuhdreck bestückt. Im Nassen ist das „äußers angenehm“, ersetzt mehr oder weniger Schmierseife!

 

Ich komme über die D 907 ins Tal nach Florac. Es regnet immer noch sehr stark und ich nehme mir ein Bungalowzelt, damit ich meines nicht im Regen aufbauen muss. Mittlerweile habe ich den Trick raus und bekomme diese Dinge jeweils zum halben Preis – auch ein Tipp von einer Reisebekanntschaft! So bezahle ich hier lediglich minimal mehr, als wenn ich mein Zelt aufbauen würde. Ich habe sogar ein eigenes Bad und eine eigene Küche da drin – ich bleibe für 2 Tage, da es morgen aufklaren soll. Dann aber: Kurven, Kurven, Kurven!!!!!

 

Heute Abend gibt es Kottelet und Salat! Natürlich mit einem frischen, knackigem Baguette!!!!

 

 

Dienstag, 25.07.2017 Cevennenrundfahrt der besonderen Art - 257 Km

 

Maurice hatte mir zum Abschied noch eine Route für eine Cevennenrundfahrt übergeben. Diese hatte er von einem Freund, der hier in der Gegend aufgewachsen ist und ab und an hierher zurück kommt, um hier Motorrad zu fahren.

Das Wetter ist wesentlich besser, es herrscht zwar immer noch ein starker Wind, aber die Niederschläge haben aufgehört. Ich fahre über 6 Stunden auf Straßen, die ich, obwohl ich jetzt schon einige Male hier war, absolut nicht kenne. Teilweise wird es recht eng auf der Straße und die Serpentinen, die ich überwinden muss, sind sehr steil und nur mit sehr altem, brüchigem Asphalt bedeckt. Dafür finde ich tolle Aussichten und komme zu der Erkenntnis, dass man hier sicherlich noch 10 Urlaube verbringen kann und immer noch nicht alle „Schleichwege“ über die Berge kennen gelernt hat. Die Tour ist so filigran, dass ich diese hier nicht im Detail beschreiben kann. Nachdem ich wieder zu Hause bin, werde ich sie zum Download für alle Interessierten einstellen.

 

 

Mittwoch, 26.07.2017 Florac bis Camp Douze/Charlieu - 319 Km

 

Ich fahre zunächst noch einmal ein Stück an der Tarn entlang, um jedoch in Molines abzubiegen und mich wieder in die Berge hinauf zu schrauben. Ab jetzt geht es auf kleinen Straßen den Berg hinauf und in Serpentinen ins nächste Tal wieder hinunter. Ein munteres Spielchen, das sich dann über einige Stunden hinzieht – mir wird dabei absolut nicht langweilig! Die Strecke führt über Mende, Langeac und Saint-Germain ´L Herm. Die Straßen bleiben anspruchsvoll und mit Kurven gespickt.

Leider ist der Straßenbelag streckenweise nass und ich muss bei dem, mit Marmor durchsetzten Straßenbelag doch achtgeben, dass ich nicht wegrutsche und dann der Rollsplit. Die Franzosen sind Meister im Streuen von Split und das in Mengen, die man nicht mehr nachvollziehen kann.

90 Prozent der Tour fahre ich auf kleinen und kleinsten Straßen, die Kurven stehen denen von gestern in nichts nach und so macht die heutige Tour einen riesigen Spaß. Bis Saint-André-´D Apchon geht das so weiter, danach werden die Kurven langezogen und die Straßen breiter bis ich auf dem Campingplatz in Charlieu ankomme.

Wie ich feststelle, ist der Platz zwar komplett runderneuert worden, aber Internet haben sie immer noch nicht und so kommt der Beitrag erst morgen ins Netz.

 

 

Donnerstag, 27.07.2017 Charlieu bis Belfort - 326 Km

 

Heute Morgen gegen 05.00 Uhr hat es über eine Stunde fleißig geregnet und der Himmel ist Wolken verhangen. Ich baue das Zelt nass ab und bin froh, dass es während des Abbauens wenigstens nicht regnet.

Mein Weg Richtung Belfort ist unspektakulär und so bin ich recht früh am Nachmittag im Ort. Es regnet schon wieder. Jetzt schlage ich so mein Zelt sicherlich nicht mehr auf! Booking.com muss herhalten und so buche ich für wenig Geld ein Zimmer in einer Pension in einem Vorort. Tja, und dann beginnt das Erlebnis: die Herbergsleute sind Russen (wusste ich nicht, wäre ja auch nicht schlimm!!) und hier scheinen alle Polen, Tschechen und dergleichen abzusteigen. Zumeist „Handwerker“ oder „Händler“ – gut, dass ich die Unterhaltungen nicht verstehe, sonst hätte ich ggf. doch noch meine französischen Kollegen aufsuchen müssen. Benehmen können die Herrschaften sich zumindest mal nicht, die Türen werden geknallt, die „Unterhaltung“ ist sehr laut …..

Naja, mein Motorrad steht über Nacht sicher in der Garage der Chefin! Mal sehen, was ich morgen noch so berichten kann.

 

 

Freitag, 28.07.2017 Belfort bis Pfungstadt - 415 Km)

 

Die Nacht gestaltete sich recht unruhig, bei 5 Zimmern und insgesamt 9 Männern auf der Etage – UND nur einer Etagentoilette. Es war ein Kommen und Gehen mit knarrenden Dielen.

Ich war bereits gegen 05.30 Uhr „ausgeschlafen“ und machte mich auf die Socken, als erster ins Bad in der darunterliegenden Etage zu gelangen. So konnte ich mich in aller Ruhe frisch machen und hatte auch noch ein recht sauberes Bad angetroffen. Als ich nach 20 Minuten in meinem Zimmer zurück war, begann der „Ansturm“ der restlichen Übernachtungsgäste. Ich hatte jetzt viel Zeit und räumte in aller Ruhe meine Klamotten ein. Um kurz nach 07.00 Uhr vernahm ich Kaffeegeruch und den Geruch von frisch Gebackenem. Ich schlich mich in den Frühstücksraum, in dem bereits vier Handwerker beim Frühstück saßen. Ich wurde auch Russisch wohl gefragt, was ich denn zum Frühstück möchte. Als ich nicht reagierte und jeder in mein fragendes Gesicht geblickt hatte, muss die Frage als nächstes auf Französisch gekommen sein. Auch da zeigte ich wohl nicht die rechte Reaktion. Ein junger tschechischer Handwerker begriff und übersetzte mir das alles mit mannigfacher Erklärung dann auf Deutsch. Meine Antwort wurde prompt auf Russisch weitergegeben und ich erhielt kurz darauf einen Teller, der mit einem Berg von Wurst und Käse überfüllt war, unmittelbar darauf folgten dann zwei Spiegeleier und frisches Weißbrot. Der Kaffe wurde mir von den Handwerkern „serviert“. Womit habe ich das denn verdient? Alle waren sehr nett zu mir und fragten andauernd, was ich denn noch bräuchte. Mit einem Mal fühlte ich mich wohl in der Runde – alles war wirklich herzlich! Da hatte mich mein Vorurteil mal wieder eingeholt!!!!!

Nach einem langen Frühstück startete ich dann in die Vogesen – Richtung Ballon du Vosges, ein Stück entlang der noch sehr jungen Mosel und dann über den Wildenstein, die Route des Cretes zur La Schlucht, hinunter ins Munstertal. Über den Bonne Homme fuhr ich dann Richtung Straßburg.
 

Auf der A 35, der Autobahn auf der französischen Seite, kann ich noch bis nach Straßburg. Jetzt lag vor mir ein riesiger Stau und ich bog Richtung Offenburg ab. Die Deutsche Seite mit ihrer A 5 hatte auch noch viele Staus bis Pfungstadt zu bieten. ABER, man fährt ja nicht umsonst Motorrad!! „Irgendwie“ durchfuhr ich fast jeden Stau und kam dann wohlbehalten in Pfungstadt an.

 

 

 

Ich möchte mich bei allen, die mich „begleitet“ haben herzlich für ihre Anregungen und Hinweise in Facebook, per Mail und in meinem Gästebuch bedanken.

 

 

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